Wie zur besten Einkaufszeit: Das Bild einer Anwohnerin dokumentiert, was am späten Samstagabend auf dem Kinzigbogen-Parkplatz los ist.
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Wie zur besten Einkaufszeit: Das Bild einer Anwohnerin dokumentiert, was am späten Samstagabend auf dem Kinzigbogen-Parkplatz los ist.

Tiefpunkt am Wochenende

„Es war die Hölle“: Autoposer-Terror in Hanau – Klare Ansage der Polizei

  • vonTheresa Ricke
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  • Mirjam Fritzsche
    Mirjam Fritzsche
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Autoposer terrorisieren die Anwohner am Kinzigbogen in Hanau. Die Polizei teilt Details zu dem traurigen Tiefpunkt am Wochenende mit.

+++ 17.00 Uhr: Die Polizei liefert nun neue Details zu der wiederholten Belästigung von Autoposern am Kinzigbogen in Hanau. Am Freitagabend zählte die Hanauer Polizei etwa 150, am Abend darauf schätzungsweise 250 Fahrzeuge. Es sei zu zahlreichen Anrufen und Beschwerden von Anwohnerinnen und Anwohnern gekommen, teilt die Polizei mit.

Die Polizeistreifen im Einsatz stellten unter anderem andauerndes Hupen und aufheulende Motoren auf dem Gelände fest, heißt es in der Mitteilung der Polizei weiter. Da sich an beiden Abenden eine Vielzahl der Anwesenden auch nicht an die geltenden Coronaregeln gehalten habe, schritten die Ordnungshüter ein, indem sie den Parkplatz abriegelten und das Treffen mit Lautsprecherdurchsagen beendeten. Den Aufforderungen sei anfänglich nur widerwillig Folge geleistet worden. Es seien zahlreiche Platzverweise erteilt worden. Die Lage konnte dadurch jeweils beruhigt werden.

Autoposer am Kinzigbogen: 50 Personen- und Fahrzeugkontrollen sowie Platzverweise an einem Abend

Die Polizei bilanzierte neben mehr als einem Dutzend zulassungsrechtlicher Verstöße und einiger Zuwiderhandlungen gegen die Corona-Bestimmungen allein am Freitagabend über 50 Personen- und Fahrzeugkontrollen sowie Platzverweise. Außerdem weist die Polizei auf den Zustand des Platzes hin: Er sei „an beiden Tagen zum wiederholten Male regelrecht zugemüllt hinterlassen“ worden.

Die Polizei und die Stadt Hanau, die mit den Verantwortlichen des Kinzigbogens im Austausch sind, werden die Lage weiterhin genau im Blick haben und auch zukünftig konsequent gegen Ruhestörungen, Rasereien und weitere szenetypische Verstöße vorgehen, betont die Polizei. Sie kündigt an, dass anlässlich des bevorstehenden Karfreitags, den die Tuningszene alljährlich zum „Car-Freitag“ umfunktioniert, Beamte am kommenden Wochenende im Rahmen eines landesweiten Aktionstages gezielte Kontrollen durchführen würden.

„Es war die Hölle“ - Autoposer-Terror am Kinzigbogen in Hanau, Polizei mit Großaufgebot vor Ort

Update vom 29.03.2021, 12:27 Uhr: Es war ein unruhiges Wochenende für die Anwohner am Kinzigbogen in Maintal bei Hanau. Über 100 Autoposer lärmten auf dem dortigen Parkplatz und lieferten sich ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei. Die Beamten waren mit einem Großaufgebot vor Ort. Die Nerven der Anwohner liegen blank, denn das geht schon seit Monaten so. Am Montagnachmittag (29.03.2021) werden weitere Details von der Polizei zu den Vorkommnissen erwartet.

Autoposer terrorisieren Maintal: Doch damit ist bald Schluss

Hanau – Am Wochenende erreichte die Belästigung durch Autoposer am Kinzigbogen einen traurigen Höhepunkt. Sowohl in der Nacht zum Samstag als auch zum Sonntag kamen wieder Hunderte Fahrzeuge auf dem Parkplatz zusammen, lieferten sich Rennen, posteten Videos vom Driften in den sozialen Netzwerken, spielten Verstecken mit der Polizei. Die Anwohner sind mit ihren Nerven am Ende.

Mit einer Schranke, Pollern, sogenannten Kölner Tellern und Videoüberwachung wollen Stadt und Center Management dem Rasen am Kinzigbogen ein Ende machen. Stadtrat Thomas Morklock erläuterte im Gespräch mit unserer Zeitung das Ergebnis des Runden Tischs (wir berichteten). Am Wochenende (27./28.03.2021) meldete sich die SPD-Fraktion Hanau mit einer Mitteilung zu dem Thema zu Wort. Sie unterstütze die geplanten baulichen Maßnahmen am Kinzigbogen, heißt es dort. Jetzt gehe es um eine schnelle Umsetzung. „Bauliche Maßnahmen helfen schnell und konkret, indem sie den Platz zum Rasen unattraktiv machen – auch wenn es grundsätzlich schade ist, dass es solche Maßnahmen benötigt“, so Amin Jebabli, stellvertretender Fraktionsvorsitzender.

Autoposer-Terror: Lage am Kinzigbogen in Hanau spitzt sich zu

Die Anwohner, die seit Monaten von den Autoposern durch Hupkonzerte, aufheulende Motoren und quietschende Reifen regelrecht tyrannisiert werden, sind allerdings skeptisch, ob die angekündigten Maßnahmen ausreichen. Noch am Tag der Ankündigung des Maßnahmenkatalogs spitzt sich die Lage am Kinzigbogen zu.

„Der Parkplatz war so voll wie zur besten Einkaufszeit“, bestätigt ein Schutzmann dem HA. Es sei viel schlimmer gewesen als sonst. Eine Anwohnerin berichtet: „Als am Freitagabend die Polizei eintraf, sind bestimmt 25 Autos in den Johann-Kaiser-Ring eingefahren.“ Dort hätten sich die Autoposer auf Anwohnerparkplätzen und an Müllplätzen versteckt. Am Samstagabend sind die Anwohner vorbereitet, stellen sich den aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet angerückten Fahrzeugen in den Weg und verhindern so, dass diese im Wohngebiet „untertauchen“ können.

Autoposer am Kinzigbogen in Hanau: „Es war die Hölle am Samstagabend“

„Es war die Hölle am Samstagabend“, fasst eine Anwohnerin zusammen. In den sozialen Netzwerken habe es Aufrufe zu den Treffen gegeben, die von mehreren zehntausend Leuten geteilt wurden. Die ersten Rennen hätten begonnen, da sei der Rewe noch geöffnet gewesen. Als die Beamten die Zufahrten abriegeln, versuchen die Autoposer über Fußgängerüberwege zu flüchten. Das Video eines Anwohners belegt, was es für ein Hupen und Gejohle gibt, als die Polizei die Lichter auf dem Parkplatz ausschalten lässt.

Während dem Polizeipräsidium Südosthessen das Geschehen in seinem täglichen Pressebericht keine Zeile wert ist – „Keine Beiträge“ meldet Offenbach fürs Wochenende – wird auf Nachfrage des HA klar, dass die Beamten mit einem Großaufgebot vor Ort waren. „Gegen 1.50 Uhr sind in der Nacht zum Sonntag 250 Fahrzeuge am Kinzigbogen festgestellt worden*“, berichtet der diensthabende Polizeiführer vom Dienst. Etwa 350 Personen hätten sich dort aufgehalten, Corona-Abstandsregeln seien missachtet worden. Die Polizei ist mit sechs Streifenwagen im Einsatz, zieht zwölf Autos aus dem Verkehr. Sie werden wegen unzulässiger Umbauten stillgelegt.

Am 1. April soll die Schranke in Betrieb gehen. Am kommenden Wochenende hat sie dann voraussichtlich ihre erste große Bewährungsprobe. Dröhnende Motoren, quietschende Bremsen, voll aufgedrehte Musik aus Lautsprecherboxen, Hupkonzerte: Auch der Parkplatz am Mainufer in Offenbach verwandelt sich seit Monaten zum nächtlichen Treffpunkt junger Menschen mit dicken Autos. (Mirjam Fritzsche) *fuldauer-zeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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