Heidrun Krebs geht in den Ruhestand: Nach 37 Jahren schließt sie ihr Schuhgeschäft in der Hanauer Rosenstraße.
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Heidrun Krebs geht in den Ruhestand: Nach 37 Jahren schließt sie ihr Schuhgeschäft in der Hanauer Rosenstraße.

Abschied nach 37 Jahren

Traditionsreiches Schuhgeschäft Vivas macht dicht

  • Jasmin Jakob
    vonJasmin Jakob
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Das traditionsreiche Schuhgeschäft „Viva‘s“ in Hanau schließt. Die Besitzer Heidrun Krebs geht in den Ruhestand und blickt auf 37 Geschäftsjahre und eine enge Verbundenheit mit ihren Kunden zurück.

  • Das Schuhgeschäft „Viva‘s“ in Hanau schließt am Ende des Jahres.
  • Die Besitzerin Heidrun Krebs blickt auf 37 Jahre Geschäftsleben in Hanau zurück.
  • Schuhe sind die Leidenschaft der 76-Jährigen, die jetzt in den Ruhestand geht.

Hanau – Eigentlich wollte sie noch ein paar Jahre weiterarbeiten, doch nun schließt Heidrun Krebs zum Ende des Jahres ihr Schuhgeschäft „Viva’s“ in der Rosenstraße. Denn sie geht in den Ruhestand. „Ich habe meinen Kunden immer gesagt, solange ich fit bin, mache ich weiter“, sagt die 76-Jährige und lacht. Jetzt freue sie sich allerdings doch auf mehr Zeit für sich und die Familie, auf das Ausschlafen und – sobald es wieder möglich ist – auf Reisen. Einen Nachfolger für ihr Geschäft hat Krebs nicht gefunden, in die Räumlichkeiten wird ab Februar ein Kinderladen ziehen.

Schuhgeschäft „Vivas“ in Hanau: Schwerer Abschied für Heidrun Krebs

Krebs fällt der Abschied aus dem Geschäftsleben nach 37 Jahren nicht leicht. „Ich habe immer an den stationären Einzelhandel geglaubt und glaube noch immer daran.“ Ihre Kunden werde sie vermissen und sei ihnen sehr dankbar für die jahrelange Treue. Über die Jahre habe sie einige Familiengeschichten gehört und eine enge Bindung zu ihren Kunden aufgebaut – und immer das richtige Händchen für den passenden Schuh gehabt.

Schließlich seien ihre Kunden nicht nur zum Schuhkauf, sondern auch zur Stilberatung in ihren Laden gekommen. „Ich war immer eine ehrliche Haut, und die Kunden haben es mir gedankt“, sagt Krebs. Denn das Schuhwerk sollte nicht nur bequem sein, sondern auch optisch etwas hermachen. Neben schlichten Alltagsschuhen setzte Krebs daher auch auf ausgefallenere Modelle, echte Hingucker, die gerade angesagt waren.

Heidrun Krebs: „Schuhe waren schon immer meine Leidenschaft“

„Schuhe waren schon immer meine Leidenschaft“, sagt die gebürtige Kahlerin. „Ich hab mir schon als Kind in Kahl am Schaufenster des Schuhladens die Nase platt gedrückt.“ Heimlich habe sie dort die Schuhe anprobiert und sich als Kind sogar alleine in das Geschäft gewagt. Ein Paar Schuhe hatte es ihr besonders angetan. „Ich hatte mich in weiße Ballerinas mit blauen Tupfen verliebt“, sagt sie und lacht. Dass sie selbst ein Schuhgeschäft leiten würde, daran hätte sie damals nicht gedacht. „Ich habe jung geheiratet und unsere zwei Kinder erzogen“, erzählt die gelernte Kauffrau.

Erst nach der Scheidung von ihrem Mann habe sie 1983 den Laden eröffnet. „Ich hatte damals von Tuten und Blasen gar keine Ahnung und habe mir alles selbst beigebracht.“ Daher erinnere sie sich noch genau an ihre erste Bestellung: „Das werde ich nie vergessen“, sagt sie und lacht. „Der Vertreter hat gemerkt, dass ich neu war, und hat mich sehr umfangreich beraten. Da habe ich Unmengen an Schuhen bestellt.“ Bis Krebs alle Schuhe an die Frau gebracht habe, sei einige Zeit vergangen.

Heidrun Krebs hat am Montag den Ladenschlüssel abgegeben. Ihren Abschied vom Schuhgeschäft feierte sie bereits Mitte Dezember in der Rosenstraße.

Schuhgeschäft in Hanau: Krebs setzte auf spanische und italienische Familienunternehmen

37 Jahre lang habe sie ihr Sortiment alleine ausgesucht, ist zu Designern nach Mailand geflogen und zu internationalen Messen nach Düsseldorf gefahren. Dabei habe sie immer darauf geachtet, besonders hochwertige Schuhe zu kaufen. Angefangen hatte sie mit großen und exklusiven Marken wie Ottorino Bossi, Jil Sander oder Sergio Rossi. „Irgendwann haben die Labels aber ihre eigenen Geschäfte eröffnet, dann brachen die Leute weg, die vorher diese Marken gekauft haben.“ Auch habe Krebs gemerkt, dass ihrer Kundschaft die Schuhe zu teuer wurden. Daraufhin bestellte sie bei spanischen und italienischen Familienunternehmen.

Nicht nur der Modegeschmack und das Kaufverhalten der Kunden, auch das Gesicht der Stadt hatte sich im Lauf der Zeit stark gewandelt. Denn 1983 war die Rosenstraße noch eine Durchgangsstraße, bis sie gegen Ende des Jahrzehnts zur Fußgängerzone umgestaltet wurde. Die Straßen wurden aufgerissen, Leitungen neu verlegt. Das habe sich laut Krebs natürlich auch wirtschaftlich niedergeschlagen, da sich Kunden durch die Baustelle hätten abschrecken lassen. Aber die Stadt habe sich in Krebs‘ Augen zum Positiven gewandelt. „Ich war immer dafür, dass Hanau sich modernisiert.“ Ähnlich sei das auch beim zweiten Stadtumbau gewesen, den die Geschäftsfrau knapp 20 Jahre später miterlebt hat. Auch der Online-Handel habe sie vor neue Herausforderungen gestellt.

Besitzerin des Schuhgeschäfts und andere Ladeninhaber in Hanau veranstalteten eigene Modenschauen

Ende der 1990er Jahre hatten sich daher die Ladeninhaber der Rosenstraße zusammengetan, um mit kreativen Ideen und Konzepten auf sich aufmerksam zu machen. Legendär seien damals die Modenschauen gewesen, die Krebs und die Inhaber der benachbarten Geschäfte wie Daus-Moden, Klassert-Seeliger und andere veranstaltet haben. In der Rosenstraße bauten sie einen zehn Meter langen Laufsteg auf, wo die angesagtesten Brillen-, Hut-, Schuh- und Modetrends der Saison aufgetragen wurden. Junge Frauen, die bei der Tanzschule Berné tanzten, präsentierten diese mit einer eigens einstudierten Choreografie.

„Wir haben uns viel einfallen lassen, um die Leute in die Rosenstraße zu locken.“ Von Mottowochen, bei denen alle Geschäfte passend zu einem Thema dekoriert waren zu zahlreichen Festen. Dabei seien sie zu einer eingeschworenen Gemeinschaft geworden. In dieser feierte Heidrun Krebs bereits Mitte Dezember ihren Abschied. (Jasmin Jakob)

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