Da müssen noch einige Steine bewegt werden: Um dem wachsenden Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen gerecht zu werden, muss die Stadt neue Einrichtungen schaffen. Konkret geplant ist zum Beispiel eine Kindertagesstätte im Pioneer Park. Symbolfoto: Pixabay

Hanau

Wie Hanau dem gestiegenen Kita-Bedarf begegnen will

Hanau. Die Städte und Gemeinden in der östlichen Rhein-Main-Region wachsen, allen voran die Stadt Hanau, deren Einwohnerzahl in absehbarer Zeit die Marke von 100 000 überschreiten wird. Wachstum allein ist erfreulich für die Kommune, bedeutet es doch höhere Steuereinnahmen und Zuweisungen aus dem Kommunalen Finanzausgleich.

Von David Scheck

Doch zeitgleich bringt es auch große Herausforderungen, verbunden mit hohen Investitionen, mit sich. Denn für all die neuen Bewohner muss die nötige Infrastruktur geschaffen werden. Allein die Bereitstellung von genügend Plätzen in der Kinderbetreuung wird für die Verwaltung in den kommenden Jahren zu einer Mammutaufgabe.

Wird für die wachsende Bevölkerung auch eine größere soziale Infrastruktur gewährleistet? Diese Frage hatte die CDU-Fraktion an den Magistrat gestellt, die nun in der Stadtverordnetenversammlung am Montagabend ausführlich beantwortet wurde.

Hanau hat Geburtenanstieg zu verzeichnen

Zwei unterschiedliche Gutachten gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2030 in Hanau 5445 beziehungsweise 7510 neue Wohneinheiten entstanden sein werden. Zur Einschätzung: Auf dem Pioneer-Gelände in Wolfgang sollen rund 1600 Wohneinheiten – also Einfamilienhäuser sowie Wohnungen im Geschosswohnungsbau, entstehen – die Planer rechnen dort mit 5000 zukünftigen neuen Hanauern. Unter den Menschen, die sich neuin der Brüder-Grimm-Stadt ansiedeln, werden auch etliche Familien sein.

Doch auch unabhängig von den entstehenden und geplanten Neubaugebieten ist laut Magistrat ein kontinuierlicher Geburtenanstieg zu verzeichnen: So sei seit drei Jahren erkennbar, dass pro Jahr mehr als 1000 Kinder mit Wohnsitz in Hanau geboren würden.

Bereits jetzt gibt es Engpässe

Was heißt das also für die städtische Kinderbetreuung? Auf der Grundlage der aktuellen Bedarfsplanung seien bis 2030 rund 1000 weitere Betreuungsplätze für Kinder im Alter von null bis sechs Jahren geplant, so der Magistrat. Dies bedeutet konkret, dass mindestens sechs neue Einrichtungen gebaut und rund 50 weitere Tagesmütter beziehungsweise Tagesväter eingestellt werden müssen. Aktuell sind 72 Tagespflegepersonen für die Stadt Hanau tätig.

Der größte Handlungsbedarf in Sachen Kinderbetreuung besteht – wenig überraschend – aufgrund der Neubauaktivitäten in Großauheim und Wolfgang. Dort sowie in den Stadtteilen Klein-Auheim und Steinheim gebe es bereits jetzt Engpässe bei den Kita-Plätzen.

Geplante Schule erst in vier Jahren fertig

Konkret in der Planung sind im Pioneer Park der Bau einer Kindertagesstätte sowie einer inklusiven Grundschule mit Turnhalle. Die Kita soll Platz für bis zu 175 Kinder bieten. Voraussichtlicher Baustart für die Kindertagesstätte wird Anfang 2020 sein, die Fertigstellung ist für Winter 2021 vorgesehen. Die Grundschule wird voraussichtlich ab Sommer 2023 nutzbar sein.

Leichte Kritik an diesem Zeitplan kam in der Sitzung des Stadtparlaments von der CDU. Vor dem Hintergrund, dass bereits im kommenden Jahr die ersten Bewohner ins Triangle Housing einzögen, müsse die Kita schnell fertig werden, so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Joachim Stamm. Auch dass die geplante Schule erst in vier Jahren fertig sei, sieht Stamm problematisch.

Weiteres Problem ist der Fachkräftemangel

Was die Betreuungsabdeckung im Bereich bei Kindern unter drei Jahren (U3) angeht, liege Hanau im bundesweiten Trend: Trotz einer Aufstockung in den vergangenen drei Jahren um insgesamt 154 Plätze kann der Bedarf nicht gedeckt werden. Mit einer Erweiterung der Familientagesbetreuung sowie durch neue Kitas sollen weitere 150 Plätze geschaffen werden.

Im Bereich der Kinder über drei Jahren (Ü3) betrage der Versorgungsgrad aktuell 97,4 Prozent. Eine 100-prozentige Versorgung werde weiterhin angestrebt, dazu nötig sei eine Erweiterung um etwa 100 Plätze.Ein Problem bei einer zeitnahen Lösung des Versorgungsengpasses sei der zunehmende Fachkräftemangel: So könnten vier zusätzliche Gruppen in städtischen Einrichtungen (mit rund 80 Plätzen) aus diesem Grund nicht umgesetzt werden.

In Zukunft müsste stark investiert werden

Zwei Gruppen mit rund 50 Plätzen in freier Trägerschaft hätten aufgrund fehlenden Personals längerfristig geschlossen werden müssen. Zur Gewinnung von Erziehern gebe es eine groß angelegte Öffentlichkeitskampagne, unter anderem mit prominent platzierter Werbung in Bussen sowie an frequentierten Standorten wie dem Kulturforum oder Schwimmbädern.

Und auch auf Berufsmessen sowie Berufsinformationstagen an weiterführenden Schulen sei der städtische Eigenbetrieb Kindertagesbetreuung regelmäßig vertreten. Dennoch: Die Anstrengungen im Bereich der Personalakquise müssten in den kommenden Jahren „stark intensiviert werden“, so der Magistrat.

Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung Jeweils einstimmig von den Stadtverordneten beschlossen wurden am Montagabend folgende Punkte:- die von der SPD-Fraktion eingebrachte Resolution zum Erhalt der 400 Wohnungen in Sportsfield Housing.- der Antrag von SPD, Grünen, BfH und FDP „Maßnahmen der Stadt Hanau zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung“.- die Satzung zum Bebauungsplan Nr. 1106 „Pioneer-Kaserne“.- der Aufstellungsbeschluss zur Bauleitplanung zum Bebauungsplan Nr. 29.2 „Alfred-Delp-Straße“. Inhaltlich geht es um die Erneuerung des Stadtteilzentrums Südost und der Begegnungsstätte Freigericht.- die weitere Planung einer Straßenunterführung als Ersatz für den Bahnübergang Heideäcker Weg.- ein Investitionszuschuss für die Turngemeinde Hanau für den Neubau einer Sporthalle und die Neugestaltung der Außenanlagen zu einem Sportcampus in Höhe von 1,5 Millionen Euro. - der barrierefreie Umbau von insgesamt 16 Bushaltestellen im Stadtteil Mittelbuchen und im Stadtbezirk Hohe Tanne.- die Übernahme einer Ausfallbürgschaft den SV Germania Steinheim in Höhe von maximal 90 000 Euro.- die Nachbenennung von Lieselotte Schaffer zur Behindertenbeauftragten. das

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