Das Banner mit der eindeutigen Ansage an der Außenwand der Veranstaltungsräume ist Teil der Aktionen und Veranstaltungen des Hanauer Kulturvereins.
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Das Banner mit der eindeutigen Ansage an der Außenwand der Veranstaltungsräume ist Teil der Aktionen und Veranstaltungen des Hanauer Kulturvereins.

Themenwoche 19. Februar

Gesicht zeigen und Zeichen setzen: Hanauer Kulturverein zeigt virtuelle Ausstellung zum Anschlag

  • vonAndrea Pauly
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Noch ein paar Handgriffe und dann hängt es fest gezurrt an der Außenfassade des Remisengebäudes von Schloss Philippsruhe, gut sichtbar für Fußgänger, Fahrrad- und Autofahrer. „Gemeinsam für Respekt, Toleranz und Vielfalt“ steht in großen bunten Lettern auf dem Banner, das Vorstand und Mitglieder des Hanauer Kulturvereins zum Gedenken an die Opfer der rassistisch motivierten Morde am 19. Februar 2020 in Hanau hier platziert haben.

Hanau – Das Banner mit der eindeutigen Ansage an der Außenwand der Veranstaltungsräume, die coronabedingt gerade nicht genutzt werden dürfen, ist Teil der Aktionen und Veranstaltungen, mit denen der Verein „Gesicht zeigen und Zeichen setzen will“, so die Kulturvereinsvorsitzende Maria Dorn und Annette Schulmerich, die sich um die Pressearbeit für den Verein kümmert.

So wird aktuell auch die Ausstellung „Herkunft: Erde!“ auf der Homepage des Vereins in einer virtuellen Galerie präsentiert. „Künstlerisch tätige Mitglieder und zwei Gäste haben sich mit unterschiedlichen Techniken dem tragischen Ereignis und den Themenkreisen Rassismus und Diskriminierung gewidmet und ihre Empfindungen umgesetzt“, erläutert Schulmerich.

Ausstellung für November 2021 geplant

Schon im März während der Mitgliederversammlung habe man den Vorschlag von Dorn einstimmig angenommen, die für November 2020 geplante Mitglieder-Ausstellung erstmals unter ein gemeinsames Thema zu stellen, das Rassismus, Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit behandelt. „Durch die Corona-Pandemie musste diese Ausstellung leider ausfallen. Zum Jahresgedenken des Anschlags in Hanau haben wir uns entschlossen, diese nun vorab online zu präsentieren. Es ist geplant, die Ausstellung im November 2021 in unseren Räumen der Remisengalerie im Schloss Philippsruhe live zu zeigen“, erzählt die Pressebeauftragte. Und Maria Dorn fügt hinzu: „Wir haben eine Zeit lang um den Titel der Ausstellung gerungen, da der Name positiv besetzt sein sollte“.

Im Rahmen von „Herkunft: Erde!“ greifen die Künstlerinnen und Künstler das Themenspektrum mit ihren unterschiedlichen Genres Fotografie, Malerei, Objekte, Skulptur und Zeichnungen in ihrer eigenen Weise auf.

„Statt Ausgrenzung und Rassismus brauchen wir Solidarität, Rücksicht und Respekt“

„So sind äußerst heterogene Ausstellungsobjekte entstanden“, meint Dr. Udo Reckmann, zweiter Vorsitzender des Hanauer Kulturvereins. Neben ihm stellen Willi Brüggemann, Maria Dorn, Erika Herbert, Jane Kleinschmit, Almut Knebel, Antje Michael, Mojgan Razzaghi, Wilma Roth, Joachim Rother, INK Sonntag-Ramirez Ponce, Marianne Walter und als Gäste der Steinheimer Hugo Pimentel und der in Frankfurt lebende Künstler Ahmad Rafi aus.

„Wir sind trotz aller Vielfältigkeit und Unterschiede doch alle Kinder einer Mutter Erde mit ähnlichen Bedürfnissen, Wünschen und Rechten. Statt Ausgrenzung und Rassismus brauchen wir Solidarität, Rücksicht und Respekt. Eine demokratische Gesellschaft muss und kann Widersprüche, Vielfalt und Fremde nicht nur aushalten, sondern auch bestärken und begrüßen“, sind sich die Mitglieder des Kulturvereins einig.

Kultur aus Ausdruck der Gedanken und Gefühle

Der Hanauer Kulturverein habe es sich bei seiner Gründung schon zur Aufgabe gemacht, Kultur nicht auf Kunst zu begrenzen. Vielmehr gehe es dem Verein auch um ein Miteinander und die Art des Umgangs, so Maria Dorn. Wie man lebe, esse, Feste feiere, welcher Religion man angehöre, spiele dabei keine Rolle. Erst einmal gehe es darum, andere Menschen verstehen zu wollen und gegenseitig Respekt und Toleranz zu üben.

Kulturelle Ereignisse wie Ausstellungen, Musik, Theater, Lesungen und Vorträge bringen zum Ausdruck, was viele Menschen erleben und denken, sprechen Gefühl und Verstand an. „Da dies aktuell nur begrenzt möglich ist, können wir nur kleine Zeichen setzen“, sagt Vereinsmitglied und Künstlerin Almut Knebel. Man zeige sich unter anderem solidarisch mit den Künstlerinnen und Künstlern, deren Veranstaltungen ausfallen müssen und unterstütze sie in dieser schwierigen Lage mit einem kleinen finanziellen Ausgleich.

Auch Kulturverein möchte demonstrieren

Ein weiteres „Statement“ zum Gedenken an die Anschlagsopfer des 19. Februars ist das Spoken-Word-Gedicht „Hanau“ von Melis Ntente. Ihr rund fünfminütiger Vortrag des Poems, das als Video in der Remise von Schloss Philippsruhe aufgenommen wurde, ist ebenfalls auf der Homepage des Hanauer Kulturvereins zu sehen. Die Studentin ist hr2-Literaturpreisträgerin 2020 und schreibt nicht nur Gedichte, sondern ist auch Spoken Word Künstlerin beim Künstlerkollektiv „I, Slam“ in Frankfurt.

Nicht nur um den Familien der Opfer Mitgefühl zu zeigen, sondern auch, um zu demonstrieren, dass diese Tat nicht vergessen werden darf, werden Mitglieder des Hanauer Kulturvereins darüber hinaus am 19. Februar in Kleingruppen – natürlich unter Einhaltung der entsprechenden Hygienemaßnahmen – die Anschlagsorte besuchen. „Wir unterstützen den Wunsch der Angehörigen nach Aufklärung und Aufarbeitung des gesamten Geschehens. Teile einer demokratischen Kultur sind Offenheit und Transparenz. Es ist wichtig, Gesicht zu zeigen. Das tun wir“, fasst Maria Dorn das Anliegen des Vereins zusammen.

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