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Café Oase ist Treffpunkt für Geflüchtete und Einheimische

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Von: Kerstin Biehl

Begegnungen zwischen Deutschen und Geflüchteten – in den Sommermonaten fand das Flüchtlingscafé im Freien vor dem Pfarrzentrum Großauheim statt. ARchivfoto: Privat
Begegnungen zwischen Deutschen und Geflüchteten – in den Sommermonaten fand das Flüchtlingscafé im Freien vor dem Pfarrzentrum Großauheim statt. ARchivfoto: Privat © -

Einmal in der Woche hat das Begegnungscafé Oase geöffnet – dann ist Zeit zum Zusammenkommen, zum Kontakte knüpfen, Zeit für Gastfreundschaft und Integration. So, wie es auch in den Zielen der Oase formuliert ist. Die Initiatoren der Oase sind ein Trägerkreis aus Katholischer Pfarrgemeinde Sankt Jakobus Großauheim – vertreten durch Gemeindereferentin Birgit Imgram – Evangelischer Kirchengemeinde Wolfgang – vertreten durch Pfarrer Wolfgang Bromme – sowie der Verein Global Village – vertreten durch Chid Chamberlain.

Großauheim. Gemeindereferentin Birgit Imgram ist in der Oase eine Frau der ersten Stunde. An das erste Flüchtlingscafé, wie es oft im Sprachgebrauch bezeichnet wird, das am 9. Dezember 2015 Geflüchtete wie Einheimische zu Kaffee und Kuchen einlud, erinnert sie sich noch genau. „Wir haben noch in dem Jahr angefangen, als die Flüchtlinge kamen. Pfarrer Bromme und ich, dazu zwei Mitarbeiter mit je zehn Wochenstunden, sowie den damaligen Minijobber Chid Chamberlain, einst selbst ein Flüchtling. Und wir hatten von Beginn an ganz viele ehrenamtliche Helfer.“

Sie und Pfarrer Bromme – auf seinem Pfarreigebiet liegt die Flüchtlingsunterkunft Sportsfield Housing – hätten sich damals gefragt, was die Kirche für die Geflüchteten tun könne. „Für uns stand fest, dass wir in dieser Frage ökumenisch zusammen arbeiten wollen. So haben wir die Idee des Flüchtlingscafés entwickelt. Ein Ort, an dem Geflüchtete und Einheimische bei Kaffee und Kuchen zusammenkommen.“

Es sind Freundschaften entstanden

Die Idee ging auf. Und das von Beginn an. Die Flüchtlinge kamen – und auch die Einheimischen. Manche aus Neugier, manche aus Engagement und andere, um einfach nur einen Kaffee zu genießen. „Wir bekamen zwei Klassenräume in der alten Robinsonschule in Wolfgang zur Verfügung gestellt, gesponsert damals von Evonik. Schon bei deren Renovierung haben Geflüchtete, es waren damals Syrer und Afghanen, mitgeholfen.“

Interessant sei es gewesen zu beobachten, wie sich die Gäste, zunächst vorsichtig, annäherten. „Mittlerweile sind zwischen manchen Ehrenamtlern und Flüchtlingen richtige Freundschaften entstanden.“ Einige der Flüchtlinge konnten sogar zeitweise im Café arbeiten, haben für ihre Tätigkeit einen kleinen Obolus bekommen, was ihnen bei späteren Bewerbungen geholfen hat.

Zwar ist das Hauptziel der Oase auch weiterhin die Begegnung und das Miteinander – inzwischen wird aber auch gerne die Hilfe Einheimischer beim Ausfüllen von Formularen oder bei Übersetzungen angenommen. „Oder Eltern kommen mit ihren Kindern und bitten uns, mal über deren Hausaufgaben zu schauen, weil sie selbst nicht schreiben oder kein Deutsch sprechen können.“

Einfach mal einen Kaffee zusammen trinken

Viele der geflüchteten Gäste leben mittlerweile gar nicht mehr auf Sportsfield, sondern in privaten Wohnungen. „In die Oase kommen sie aber weiterhin gerne. Auch aus Rodenbach oder anderen umliegenden Kommunen.“ Dabei sind die Herkunftsländer der Oase-Gäste so vielfältig, wie ihre Charaktere. Sie kommen aus Somalia, Eritrea, Äthiopien und dem Sudan. Aber auch aus Afghanistan und Syrien. „Leider sind die Gäste aus Deutschland weniger geworden“, bedauert Imgram. „Dabei müssen unsere Gäste ja gar keine Ehrenamtler sein, um uns zu besuchen. Sie können auch einfach nur mit uns Kaffee trinken“, betont sie.

Zum Schuljahresbeginn 2021/2022 ist das Begegnungscafé von der alten Robinsonschule in Wolfgang in das katholische Pfarrheim St. Jakobus in Großauheim umgezogen. Hintergrund war, dass die Robinsonschule wegen gestiegener Schülerzahlen Eigenbedarf angemeldet hat.

Die Gäste, die auf Sportsfield Housing leben, kommen jetzt mit dem Fahrrad oder dem Bus. „Das lief gut an. Wir konnten wegen des guten Wetters fast jeden Mittwoch Stühle und Tische im Freien aufstellen. Neben dem gemeinschaftlichen Essen, Trinken und Erzählen war weiterhin besonders Hausaufgabenhilfe für Kinder und Beratung bei der Jobsuche gefragt“, berichtet Imgram. Dafür hat Mit-Organisator Chid Chamberlain eigens eine WhatsApp-Gruppe eingerichtet, über die sich die Oase-Gäste über Jobangebote und freie Wohnungen austauschen können.

Wegen Corona herrscht Pause

„Oft singen oder spielen wir auch zusammen. Ein besonderer Höhepunkt war der gemeinsame Besuch des ökumenischen Kirchentags in Berlin“, erinnert sich die Gemeindereferentin. Für das „herausragende Engagement in der Flüchtlingshilfe“ – so die damalige Begründung – ist das Begegnungscafé Oase mit dem Preis für Solidarität des Bistums Fulda und dem Integrationspreis der Stadt Hanau ausgezeichnet worden.

„Jetzt hoffen wir, dass es bald weitergehen kann“, sagt Imgram. Denn im vergangenen November hat sich der Trägerkreis dazu entschlossen, die wöchentlichen Zusammenkünfte – coronabedingt – zu pausieren. „Wir wollen auf jeden Fall, spätestens, wenn es wieder wärmer wird und wir draußen sitzen können, wieder öffnen“, sagt Imgram.

» oase-hanau.de

Von Kerstin Biehl

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