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Hanauer Feuerwehr setzt auf Nachwuchs

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Das goldene Brandschutzverdienstzeichen am Bande verliehen Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Stadtbrandinspektor Michael Schleiff an den ehemaligen Hanauer Feuerwehrchef Peter Hack (siehe Box).
Das goldene Brandschutzverdienstzeichen am Bande verliehen Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Stadtbrandinspektor Michael Schleiff an den ehemaligen Hanauer Feuerwehrchef Peter Hack (siehe Box). © Michael Prochnow

293 Kräfte, davon 42 Frauen, das ist ein Dutzend mehr Aktive – trotz Pandemie. Stadtbrandinspektor Michael Schleiff gab bei der Versammlung der Hanauer Feuerwehren seinen ersten Bericht seit der Einführung einer Berufsfeuerwehr zum Januar 2021. Noch bevor die jüngste Großstadt Hessens dazu verpflichtet worden wäre, ging die Einrichtung an den Start, verkündete der Sprecher bei der gemeinsamen Jahreshauptversammlung aller Wehren in der Hauptfeuerwache an der August-Sunkel-Straße.

Hanau - „Das Thema Mitgliedergewinnung wird uns in Zukunft stärker beschäftigen“, betonte Schleiff, und die Stadtteilwehren müssen in diese Bemühungen eingebunden werden. „Nicht alle Aktionen gibt’s zum Nulltarif“, wandte er sich an die Stadtoberen im Lehrsaal, einem Verlust von Erfahrung, Fachwissen und Kompetenz zuvorzukommen. Die „größten Nachwuchsquellen“ seien die Kinder- und Jugendfeuerwehren, die 113 und 104 Mädchen und Jungen in allen Stadtteilen zählen. 118 Frauen und Männer umfassen die Ehren- und Altersabteilungen. Bei der Berufsfeuerwehr stehen 87 Hauptamtliche unter Vertrag.

„Die Pandemie hat uns hart getroffen“, resümierte der Sprecher nach dem bisherigen Verlauf. Über die Feuerwehrhäuser wurde ein Betretungsverbot verhängt, was Ausbildung und Übungen auf Online-Unterricht beschränkte, „aber es sind alle bei der Stange geblieben“. Die Brandschutzerziehung für Kinder, Senioren und Menschen mit Behinderungen sei ein Vorbild, Interessierte aus dem ganzen Bundesgebiet informieren sich in der Brüder-Grimm-Stadt. Probleme bereite die hessenweit genutzte EDV der freiwilligen Wehren, die nicht mit den Computerprogrammen der Berufsfeuerwehr kompatibel sei. „Die Wehrführer sind teilweise vom Datenzugang abgeschnitten“, mahnte der Inspektor, „ich erwarte eine zeitnahe und für alle verträgliche Lösung“.

Ehrenamt bleibt wichtig

Fürs Ehrenamt plädierte er für eine eigene Stelle: „Wir müssen uns zukunftsorientiert aufstellen.“ Berufs- und freiwillige Wehren seien wie „zwei Flügel des Schwans im Hanauer Wappen, beide sind notwendig“. Für die Bevölkerung ändere sich durch die neue Struktur wenig, betonte Hendrik Frese, der neue Leiter der Hanauer Feuerwehr. Die Einsatzleitung übernehme jetzt die Berufliche. Die Lieferzeiten für Fahrzeuge liege bei zwei Jahren und mehr, das müsse künftig bei der Beschaffung berücksichtigt werden. Frese lobte die mit einem „unglaublich hohen Engagement“ erarbeiteten Hygienekonzepte, dank derer es kaum Ausfälle gab.

Mit 510 Einsätzen hatten die Helfer im vergangenen Jahr relativ wenig zu tun. Der Leiter erinnerte an einen gesunkenen Bootssteg, an Hochwasser in Langenselbold, Brände in Gartenbaubetrieb, Sauna, Dachstuhl und einer schwer zugänglichen Lärmschutzwand, an die Bergung von Gefahrgut und 130 Einsatzstellen nach einem Unwetter. Aktive retteten eine Person vom Baukran und nach einem Lkw-Unfall, bargen einen Pkw aus dem Gleisbett, leisteten Unterstützung im Ahrtal.

Höheres Gefahrenpotenzial durch Klimawandel

Mit 255 an der Zahl waren deutlich weniger Brände zu löschen, mit 700 etwa 100 mehr Hilfeleistungen zu erbringen. 401 Fehlalarme weist die Statistik aus, macht zwei Einsätze mehr als im Vorjahr, zusammen 1429.

27 Personen wurden gerettet, sieben Kameraden verletzt. Der Trend zeige mehr Alarmierungen werktags und tagsüber, oft helfen die Hanauer in Nachbarorten. Durch den Klimawandel herrsche ein höheres Gefahrenpotenzial, so gab es schon mehrere Waldbrände und Starkregen.

150 Helme für Atemschutzgeräteträger wurden angeschafft, neue Stiefel, mehrere neue Fahrzeuge, darunter acht Kommandowagen. Eine neue Drehleiter ist bestellt, ein Wechsellader werde benötigt. Für die Zukunft soll ein Fahrzeug- und Modularkonzept aufgebaut und ein Bedarfsentwicklungspapier erstellt werden, das Personal- und Materialbedarf bis 2040 berücksichtigt. Frese bat die Stadt, die Wehren an der Verkehrsplanung zu beteiligen: „Ein enger Kreisverkehr kostet uns 30 Sekunden“, mahnte der Feuerwehrchef. Stadtjugendfeuerwehrwart Benjamin Eckert informierte, dass 24 Jugendliche in die Einsatzabteilungen übernommen wurden. Der Nachwuchs traf sich zur feuerwehrtechnischen Ausbildung und einer Abschlussübung, zu Nachtwanderung, Filmabend und Ausflügen. Auch die Kindergruppen konnten nur über wenige Wochen ihre Betreuer sehen. Stattdessen gab es digitale Unterrichtseinheiten. Die Mitgliederzahl liegt konstant bei 113 Kindern.

Von Michael Prochnow

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