Einen Teil ihrer Jugend verbrachte die verstorbene Opernsängerin Christa Ludwig in Hanau, wo ihr Vater letzter Intendant des Stadttheaters war.
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Einen Teil ihrer Jugend verbrachte die verstorbene Opernsängerin Christa Ludwig in Hanau, wo ihr Vater letzter Intendant des Stadttheaters war.

Zum Tod der berühmten Mezzosopranistin Christa Ludwig

Sie verbrachte ihre Jugendjahre in Hanau

  • vonWerner Kurz
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Am Wochenende erreichte die Musikwelt die Nachricht vom Tod der Opern- und Konzertsängerin Christa Ludwig, die im Alter von 93 Jahren im niederösterreichischen Klosterneuburg gestorben ist (siehe auch Kultur-Seite 21).

Hanau - Das Urteil des berühmten Dirigenten und Komponisten Leonard Bernstein über seine Künstlerkollegin war schon vor vielen Jahren knapp und deutlich „Sie ist einfach die Beste!“ Und diese „beste“ Sängerin und Gesangslehrerin hatte auch eine, wenn auch kurze Beziehung zu Hanau.

Die Erinnerung daran verblasst, aber es gab Zeiten, da hatte Hanau noch ein Stadttheater mit eigenem Ensemble. Bis 1944 kriegsbedingt die deutschen Theater und Schauspielhäuser den Spielebetrieb einstellen mussten, ging auch in Hanau am Paradeplatz allabendlich der Vorhang hoch. Letzter Intendant des Hauses war Anton Ludwig. Dieser, selbst Tenor, hatte in Aachen unter Herbert von Karajan gearbeitet und 1940 die Leitung des Hauses in Hanau übernommen. Dies freilich schon unter der doppelten Einschränkung von nationalsozialistischer Kulturpolitik und des soeben ausgebrochenen Zweiten Weltkrieges. Mit ihm nach Hanau kam seine Familie, darunter eben auch die damals zwölfjährige Tochter Christa.

Erinnerungen an den Ritt auf dem Drahtesel

Karl Schweizer hat dies in einem Nebensatz in seinem Buch „Theater in Hanau“ erwähnt, welches der HANAUER ANZEIGER 2003 herausgeben hat. Als in den späten 1980er Jahren in Hanau eine Debatte um eine neue Theaterspielstätte anstelle der maroden Stadthalle begann, nahm der kulturell aufgeschlossene Chefredakteur dieser Zeitung, Helmut Blome (1929 bis 2009), engagiert Stellung und initiierte auch die historische Aufarbeitung von Hanaus Theatergeschichte. Das übernahm Karl Schweizer (1930 bis 2016), nicht nur Studiendirektor an der Karl-Rehbein-Schule, sondern auch langjähriger engagierter Theaterkritiker des HANAUER ANZEIGER.

Der Autor dieser Zeilen hatte seinerzeit die Ehre, das Projekt als HA-Kulturredakteur redaktionell zu begleiten. Schon beim Lektorat von Schweizers Manuskript war dem der Name Christa Ludwig aufgefallen. Karl Schweizer hatte zudem gesprächsweise erwähnt, dass er als Schüler, in etwa vom gleichen Jahrgang wie des Intendanten Töchterlein, dieses sogar einmal auf seinem Fahrrad-Gepäckträger (!) hatte nach Hause bringen dürfen.

Plötzlich den Star am Telefon

Um die Sache des Theaterneubaus zu befeuern hatte der HANAUER ANZEIGER den Münchner Generalintendanten August Everding für ein Vorwort zu Schweizers Buch gewinnen können. Welches Gewicht hätte da eine weltberühmte Sängerin in die Waagschale werfen können. Immerhin stellten sich seinerzeit besonders die Sozialdemokraten einer neuen Spielstätte in den Weg, auch wenn mit Klaus Remer (1939 bis 2016) einer der ihren Kulturdezernent in Hanau war.

Solches im Hinterkopf, schickte der HA-Kulturredakteur kurzerhand ein Exemplar von Schweizers Buch zusammen mit ein paar freundlichen Zeilen an die Sängerin, die damals in Mougins in Südfrankreich lebte. Doch eine Reaktion blieb aus. Verständlich, könnte man meinen, bekommen Menschen von solcher Prominenz doch sicher jeden Tag körbeweise Post.

Dann, ein halbes Jahr nach Erscheinen des Buchs, klingelte eines Nachmittags bei dem Kulturredakteur das Telefon. In der Leitung war mit äußerst freudiger Stimme: Christa Ludwig. Sie habe sich sehr, sehr gefreut, an das Hanauer Kapitel ihrer Jugend erinnert zu werden, ihr seien auch noch die letzten Hanauer Inszenierungen ihres Vaters präsent: Mozarts „Zauberflöte“ etwa, oder „Die Fledermaus“ von Johann Strauß.

Sie wollte das Neubauprojekt unterstützen

Die Überraschung des Chronisten ob solcher Erinnerungen war groß, noch größer wurde sie, als sich Christa Ludwig gar an den „Ritt“ auf Karl Schweizers Drahtesel zu erinnern vermochte. Ja, Hanau sei ihr, obwohl nur eine vier Jahre kurze Episode, in guter Erinnerung. Zur Theatersituation hatte sie dann noch eine Menge Fragen und das Neubauprojekt versprach sie, gerne zu unterstützen.

Leider ist es trotz des fast halbstündigen Ferngesprächs aus was immer für Gründen nicht dazu gekommen. Und es sollte auch noch Jahre dauern, ehe mit dem CPH alles andere als eine ordentliche Theaterspielstätte verwirklicht wurde. Ob Christa Ludwigs Wort etwas daran geändert hätte?

Dass aber ein Weltstar in dieser Sache zum Telefonhörer gegriffen und beim HANAUER ANZEIGER angerufen hat, dies ist eigentlich auch nur ein klein bisserl mehr als eine Fußnote in einem Journalistenleben. Von der großen, der „besten“ Sängerin Christa Ludwig hingegen wird die Musikwelt noch lange reden.

Von Werner Kurz

Das alte Hanauer Stadttheater wurde im Krieg fast vollständig zerstört und nicht wieder aufgebaut. An der Stelle steht heute das Y-Haus am Freiheitsplatz/Ecke Bangertstraße.

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