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Peter Fischer: „Gemeinsam sind wir viel stärker!“

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Immer klare Kante: Auch im Interview bezieht Eintracht-Präsident Peter Fischer, hier bei der Verleihung des Hamza-Kurtovic-Preises, Stellung zum gesellschaftlichen Umgang mit Rassismus.
Immer klare Kante: Auch im Interview bezieht Eintracht-Präsident Peter Fischer, hier bei der Verleihung des Hamza-Kurtovic-Preises, Stellung zum gesellschaftlichen Umgang mit Rassismus. © Frank Rumpenhorst/dpa

Eintracht Frankfurts Präsident Peter Fischer ist prominenter Teilnehmer des Abends der Demokratie, der Netzwerkveranstaltung am Dienstag, 24. Mai, im Congress-Park Hanau, zu der die HSG Hanau gemeinsam mit der Stadt einlädt. Bei dem Event werden sich die Gespräche um Rassismus und gesellschaftliche Verantwortung im Sport und in Unternehmen drehen. Im Vorfeld seines Besuchs in Hanau haben wir Fischer zu diesen Themen befragt.

Herr Fischer, Sie werden Gast sein beim „Abend der Demokratie“ in Hanau. Was erwarten Sie von dem Abend?
In Zeiten wie diesen ist es wichtig, nicht nur über Werte und gesellschaftliche Verantwortung zu reden, sondern diese auch zu leben und zu vermitteln. Dabei helfen uns der Austausch, die Bühne und die Öffentlichkeit, die mit Veranstaltungen wie dem Abend der Demokratie einhergehen. Ich freue mich sehr auf einen interessanten Austausch mit Gästen aus Sport, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und darauf, dass ich als Präsident von Eintracht Frankfurt unsere Haltung vertreten und an der Podiumsdiskussion teilnehmen darf.

Diskutiert werden soll unter anderem die Frage, wie politisch Sport sein darf. Was ist Ihre Antwort?
Warum sollte man seine exponierte Stellung und Reichweite nicht dafür einsetzen, um seine Stimme gegen gesellschaftliche Fehlentwicklungen zu erheben, wenn es angebracht und notwendig ist? Das gilt nicht nur für den Sport, sondern auch für andere große Organisationen mit entsprechender Reichweite. Vereine sind Bürgerinitiativen. Wir machen das, was der Staat nicht leisten kann. Bei Eintracht Frankfurt vereinen wir über 100 000 Mitglieder aus allen Gesellschaftsschichten. Ein Teil des Vereinslebens dreht sich um den Sport, alles weitere sind gesellschaftliche Themen. Hier dreht es sich um Menschen mit all ihren Nöten und ihren Freuden.

Die Eintracht und Sie zeigen seit Jahren Flagge gegen Rassismus. Was haben Sie damit aus Ihrer Sicht bis heute bewirkt?
Ich bin wahnsinnig stolz darauf, dass die Integration in unserem Verein in allen Abteilungen, Altersklassen und Gremien aus voller Überzeugung gelebt wird. Wir stehen für eine klare Haltung gegen Ausländerfeindlichkeit, Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus. Das ist tief in unserer DNA verankert. Es sind unglaublich viele Menschen bei Eintracht Frankfurt Mitglied geworden, weil sie die Eintracht und unsere Position mit diesem Schritt unterstützen wollen. Zusammen zeigen wir klare Kante. Und dennoch: Es gibt noch viel zu wenige Vereine, Institutionen oder Unternehmen, die ihre exponierte Stellung und ihre Reichweite dafür einsetzen, um zu sagen: Wir sind das – und das sind wir nicht. Solange es rechtsradikale Anschläge und Morde wie in Halle 2019 oder Hanau 2020 gibt, müssen wir weiterkämpfen und alles dafür tun, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Auch in Zukunft werde ich mich weiterhin mit allem, was mir zur Verfügung steht, dafür einsetzen.

Welchen Zusammenhang gibt es in Ihren Augen zwischen Rassismus auf dem Fußballplatz und Rassismus in der Gesellschaft?
Ein großer Zusammenhang besteht nicht nur zwischen Rassismus auf dem Fußballplatz und Rassismus in der Gesellschaft. Sportvereine und Klubs wie Eintracht Frankfurt sind heute auch ein Fieberthermometer der Gesellschaft. Deshalb ist es umso wichtiger, als einer der größten und bedeutendsten Vereine in Deutschland klare Kante zu zeigen und Position zu beziehen.

Die Eintracht war Botschafter der Internationalen Wochen gegen Rassismus in diesem Jahr. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht, was nehmen Sie von diesen Aktionswochen mit?
Als Verein haben wir eine gewisse Reichweite, und wir müssen uns über genau diese Reichweite im Klaren sein. Diesen Einfluss nutzen wir gerne, um ein klares Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Wir beteiligen uns jedes Jahr an den Internationalen Wochen gegen Rassismus, unabhängig von unserer Botschafterrolle. Beeindruckt sind wir dieses Jahr aber vom Engagement der Zivilgesellschaft bundesweit. Es gab mit über 2100 Veranstaltungen so viele wie nie zu vor. Wichtig ist, sich nicht auf dem Erfolg auszuruhen, sondern sich ganzjährig gegen Rassismus, Antisemitismus und Homophobie einzusetzen.

Nach dem Anschlag vom 19. Februar 2020 waren Sie auch in Hanau zu Gast und haben die Opferfamilien unterstützt. Haben Sie heute noch Kontakt zu ihnen?
Ich stehe nach wie vor in engem Austausch mit den Familien der Opfer. Ich treffe sie regelmäßig in Hanau, und die Hinterbliebenen haben uns schon bei der Eintracht besucht. Wir haben von Anfang an die Familien begleitet, versuchen, mit finanzieller Unterstützung zu helfen, aber auch mit Solidarität. Wir möchten ihnen zeigen, dass sie nicht alleine sind und auf unsere Unterstützung zählen können. Wir stehen an ihrer Seite.

Wenn Sie einen Tag lang Politiker wären – was würden Sie tun im Kampf gegen Rassismus?
Vereine, Institutionen oder Unternehmen dazu auffordern, ihre Stimme zu erheben und sich klar zu positionieren. Wir dürfen niemals aufgeben, uns gegen die Rechten zu wehren. Wir sind ein Land, das bunt ist. Gemeinsam sind wir viel stärker! Wir sind mehr!

Die Fragen stellte Christian Dauber

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