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Bei der Museumseisenbahn Hanau dampft‘s und zischt‘s

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Die Heizerschaufel halten und Hebel und Handräder in einer Dampflok drehen – das war vom jungen Publikum am Familientag erwünscht.
Die Heizerschaufel halten und Hebel und Handräder in einer Dampflok drehen – das war vom jungen Publikum am Familientag erwünscht. © Detlef Sundermann

Der Heizer in der schwarzen Arbeitskleidung mit der gleichfarbigen Kappe auf dem Haupt zerstreut schnell die Bedenken der Mutter, dass ihr Filius auch nur irgendeinen Schaden an den schweren Handrädern anrichten kann. Die rot lackierten Bedienelemente, zumeist Kraft verlangende Hebel und zäh zu bewegende Drehräder der „38 1772“, sind an die einhundert Jahre kräftig zupackende Männerhände gewöhnt.

Hanau - Am Sonntag war bei der Museumseisenbahn Hanau auf dem Vereinsgelände des Historischen Betriebswerks am Gleisfeld des Hauptbahnhofs zum vierten Mal Familientag. Anlass war der Tag „Route der Industriekultur Junior“. „Wir machen mit, um den jungen Leuten so das Verständnis des Dampfantriebs und die historische Technik näher zu bringen“, sagt Vorstandsmitglied Daniel Brüser auf Anfrage.

Anders als beim großen Lokschuppenfest Mitte Juni war diesmal das Programm auf Kinder ausgerichtet: Draisinefahren, in den Führerstand einer Dampflok steigen oder eine Kurzfahrt in einer Diesellok zählten ebenso dazu wie das Bestaunen von altem Blechspielzeug oder die Dampfmaschinen fürs Kinderzimmer.

Funktionsprinzip erläutert

Mit großen Augen steht der Nachwuchs davor, um die ratternde und surrende Maschinerie, in der sichtbar Wasser brodelt, zu verstehen. Vereinsaktive erklären derweil das Funktionsprinzip zusätzlich an einer großen Schautafel und Klaus Bodens tut gleiches an einer Dampflokomotive, die mannshohe Antriebsräder besitzt und deren zwei Dampfkolben eine Gesamtleistung von knapp 1200 PS auf die Schiene brachten. Brachten, weil die Lok vor 30 Jahren mal entgleiste und seitdem ein verzogenes Fahrgestell hat. Den Schaden zu beheben und damit die Lok wieder betriebstauglich zu machen, würde mindestens eine halbe Million Euro kosten, heißt es. Und so bleibt die „38 1772“ Schauobjekt.

Dazu, dass es etwas zu Sehen und zu Erleben gibt, haben auch andere beigetragen. Bei dem Familientag wurden Vereine und Institutionen eingeladen, die mit dem Thema etwas zu tun haben, wie das Hessische Puppen- und Spielzeugmuseum oder die Feldbahn-Freunde Frankfurt. „Es ist wichtig, dass wir mit anderen kooperieren“, heißt es. Der Verein steht mit der Stiftung Deutsche Eisenbahn im Rücken gut da, berichtet Brüser. „Das Geld, das wir haben und erhalten, müssen wir dennoch gezielt für Projekte einsetzen“, sagt er.

Lokgaragen nahezu fertiggestellt

Dazu gehören etwa neue Radreifen für die mehr als 2200 PS starke und 169 Tonnen schwere Dampfschnelllok „01 150“. Die Neubereifung der zwei Meter hohen Eisenspeichenräder kosten rund 300 000 Euro. Ohne diese Instandsetzung darf die Lok, die im Besitz der Deutschen Bahn ist und vom Verein gefahren wird, nicht auf die Strecke gehen, etwa für Sonderfahrten, die dem Verein wiederum Geld bringen. Laut Brüser hat der Verein die Zeit der Corona-Einschränkungen weiter für die Instandhaltung und -setzung des ehemaligen Betriebswerks genutzt, das wegen seiner Einzigartigkeit mit den zwei Drehscheiben und den beiden Ringlokschuppen den Status eines Kulturdenkmals besitzt.

Die beiden Lokgaragen seien nahezu fertiggestellt, heißt es. Demnächst soll der sogenannte Vier-Eck-Lokschuppen wieder ein Dach bekommen und nutzbar gemacht werden. Dort sollen wie einst etwa Waggon- und Lokachsen ein- und ausgebaut werden können. Dem rollenden Material mit Werkzeug zu Leibe gehen, tun die Museumseisenbahner nicht allein beim eigenen Bestand. Auftragsarbeiten sind ebenfalls eine Einnahmequelle, um die nicht geringen Kosten für die Betriebszulassung zu stemmen. Deshalb ist auch viel ehrenamtliche Man- und Womanpower gefordert.

160 Mitglieder sind dabei

„Wir suchen immer Leute, die mitmachen“, sagt Brüser. Und es sind nicht nur Könner am Schraubenschlüssel oder Schweißbrenner gefragt. „Wir haben eine Vielzahl an Aufgaben zu vergeben, angefangen bei der Pflege des Geländes“, sagt er. Die Mitmacher bei den technischen Arbeiten haben nicht selten keinen entsprechenden beruflichen Hintergrund, sagt Brüser. Es gehören auch Büroangestellte zu Team.

Zurzeit hat der Verein rund 160 Mitglieder, „vom Schüler bis zum Rentner“. Die Zahl der Aktiven liege bei gut 20. Brüser sieht Hoffnung, dass es künftig mehr werden. „Ich denke, wenn die Bahn bei Pendlern und Reisenden wieder mehr eine Rolle spielt, werden sich vielleicht mehr Menschen für unseren Verein interessieren“, sagt er. „Bislang hatte die Bahn ein eher negatives Image. Für den Wandel könnte auch die Fortsetzung des 9-Euro-Tickets beitragen“, so Brüser.

» museumseisenbahn-hanau.de

Von Detlef Sundermann

Klaus Bodens (links) erklärt an der „38 1772“wie eine Dampflok funktioniert.
Klaus Bodens (links) erklärt an der „38 1772“wie eine Dampflok funktioniert. © -

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