Ist von Moritz Daniel Oppenheim beeindruckt: Meysam Ehtemai, der Kandidat der AfD für die Oberbürgermeisterwahl.
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Ist von Moritz Daniel Oppenheim beeindruckt: Meysam Ehtemai, der Kandidat der AfD für die Oberbürgermeisterwahl.

OB-Wahl in Hanau

Die Kandidaten im Porträt: Mit Meysam Ehtemai (AfD) unterwegs in Hanau

  • Christian Dauber
    vonChristian Dauber
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In der Brüder-Grimm-Stadt steht am Sonntag, 14. März, nicht nur die Kommunalwahl auf der Agenda, sondern auch die Wahl eines neuen Oberbürgermeisters oder einer neuen Oberbürgermeisterin. Neben Amtsinhaber Claus Kaminsky (SPD) buhlen mit Jens Böhringer (CDU), Anja Zeller (Grüne), Sven Zinserling (parteilos), Gerhard Stehlik (parteilos), Jochen Dohn (Die Linke) und Meysam Ehtemai (AfD) sechs weitere Kandidaten um Wählerstimmen. In dieser Woche stellen wir Ihnen die Bewerber, mit denen wir uns auf einen Spaziergang getroffen haben, in alphabetischer Reihenfolge im Porträt vor. Heute geht es mit Meysam Ehtemai (AfD) weiter.

Hanau - Meysam Ehtemai hat das Oppenheim-Denkmal am Freiheitsplatz als Treffpunkt für das Gespräch mit dem HA-Redakteur ausgewählt. Bewusst, wie der 40-Jährige betont, der bei der Oberbürgermeisterwahl für die AfD antritt. Besonders beeindruckt habe ihn ein Bild des jüdischen Malers, das die Rückkehr eines jüdischen freiwilligen Soldaten aus den Befreiungskriegen zeigt. Es sei ein Ausdruck „gelebter Vielfalt“, wenn man als Jude für das deutsche Vaterland kämpfe, meint Ehtemai, der mit seiner 38-jährigen Frau und seinen fünf- und dreijährigen Töchtern in Limburg wohnt. Hanau wolle er als Kulturstadt ausbauen.

Oppenheim sei stets seinem Glauben treu geblieben, ein assimilierter Jude gewesen. „So wie ich ein assimilierter Perser bin“, sagt Ehtemai, der mit seiner Familie 1995 aus dem Iran nach Deutschland flüchtete. In der Heimat wurden Ehtemais Eltern als Regimekritiker verfolgt und sein Vater für mehrere Jahre inhaftiert. In Deutschland wurde Ehtemai zum politischen Patrioten, wie er sagt. Vom muslimischen Glauben habe er sich abgewandt. „Alles, was ich habe, verdanke ich Deutschland“, betont er. Er sei mit dem hierher gekommen, was er am Leibe getragen habe. „Ich wurde aufgenommen, ausgebildet und in die Gesellschaft entlassen.“ Er sehe es als seine Aufgabe an, alles so zu erhalten, wie er es vorgefunden habe. Und das „deutsche Wohl“ zu vermehren, wie er beim coronakonformen Spaziergang durch die Innenstadt sagt. Wer sich an die gedeckte Tafel setze, müsse selbst etwas tun, sagt Ehtemai, der den deutschen und (noch) den iranischen Pass hat. Er hat dort einen Antrag auf Ausbürgerung gestellt.

Hanauer Initiativen gegen Alltagsrassismus sieht Ehtemai kritisch

Während er jene Menschen in der Pflicht sieht, die hier eine neue Heimat gefunden haben, beobachten viele einen wachsenden Alltagsrassismus. Gerade in Hanau gibt es seit dem 19. Februar viele Initiativen. „Ich sehe das kritisch. Das ist eine Art Aktionismus“, sagt Ehtemai, der die Anschläge verurteilt und eine Aufarbeitung der Geschehnisse fordert.

Aus seiner Heimat wisse er, was Alltagsrassismus bedeute, in Deutschland hätten jedoch alle dieselben Chancen. „Wenn ich mal eine Absage von einem Arbeitgeber erhalten habe, habe ich das nie auf meine Herkunft geschoben“, blickt Ehtemai zurück, der vor etwas mehr als zwei Jahren mit der SPD brach und der AfD beitrat. Warum? Weil die SPD beliebig und offen für alles geworden sei. „Das ‘D’ im Namen ist nur noch Makulatur. Die Politik der SPD ist nicht mehr auf Deutschland gerichtet.“ In der AfD fühle er sich besser aufgehoben, auch und gerade als Migrant. Er könne dort seine Positionen am besten vertreten. Dass es Widerstand gegen die Partei gebe, störe ihn nicht. „Diskussionen sind gut.“

ZUR PERSON

Name: Meysam Ehtemai

Geburtsort: Shiras/Iran

Alter: 40

Familienstand: verheiratet, zwei Kinder (drei und fünf Jahre alt)

Beruf: politischer Referent

Hobbys: Fechten, Musik hören, lesen

Politisches Vorbild: Janusz Korczak (Kinderarzt, der die Kinder seines Waisenhauses ins Vernichtungslager Treblinka begleitet hat, was für ihn selbst den Tod bedeutete)

Mit Hanau hatte Ehtemai, der als Referent für die AfD im Landtag arbeitet, bislang nicht viele Berührungspunkte. Der Diplom-Wirtschaftsingenieur war als Redner bei Veranstaltungen des AfD-Ortsverbandes zu Gast. Er habe sich gut mit Klaus Dippel, dem einstigen Ortssprecher, verstanden, viele Hanauer kennengelernt. Dann kam eins zum anderen. Ehtemai sieht es nicht als Nachteil, dass ihn mit Hanau nicht viel verbindet. „Ein OB ist Manager einer Stadt. Dazu braucht es auch den Blick von außen.“ An Wahlkampfständen habe er bereits viele Gespräche geführt.

Beim Spaziergang durch die Innenstadt erläutert Ehtemai HA-Redakteur Christian Dauber, wo er seine Schwerpunkte sieht.

Wichtiges Ziel sei, dass Hanau wieder „in der ersten Liga“ mitspiele, meint Ehtemai. Das sei nicht der Fall. Aus seiner Sicht wanderten viele Unternehmen ab. Die wirtschaftliche Stärke der Stadt sei allerdings schon immer der „Kitt“ gewesen, der alles zusammenhalte.

In Burschenschaft aktiv

Dass er als AfD-Oberbürgermeister möglicherweise mit Gegenwind aus dem Parlament rechnen müsste, beunruhigt Ehtemai nicht. „Ich will mit guten Vorschlägen überzeugen. Parlament ist kein Kindergarten“, sagt er. Auf Unterstützung von AfD-Politikern könnte er nicht zählen, da die Partei keine Liste für die Wahl zur Stadtverordnetenversammlung eingereicht hat. Anders sieht es in Ehtemais Heimatstadt Limburg aus. Dort gibt es eine AfD-Liste, auf der der 40-Jährige auch zu finden ist. „Ich habe auch eine Verantwortung gegenüber meinem Kreisverband.“ Dass der OB-Posten vorgehe, sei für ihn aber klar.

In seiner Freizeit hört Ehtemai nicht nur Pink Floyd oder liest Bücher, er ist auch in einer schlagenden Burschenschaft, einer Schülerverbindung, aktiv. Gefochten wird mit bedecktem Kopf, oberkörperfrei, „Da stellt man sich seinen Ängsten“, sagt er. Außerdem sei er stolz auf sein Allgemeinwissen. Und „mutig, gegen den Strom zu schwimmen“. (Von Christian Dauber)

Hier geht es zu den Porträts von Jens Böhringer (CDU), Jochen Dohn (LINKE), Claus Kaminsky (SPD) , Dr. Gerhard Stehlik (parteilos), Anja Zeller (Grüne) und Sven Zinserling (parteilos)

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