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Corona-Statistik durch Omikron verzerrt: Erfassung in Kliniken problematisch

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Von: Christian Dauber

Die Corona-Statistik der Kliniken ist auch für die Region Hanau verzerrt. ARCHIV
Die Corona-Statistik der Kliniken ist auch für die Region Hanau verzerrt. ARCHIV © SEBASTIAN GOLLNOW/DPA

Die Omikron-Variante in Hanau und dem Main-Kinzig Kreis breitet sich weiter rasant aus. Die Zahlen aus den Kliniken sind aber verzerrt, wie eine Klinik berichtet.

Hanau - Die Meldungen sind bekannt: Weil sich Omikron rasant verbreitet, füllen sich auch die Krankenhäuser mehr und mehr mit Corona-Patienten. Laut Internetseite des Hessischen Sozialministeriums sind in Hessen 1306 Betten auf Normalstationen mit Covid-Patienten belegt (Stand 9. Februar). Eine Woche zuvor lag die Zahl noch bei 1156. Ähnlich verhält es sich mit der Entwicklung der Zahlen im Main-Kinzig-Kreis.

Erst kürzlich hatte sich das Landratsamt angesichts der steigenden Zahlen in einer Mitteilung besorgt gezeigt. Doch: Die Statistik trügt. Zumindest in Teilen. Denn es wird nicht erfasst, ob jemand wegen Corona ins Krankenhaus kam – oder wegen eines ganz anderen gesundheitlichen Problems und dann positiv getestet wurde.

Corona im Main-Kinzig-Kreis: Klinik in Hanau bestätigt Problem bei der Erfassung

Das bestätigt das Klinikum Hanau auf Nachfrage unserer Zeitung. Danach werde nicht unterschieden, erläutert Janina Sauer, Pressesprecherin am Klinikum Hanau. Die Belegungszahlen würden täglich in einem digitalen System nach Stationen getrennt erfasst. Diese würden aktuell einmal täglich an IVENA (Interdisziplinärer Versorgungsnachweis Hessen) und die DIVI (Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin) gemeldet.

Stand Dienstag (08.02.2022) werden laut Sauer 48 Patienten mit einer bestätigten Covid-19-Infektion behandelt, davon werden zehn intensivmedizinisch versorgt. Da nicht nach Hospitalisierungsgrund unterschieden werde, „kann ich Ihnen nicht sagen, wie viele davon wegen Beschwerden aufgrund ihrer Covid-19-Erkrankung zu uns ins Klinikum gekommen sind“, so Sauer. Eine Anfrage ans St.-Vinzenz-Krankenhaus zum gleichen Thema blieb bis gestern Nachmittag unbeantwortet. Die Lage dort dürfte jedoch nicht anders sein, denn die Systematik ist in ganz Hessen ähnlich.

Corona in Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis: Hospitalisierungsinzidenz verliert an Aussagekraft

Das Sozialministerium erläuterte kürzlich dem Hessischen Rundfunk (HR), das System erfasse „die Zahl der Patienten, nicht den Hospitalisierungsgrund“. Das bestätigte eine Umfrage des HR unter großen Krankenhäusern im Rhein-Main-Gebiet. „Wir sehen immer mehr Patienten, die nicht wegen Covid kommen, aber bei der Aufnahme positiv getestet werden“, wird Nina McDonagh, Sprecherin der Gesundheit Nordhessen AG, die das Klinikum Kassel und das Krankenhaus Bad Arolsen (Waldeck-Frankenberg) betreibt, in dem HR-Bericht zitiert.

Bei einer jüngsten Auswertung der Uniklinik Frankfurt habe sich gezeigt, dass nur bei gut der Hälfte der entlassenen Patienten Covid-19 die Hauptdiagnose gewesen sei. In den anderen Fällen habe eine andere Erkrankung im Vordergrund gestanden. Auch im Klinikum Fulda ist Corona laut HR derzeit in rund 40 Prozent der Fälle nur ein Nebenbefund, genauso wie in den Wiesbadener Horst-Schmidt-Kliniken. Das Klinikum Darmstadt gibt laut dem Bericht an, bei den geimpften Patienten sei in mehr als 50 Prozent der Fälle Corona nur eine Begleiterscheinung. Bei den Ungeimpften sei Covid-19 dagegen meist das Hauptproblem.

Corona im Main-Kinzig-Kreis: Statistik wird durch Omikron immer stärker verzerrt

Es bleibt festzuhalten, dass sich die Systematik der Erfassung zwar nicht verändert hat. Doch wegen der sehr hohen Verbreitung der Omikron-Variante wird die Statistik immer stärker verzerrt. Die hohe Zahl an Corona-Patienten im Krankenhaus lässt folglich nicht mehr zwingend den Rückschluss zu, dass die Zahl der schweren Covid-Verläufe gestiegen ist. Sie ist auch darauf zurückzuführen, dass das Virus in der Bevölkerung immer stärker verbreitet ist. Somit verliert die zur Beurteilung der Lage herangezogene Hospitalisierungsinzidenz deutlich an Aussagekraft, also die Zahl der Covid-Neuaufnahmen in den Krankenhäusern innerhalb der vergangenen sieben Tage.

Dem Robert-Koch-Institut ist das Problem bekannt. Es veröffentlicht seit Kurzem wöchentlich eine Inzidenz der Neuaufnahmen mit symptomatischen Covid-Verläufen, differenziert betrachtet nach Impfstatus. Bisher beruhen die Angaben nur auf Schätzungen. Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat das Zahlen-Problem erkannt und will für Abhilfe sorgen. Die Kliniken sollen künftig Daten übermitteln, die es erlauben, die Covid-Fälle einzuordnen, kündigte er an.

Klar ist aber: Egal ob, wegen oder mit Corona – die Vielzahl der Covid-Patienten stellt die Krankenhäuser vor Herausforderungen. Schließlich müssen sie isoliert von anderen Patienten behandelt werden. Im Klinikum gibt es nach Auskunft von Pressesprecherin Janina Sauer zentrale Covid-Stationen, auf denen positiv-getestete Patienten aller Fachrichtungen isoliert werden. Die jeweilige Fachdisziplin übernehme dann die Versorgung der Patienten auch auf den Covid-Stationen. (Von Christian Dauber)

Die aktuellen Corona-Fallzahlen in Hanau und im Main-Kinzig-Kreis sind derzeit auf einem hohen Niveau.

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