Im Café Amadeo mischte sich bereits mancher Misston in die Freude über die Öffnung.
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Im Café Amadeo mischte sich bereits mancher Misston in die Freude über die Öffnung.

Lockerungen

Gefälschte Impfpässe und Co. – „Sind Sie die Polizei?“

  • vonReinhold Schlitt
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Die Öffnung der Gastronomie in Hanau nach der Corona-Pause freut Gastwirte und Caféhaus-Betreiber. Doch nicht alles läuft glatt.

Hanau - Die Öffnung der Gastronomie in Hanau löst nach Zwangspause wegen der Coronavirus-Pandemie bei Gastwirten und Caféhaus-Betreibern Freude aus. Doch nicht alles läuft glatt. Es gibt nach wie vor strenge Hygieneregeln – im Innenbereich auch noch mit Nachweiskontrollen. Wer keine vollständige Coronavirus-Impfung, keinen Genesungsnachweis oder tagesaktuellen Corona-Negativtest vorweisen kann, muss wieder gehen – ohne Wenn und Aber. Das hat hier und da für deutlichen Ärger zwischen Gästen und Bedienungspersonal geführt. Was so manchen Gastronomen besonders wehtut: Unter denen, die sie wegen fehlender Nachweise wegschicken mussten, befinden sich auch Stammgäste.

Mark Felan vom Café Amadeo in der Nürnberger Straße atmet erst einmal auf: „Zumindest im Außenbereich müssen wir wegen weiter sinkender Infektionszahlen jetzt keinen Nachweis mehr verlangen. Das gilt nur noch für den Innenbereich.“ Er hofft auch, dass sich die Vorschriften nun langsam herumgesprochen haben und der Ärger über die notwendigen Kontrollen nachlässt. In die Heiterkeit der sonnendurchfluteten ersten Öffnungstage mischte sich nämlich auch in diesem Café mancher Misston. „Sind Sie die Polizei?“, war da von einem Passanten zu hören, der nach seinem Nachweis gefragt wurde. „Meine Frau hat die Unterlagen und ist noch auf dem Markt“, sagte ein anderer. Häufig genug hört Felan und sein Kollege im Service aber auch, dass man gar nichts von der Vorschrift wisse. Andere versprechen dem Personal ein erhöhtes Trinkgeld, in der Hoffnung, sich damit den ungeliebten Nachweis zu ersparen. Doch auch sie haben Pech. Also erst einmal ab ins nächste Testzentrum...

Gastronomie in Hanau: „Wann macht ihr endlich auf?“

„Richtig sauer bin ich aber geworden, als mir jemand einen plump gefälschten Impfpass vorgelegt hat, bei dem nur das Formular selbst und ein Aufkleber vom Impfstoff stimmten, sonst nichts. Da war kein Arztstempel und keine Unterschrift drauf.“ Das sind dann Fälle, in denen Felan auch nicht mehr lange diskutiert und Betrüger des Platzes verweist. Bei den anderen Gästen wirbt er immer wieder um Verständnis: „Die Vorschriften machen doch Sinn. Es geht um den Schutz anderer, auch vieler älterer Gäste.“ Manch einer, der dann gegangen ist, kommt später einsichtig wieder, freut sich Felan.

Vergesslichkeit und Unwissenheit sind auch Gründe, die das Personal im Café Schien am Westbahnhof während der inzwischen aufgehobenen Kontrollpflicht im Außenbereich immer wieder erlebt hat. „Aber es sind auch Leute darunter, die sich spontan entschließen, einen Kaffee zu trinken. Die müssen wir dann halt auch wegschicken“, berichtet Jens Arndt, der Betreiber dieses traditionsreichen Kaffeehauses. Auch bei ihm sind so manche Stammgäste darunter, die ihm während der siebenmonatigen Zwangspause zumindest im Ladengeschäft der Konditorei die Treue gehalten haben.

Auf Vergesslichkeit und Unwissenheit der Gäste stößt auch Jens Arndt in seinem Café Schien.

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„Da waren Herrschaften drunter, die fast jeden Tag die neuesten Inzidenzwerte parat hatten und immer fragten: ‘Wann macht Ihr endlich wieder auf?’“ Die monatelange Zwangspause sei für seinen und die vielen anderen Gastro-Betriebe eine bittere Zeit gewesen, „und es waren diese Kunden, die uns mit solchen Gesten auch immer wieder Zuversicht gegeben haben.“ Doch dann wollen sie ins Café und haben den Nachweis nicht dabei. Es habe seinen Mitarbeiterinnen dann besonders wehgetan, ihnen sagen zu müssen, dass ohne Nachweis nichts geht, erinnert sich Arndt an die zurückliegenden Tage.

Julius Wagner von der Landesgeschäftsstelle des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Wiesbaden kann die Erfahrungen aus Hanau bestätigen, wie er auf Nachfrage sagte. Rückläufer aus einer noch laufenden Mitgliederbefragung zeigten, dass sich die geschilderten Probleme auch andernorts zeigten. Was ihm besonders auffiel: Die Schwierigkeiten zwischen Gästen und Gastronomen beziehen sich besonders auf das Tagesgeschäft, weniger auf die Abendstunden, wo Gäste ihren Aufenthalt eher vorplanen. Wagner: „So oder so können wir immer nur appellieren, dass sich in dieser schwierigen Pandemiesituation alle an die Regeln halten.“ Dieser Appell richte sich auch an die Adresse einiger weniger Mitgliedsunternehmen, die ihrerseits die Vorschriften nicht oder zu wenig beachten. (Reinhold Schlitt)

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