Traumhaftes Wetter und keine Konkurrenz mehr durch WM-Spiele mit der deutschen Elf – bei den Brüder-Grimm-Festspiele wurden bisher neun Prozent mehr Karten verkauft. Archivfoto: Paul

Hanau

Halbzeitbilanz: Grimm-Festspiele verzeichnen ein Plus bei Tickets

Kein Wunder, dass sich die Besucher wie im Sommerurlaub fühlen: Petrus, der im Stück „Der Brandner Kaspar“ auf der Festspielbühne im Amphitheater steht, sorgt für bestes Wetter.

Von Jutta Degen-Peters

Obendrein ist die deutsche Nationalelf aus der Fußball-Weltmeisterschaft ausgeschieden. So kann sich der Intendant zum Bergfest der Brüder-Grimm-Festspiele über neun Prozent mehr Besucher bei den vier Stücken bis heute freuen. Besonders die Spontankäufe an der Abendkasse hätten zugenommen, sagt Engel. Dort, wo bislang 30 Karten weggingen, sind es jetzt dreimal so viele.

„Wir stehen aktuell bei 65 000 verkauften Karten“, erklärt der Intendant mehr als zufrieden. Für ihn dennoch kein Grund, sich entspannt zurückzulehnen. Es gelte nach wie vor, die Werbetrommel zu rühren und die Menschen in die Stücke zu locken, betont er. Denn: Noch immer seien die Stuhlreihen im Amphitheater nicht bis auf den letzten der 1350 Sitzplätze besetzt. Hier wünscht sich Engel einen etwas umfangreicheren Werbeetat. „Wenn wir auch in Frankfurt plakatieren könnten, würde die Bekanntheit unserer Festspiele noch einmal mehr steigen“, kommentiert der Intendant seinen Wunsch nach noch mehr Besuchern.

Gute Resonanz

Mit dem Hanauer Publikum ist er mehr als zufrieden. „Den Hanauern kann ich nur einen Glückwunsch aussprechen, dafür, dass sie so neugierig und so offen sind“, sagt Engel. Die Einstellung habe sich sehr gewandelt, so sein Fazit, die Identifikation mit dem Festspielen, die die Bevölkerung als „unsere Festspiele“ bezeichneten, wachse weiter.

Die Resonanz auf die vier Stücke „Dornröschen“ (Musikcal), „Der Froschkönig“ (Familienstück), „Die Prinzessin auf der Erbse“ sowie „Der Brandner Kaspar“ und das ewig' Leben“ ist nach den Worten Engels, der aktuell auch die Regie im „Brandner Kaspar“ führt, gut.

Bekannte Märchen stärker gefragt

Das Experiment, sich mit der Volkskomödie „Der Brandner Kaspar“ auf Anregung des Fördervereins Palliative Patientenhilfe auf ein für das Festpielformat ungewohntes Genre eingelassen zu haben, bereut Engel keinen Moment. Gerade hier höre er ein sehr positives Feedback. Die Verkaufszahlen lägen ähnlich hoch wie letztes Jahr beim Faust. „Doch Faust kennt jeder, den Brandner nur wenige“, unterstreicht Engel den Erfolg des Stücks, das halb auf der Erde und halb im paradieschen (bayerischen) Himmel spielt. Als einzige Kritik werde angemerkt, dass das Bayerisch nicht komplett verstanden werde.

Das Musical „Dornröschen“ läuft laut Engel „sehr sehr gut“ und räumte schon im Vorverkauf ab. Hier zeigt sich, dass bekannte Märchen grundsätzlich stärker gefragt sind, als weniger bekannte wie der Fischer. Nur geringfügig unter den Zahlen von „Frau Holle“ bewegt sich der Verkauf des „Froschkönig“.

Verhandlungen für nächste Saison haben schon begonnen

Für Turbulenzen sorgte bei „Die Prinzessin auf der Erbse“ der Fußbruch von Hauptdarsteller Lukas Haiser. Dennis Hupka musste nur eine Woche vor der Premiere in die Rolle des Prinzen Paul schlüpfen. Dessen ungeachtet liegen die Verkaufszahlen bei der Erbsenprobe bei 3000 Tickets über dem Vorjahresstück im Vergleichszeitraum. „Bei solchen Missgeschicken muss man schnell entscheiden und die Nerven bewahren“, so Engels Erfahrung.

Dass er viele Kontakte hat und sein Team ihm mit vielen guten Ideen zur Seite springt, erweist sich in solchen Krisensituationen als hilfreich. Auch für den erkrankten musikalischen Leiter Markus Syperek musste kurzfristig Ersatz gesucht werden, sagt Engel. Sophia Euskirchen sprang ebenfalls auf die Schnelle für eine erkrankte Kollegin ein. Der 'Schauspieler David Lindermeier – er spielt in „Prinzessin auf der Erbse“ den Diener Roquefort und im „Brandner“ den Simmerl – hatte genau vier Stunden Zeit, um sich auf die Rolle des Handlangers Igor im „Froschkönig“ vorzubereiten und stand anfangs mit dem Textbuch auf der Bühne.

Während Engel die guten Zahlen für die Halbzeitbilanz verkündet, steht er schon in Verhandlungen mit Komponisten und Autoren für die kommende Saison. Und da wünscht er sich schon, im Reigen der hessischen Festspiele nicht gerade eine Stadt mit „großen Festspielen“ aber dem kleinsten Etat zu sein. Dabei erkennt er an, dass die Stadt ihren Etat um 50 000 Euro erhöht hat. Das Gagenniveau der Schauspieler liegt seinen Worten nach im unteren Mittelfeld, und die Komponisten wünschten, Musik für größere Bands zu schreiben. Solche Wünsche stehen auf Engels Wunschzettel für die Zukunft.

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