Auf nach Hamburg: Timo Skrobanek (links) und Christoph Seidel starteten am Montag mit dem Rad in Bruchköbel. Foto: Holger Hackendahl

Steinheim/Bruchköbel

Für den guten Zweck: Abiturient radelt nach Hamburg

Steinheim/Bruchköbel. „Der Verein hat viel für uns gemacht, jetzt will ich LaLeLu etwas davon zurückgeben“, sagte Timo Skrobanek aus Steinheim Montagfrüh am LaLeLu-Büro in der Roßdorfer Kirchstraße und startete auf große Radtour. Begleitet wird er von Christoph Seidel, einem ehrenamtlichen LaLeLu-Mitarbeiter.

Von Holger Hackendahl

Der 55-Jährige, der fast auf den Tag genau vor 30 Jahren von Borken im Münsterland nach Hamburg gefahren ist, begleitet ihn mit seinem E-Bike und einem Anhänger mit 30 Kilogramm Gepäck. Der 17-jährige Timo legt auf seinem City-Bike mit reiner Muskelkraft in sechs Tagesetappen die über 500 Kilometer lange Strecke nach Hamburg zurück.

Auf dem Rathausplatz, wird er am nächsten Sonntag ankommen. Der angehende Abiturient der Hanauer Ludwig-Geißler-Schule, möchte während seiner Fahrradtour für LaLeLu Spenden sammeln. Heike Heil, Vorsitzende von LaLeLu, und Mitarbeiterin Ellen Sauer gaben ihm eine Spendendose, Flyer und zur Stärkung zehn Schokoriegel mit auf den Weg.

Der aufgeweckte Teenager, der viele Jahre als Messdiener in der Steinheimer Pfarrei St.Nikolaus aktiv war, will mit seiner Radtour Aufmerksamkeit auf den Bruchköbeler Hilfsverein lenken. LaLeLu begleitet Familien mit unheilbar erkrankten Kindern im Main-Kinzig-Kreis. Geschulte ehrenamtliche Mitarbeiter stehen den Familien mit Rat und Tat zur Seite.

Sie begleiten Eltern bei Arztbesuchen, Behördengängen, in Pflegeeinrichtungen und erfüllen Geschwisterkindern lang gehegte Wünsche. Auch Timo und seiner Schwester Sarah, die öfters mal hinter ihrem autistischen Bruder Nico (neun Jahre) zurückstehen mussten, wurden von LaLeLu bereits Wünsche erfüllt. Sarah erhielt einen Praktikumsplatz bei einer Medienagentur in Bad Vilbel und Timo wurde sein Wunsch, ein Rundflug von Gelnhausen über Hanau und das Haus seiner Eltern in der Steinheimer Heilig-Kreuz-Straße, erfüllt.

Der passionierte Radler, der mit Trainerschein als Ju-Jutsu-Coach beim TFC Steinheim die Jugend trainiert, möchte Pilot werden und würde deswegen gerne bei Condor ein Praktikum machen.

Aber nun steht in dieser dritten Sommerferienwoche erstmal die große Radtour nach Hamburg an. Die Fahrradtaschen wurden am Wochenende gepackt, Schlafsack, Zelt und Isomatte verstaut. Bis zu 15 Kilogramm Gepäck, darunter natürlich auch Werkzeug für eventuelle Pannen, sind auf den sechs Tagesetappen mit Längen zwischen 70 und 130 Kilometern stete Begleiter auf seinem City-Bike.

Von Kassel nach Göttingen

Das Duo radelt von Zeltplatz zu Zeltplatz, gekocht wird selbst mit Campinggeschirr. „Erst in Hamburg bei meiner Tante schlafe ich wieder im Bett“, erzählt Timo, dessen Mutter Tina aus Hamburg stammt.

Heute geht es von Bruchköbel nach Kirtorf/Heimatshausen zu einem Zeltplatz nördlich von Fulda. „Wir fahren gleich auf die Hohe Straße dann über Altenstadt, Florstadt, Mücke Richtung Norden“, erzählt Christoph Seidel wenige Minuten vor dem Start. „Kurz vor dem Ziel in der Hamburger City passieren wir auch den alten Elbtunnel.“

Am Dienstag geht's mit dem Rad weiter bis nach Kassel. Kassel – Göttingen sowie Göttingen – Amun sind Etappen an den Tagen drei und vier. Am Freitag geht es dann von Amun nach Hermansburg. „Am Samstag wartet dann mit Hermansburg – Hamburg die längste Etappe auf uns“, weiß Timo Skrobanek. Nach einigen Tagen in Hamburg geht’s mit dem Auto zurück, Christine Seidel holt die zwei Radler mit dem Auto in Hamburg ab.

70 Kilometer in vier Stunden

„Im Vorfeld habe ich viele Firmen wegen des Sponsorings angeschrieben, geantwortet hat aber so gut wie niemand.“ Dafür sponsern ihn Patenonkel und Patentante mit zehn Cent je geradeltem Kilometer, ebenso wie seine Eltern, die ebenfalls zehn Cent pro Kilometer für die gute Sache spenden.

„Timo war schon immer ein begeisterter Radfahrer. Er hat hier im Hof das Fahrradfahren gelernt und das sehr schnell“, erinnert sich Mutter Tina. Unternommen hat Timo viele Tagestouren etwa nach Darmstadt oder 70 Kilometer nach Taunusstein zu seinem Patenonkel. „Mit dem Rennrad nach Darmstadt brauche ich vier Stunden, mit dem City-Bike sieben“, erzählt Timo.

„Als Timo an seinem 16. Geburtstag mal auf die Pauke gehauen hat, hab ich spaßeshalber gesagt, er solle doch mal nach Hamburg fahren“, sagt seine Mutter. „Und das mache ich ja jetzt auch“, schmunzelt der Teenager.

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