Dank der Reitakademie kann Sarah Graßmück eines ihrer großen Hobbys auch in Neuseeland ausleben. Foto: Privat

Hanau-Großaueim

Großauheimerin im Ausland: Graßmück lernt in Neuseeland

Hanau-Großauheim. Nach dem Abi ins Ausland zu gehen ist für viele Schüler eigentlich normal. Doch Sarah Graßmück aus Großauheim geht einen anderen Weg. Die 15-Jährige besucht derzeit eigentlich die zehnte Klasse des Kreuzburggymnasiums in Großkrotzenburg. Doch sie befüllt gerade in Neuseeland und hat dort besondere Erfahrungen gesammelt.

Von Sebastian Zeh

Dass deutsche Schüler nach dem Abitur für neue Eindrücke um die halbe Welt reisen, ist inzwischen keine große Seltenheit mehr. Das Konzept „Work and Travel“, bei dem ein Jahr lang verschiedenen Arbeitstätigkeiten in Australien nachgegangen wird, erfreut sich – auch im Hinblick auf den Lebenslauf – großer Beliebtheit. Die 15-jährige Großauheimerin Sarah Graßmück hat ihren Schulabschluss noch vor sich – dennoch befindet sie sich seit 2015 für ein Jahr in Neuseeland.

Graßmück besucht aktuell die zehnte Klasse des Kreuzburggymnasiums in Großkrotzenburg. Aufgrund des anders strukturierten Bildungssystems ist sie in Neuseeland allerdings Zwölftklässlerin. Während ihres Aufenthalts ist sie Schülerin der Nga Tawa Diocesan School in Marton, einer Gemeinde mit 5000 Einwohnern auf der Nordinsel Neuseelands. Die dort erbrachten Leistungen werden für die Versetzung in Deutschland anerkannt.Bruder inspiriet Sarah GraßmückInspiriert zu diesem sogenannten „Highschool Year“ wurde sie von ihrem älteren Bruder. Auch er habe ein Schuljahr in Neuseeland verbracht. „Da es ihm sehr gut gefallen hat, habe ich mich auch dafür entschieden“, erzählt Graßmück. Dementsprechend klein fiel der Protest der Eltern aus. Lediglich eine Einschränkung erlegten sie der Tochter auf: „Die Voraussetzung für ihre Zustimmung war, dass ich in ein Internat vor Ort gehe, da ich ihnen mit meinen 15 Jahren zu jung für eine Gastfamilie bin“, erzählt Graßmück.Anfängliche Bedenken, ob die eigenen Englischkenntnisse ausreichten, stellten sich als unbegründet heraus. „Ich habe gleich zu Beginn einfach drauflosgeredet und das war auch gut so. Inzwischen verstehe ich jeden und kann mich überall verständigen, egal ob im Supermarkt oder bei Freunden“, sagt Graßmück. Die Tatsache, dass sich neben ihr nur zwei deutsche Mädchen auf der Schule befinden, empfindet sie als Vorteil. So käme im Alltag gar nicht erst die Versuchung auf, die eigene Muttersprache zu verwenden.Reiten ist ihr großes HobbyBesonders die Tatsache, dass sie einem ihrer großen Hobbys, nämlich dem Reiten, auch in Neuseeland nachgehen kann, vereinfachte das Ankommen in der Ferne. „Mein Internat hat eine große Reitakademie. Das heißt, ich habe hier mein eigenes Pferd, um das ich mich jeden Tag auch schon vor dem Unterricht kümmern muss“, erklärt die Großauheimerin. Als schlimme Pflicht empfinde sie diese Arbeit freilich nicht.Die größte Umgewöhnung stellte für sie nicht etwa ein kultureller Unterschied dar, sondern das gewählte Schulsystem: „Eine Mädchenschule mit Schuluniform und dann auch noch ein Internat – das ist schon etwas komplett anderes, als ich es gewohnt bin“, sagt Graßmück. Alles sei streng geregelt und zu gewissen Uhrzeiten dürfe man das eigene Zimmer nicht mehr verlassen.System hat auch VorteileDas dauerhafte Beisammensein aller Schüler biete ihrer Meinung nach jedoch auch Vorteile: „So kann man sich ohne großen Aufwand mit seinen Freunden treffen.“ Wochenendausflüge seien eine willkommene Abwechslung zum Schulalltag und böten zudem eine Möglichkeit, die Gegend und ihre vielfältige Natur kennenzulernen.Dabei konnte sie auch ihre Abenteuerlust ausleben: „In den Osterferien war ich auf einer Tour zu den Bay of Islands. Dort habe ich mich getraut, Fallschirm zu springen. Ich war unglaublich nervös, aber es war ein irres Gefühl, aus einem Flugzeug zu springen“, schwärmt die 15-Jährige.15-Jährige hat keine Lust mehr auf ToastDank der mannigfaltigen Möglichkeiten digitaler Kommunikation fällt das Kontakthalten mit Freunden und Familie nicht schwer. Gerade an Wochenenden sei die Zeitumstellung am Telefon gut überwindbar. Besonders fehlt ihr neben einer größeren persönlichen Freiheit, die durch das Internatsleben einschränkt ist, aber vor allem das deutsche Brot. „Ich freue mich darauf, wieder normales Brot und kein Toast mehr zu essen“, gibt Graßmück zu. Vor allem freue sie sich auch darauf, ihrem zweiten großen Hobby, dem Tanzen, wieder in größerem Umfang nachgehen zu können.Im Juli endet ihr Auslandsjahr. Mit nach Hause bringt sie eine Menge Fotos, Geschichten und Erfahrungen. Vor allem für ihre persönliche Entwicklung nehme sie eine besondere Tugend mit, die sich stark von der deutschen Lebenseinstellung unterscheide: Gelassenheit. „Ich nehme auf jeden Fall die Spontaneität und Entspanntheit der Neuseeländer mit. Sie lassen sich auch bei größerem Druck nicht aus der Ruhe bringen.“

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