Hanau

Goldschmied kreiert Bembel und Geripptes zum Umhängen

Goldschmied Marcel Schweer in seiner heimischen Werkstatt in Kesselstadt. Die kleinen Bembel und Gerippten entstehen im Hessenpark. Dort arbeitet er als Freiberufler. Foto: Hellbrück

Hanau. Er ist Patriot und seine Kreationen ein Renner: Der Kesselstädter Goldschmied Marcel Schweer hat Bembel und Geripptes aus Gold und Silber zum Umhängen und Anstecken entworfen. Dabei musste er so manche Hürde überwinden.

Von Alexandra Hellbrück

Marcel Schweer ist Patriot. Doch nicht die deutsche Flagge erhellt sein Gemüt, sondern sein hessisches Vaterland. So lag es nahe, dass der gebürtige Langener auch beruflich etwas schaffen wollte, das seine Liebe zur hessischen Kultur unterstreicht. Herausgekommen sind die Wahrzeichen des Äbbelwoi zum Umhängen: Bembel und Geripptes aus Gold und Silber.

Beinahe wäre es jedoch gar nicht dazu gekommen, denn Schweer startete nach Abitur und Zivildienst zunächst ein Architekturstudium an der Hochschule in Darmstadt. „Aber eigentlich wollte ich schon immer was Handwerkliches machen“, erzählt der junge Mann im Gespräch mit unserer Zeitung.Schweer brach das Studium abBereits während seiner Zeit als Zivildienstleistender habe er mit dem Beruf des Goldschmieds geliebäugelt. Als er während seines Studiums ein Praktikum in einer Modellbauwerkstatt absolvieren musste, habe er gemerkt, dass es ihn doch mehr befriedigte, etwas mit den Händen zu schaffen. Schweer brach das Studium ab und bewarb sich bei einer Schreinerei. „Das hätte ich mir auch gut vorstellen können“, meint er rückblickend.Doch zeitgleich entdeckte er im Internet das Lehrprogramm der Staatlichen Zeichenakademie. Die Idee, ein Handwerk mit Gestaltung zu verbinden, sprach ihn sofort an. Und schon kurz nach seinem Start in Hanau wusste er: „Das ist für mich. Ich merkte, ich habe meinen Beruf gefunden.“Gleich zwei Angebot warten nach AusbildungDennoch war Schweer Realist genug, um die künftigen Berufsaussichten als Goldschmied schon zu Beginn seiner Zeit an der Zeichenakademie einschätzen zu können. Es sehe, so sagt er, für fertige Goldschmiede nicht so toll aus. „Ich bin damals vom Schlimmsten ausgegangen“, meint er lachend.Was er jedoch nicht gemusst hätte, denn direkt nach seinem Abschluss gab es gleich zwei Angebote: als Angestellter in einer Hanauer Goldschmiede und als sein eigener Chef im Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach. Die Zeichenakademie hatte nämlich in einem Kooperationsprojekt mit dem Hessenpark, der Gesellschaft für Goldschmiedekunst sowie der Goldschmiede- und Schmuckgalerie „Made in Hanau“ das Projekt ins Leben gerufen, im Hessenpark nach langer Pause wieder einen Goldschmied anzusiedeln.Neugierig und zugleich skeptischDurch die fachliche Unterstützung und das große Netzwerk aller Beteiligten sowie die Bereitstellung der Werkstatt-Ausstattung durch den Förderverein der Zeichenakademie sollte es dem künftigen Goldschmied leichter gemacht werden, den Schritt in die Selbstständigkeit ohne große eigene Startinvestitionen zu wagen.Schweer, der nach seinem Abschluss im Jahr 2015 gerade in einer Hanauer Goldschmiede zur Probe arbeitete, erfuhr von dem Projekt, wurde neugierig, war aber zugleich skeptisch. Trotz aller Hilfestellung war es doch eine Geschäftsgründung, mit allem, was dazugehört. Gewerbeanmeldung, Steuern, der ganze Papierkram, das alles war neu für den frischgebackenen Absolventen.Schweer ist vorsichtigDoch da er als Herr im eigenen Laden statt als angestellter Goldschmied das größere Potenzial dafür sah, seine Kreativität ausleben zu können, und da er an Kosten lediglich die Pacht für den Laden zu zahlen hatte, bewarb er sich und bekam den Zuschlag.Von allen Absolventen war er der einzige gewesen, der für das Projekt in Frage gekommen sei, habe man ihm damals gesagt. Trotzdem blieb der junge Mann erst einmal vorsichtig. „Nachdem der Anruf kam, habe ich zuerst das OK von meiner Familie und meinen Freunden eingeholt“, berichtet Schweer.Werkstattbereich muss einsehbar seinDie rieten ihm unisono zu, also schaute er sich das Ladenlokal in einem mittelalterlichen Fachwerkhaus im Hessenpark an. Das Haus war schön, aber „drinnen hing noch nicht einmal eine Lampe“, erinnert sich Schweer. Das eröffnete ihm einerseits die Freiheit, sich so einzurichten, wie er es wollte, andererseits musste noch ein ganzer Berg an Arbeit erledigt werden.Die einzige Vorgabe war, dass der Werkstattbereich für die Kundschaft einsehbar bleiben sollte, damit man dem Goldschmied bei der Arbeit über die Schulter schauen kann. Der Neupächter wollte zwar den rustikalen Charakter des Hauses beibehalten, doch trotzdem Modernität einfließen lassen. Außerdem entschloss sich der Neupächter, nicht alleine an den Start zu gehen.Team ist kreativ„Im Businessplan war neben der Schmuckherstellung und den Umarbeitungs- sowie Reparaturarbeiten auch das Abhalten von Goldschmiedekursen vorgesehen“, erläutert er. All das könne er nicht alleine leisten und nebenbei auch noch den Laden im Auge behalten.Also holte er sich drei weitere Absolventinnen der Zeichenakademie ins Boot, die nun als freie Mitarbeiterinnen im Laden tätig sind. Die Kreativität im Team Werkstattbereich schätzt Schweer, nebenbei belebe es auch den Laden für die Besucher, wenn mehrere Personen bei der Arbeit zu sehen seien. Nun pendelt er an vier Tagen in der Woche von seiner Wohnung in Kesselstadt nach Neu-Anspach.Hessen-Bezug war wichtigVon Hanau aus organisiert er an den restlichen Tagen Einkauf und Bestellungen und macht die Büroarbeit. Und wie läuft es nun in der Goldschmiede im Hessenpark? „Der Laden wurde vom Eröffnungstag an sehr gut angenommen“, sagt Schwer nicht ohne Stolz. Mit ein Grund für seinen Erfolg mögen auch die kleinen Bembel-Anhängerchen sein, die er trotz der Einrichtungshektik noch zum Geschäftsbeginn herausgebracht hatte.„Es war mir wichtig, dass es schon am Anfang etwas mit Hessen-Bezug gab“, sagt der Goldschmied. Für die kleinen Bembel aus Silber und Gold, die man an einer Kette um den Hals tragen kann, hatte er sich an den Computer gesetzt und die Form mittles eines CAD-Programms nachgebaut. Das fertige Modell wurde daraufhin in Wachs ausgedruckt und für den Metallguss verwendet.Trauringe selbst herstellenAuch die kleinen „Gerippten“ stellten ihn anfangs vor eine Herausforderung, denn die Rauten werden zum Glasboden hin immer kleiner. Doch die Mühe hat sich gelohnt, denn die Hessen-Souvenirs verkaufen sich wie von selbst. Mittlerweile hat Schweer der Produktpalette auch noch winzige Bembelchen fürs Ohr hinzugefügt sowie Bembel und Geripptes als Manschettenknöpfe. Ansonsten entwirft er weiteren, modernen Schmuck, arbeitet alte Stücke um, repariert und schmiedet Trauringe.Diese können Heiratswillige übrigens auch selbst herstellen. Denn neben den regelmäßigen Tageskursen, bei denen man auch als Laie Schmuckstücke unter Anleitung selbst schmieden kann, können auch Termine für Trauringkurse oder Kindergeburtstage vereinbart werden. Die Goldschmiede im Hessenpark ist von Donnerstag bis Sonntag jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.goldschmiede-hessenpark.de

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