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Gewerbegebiet Limes: Neue Bürgerinitiative befürchtet viel Lärm

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Kurz vor der Fertigstellung: Im Gewergebiet Limes direkt neben der Autbahnraststätte Langen-Bergheim entsteht derzeit eine große Logistikhalle.Die neu gegründete Bürgerinitiative Schatzboden befürchtet, dass noch größere Bauten folgen könnten.Foto: Axel Häsler
Kurz vor der Fertigstellung: Im Gewergebiet Limes direkt neben der Autbahnraststätte Langen-Bergheim entsteht derzeit eine große Logistikhalle.Die neu gegründete Bürgerinitiative Schatzboden befürchtet, dass noch größere Bauten folgen könnten.Foto: Axel Häsler

Hammersbach. Bereits in wenigen Monaten will die Firma ID-Logistics im interkommunalen Gewerbegebiet Limes ihre Arbeit aufnehmen. Der Hallenkomplex mit einer Größe von vier Fußballfeldern hat die Dietz AG als Großinvestor fast fertiggestellt.

Von Mirjam Fritzsche

Unterdessen regt sich bei den Anwohnern aus Limeshain, Büdingen und Hammersbach Protest. Sie haben diese Woche die Bürgerinitiative Schatzboden gegründet. Die Mitglieder möchten ihren Bedenken Gehör verschaffen und setzen auf Dialog.

„Wir wollen nicht einfach nur Rabatz machen“, betont Kim Sen-Gupta, Sprecher der Initiative. Die Flyer, die am Wochenende in den Kommunen verteilt werden sollen, sind jedoch durchaus plakativ gestaltet. „Monster-Hallen in der Wetterau? Flächenfraß – Nein danke“, heißt es dort. Eine Fotomontage zeigt eine 680 Meter lange Halle im Gewerbegebiet mit der Überschrift „Ist das der Plan?“. Die Bürger befürchten: Der Bebauungsplan könne nach den Wünschen des Investors „passend gemacht“ werden.

Arbeitsplätze und Gewerbesteuer als Motivation der Kommunen

Vor einem Jahr ist bekannt geworden, dass die Gewerbefläche an der A 45 um die gleiche Fläche wachsen soll. Statt der 24 Hektar sollen es am Ende 48 Hektar sein, hatte der Zweckverband mitgeteilt. Eine Erweiterung erfordert jedoch eine Abweichung vom aktuellen Regionalplan. Die am Gewerbepark beteiligten Kommunen Hammersbach, Limeshain und Büdingen versprechen sich vor allem Arbeitsplätze und langfristige Einnahmen durch die Gewerbesteuer.

Die Dietz AG, die sich über einen städtebaulichen Vertrag mit dem Zweckverband bereits die Kaufoption für zusätzliche Flächen im Falle einer Gebietserweiterung gesichert hat, wird am Ende der bisher vorgesehenen vier Bauabschnitte über Hallenflächen von 210 0000 Quadratmetern verfügen. Über ihre Absichten machte sie keinen Hehl: „Wir wollen vom kommunalen Gewerbegebiet zum Logistikpark durchstarten“, so Dietz-Aufsichtsratsvorsitzender, der Ex-Wirtschaftsminister Lothar Klemm beim Richtfest im November vergangenen Jahres.

Göllner bekräftigt diese Vorstellung

Hammersbach stellte im Februar das Rathaus für einen Bewerbertag zur Verfügung. Die Firma ID-Logistics will bis 2020 etwa 500 neue Jobs schaffen. „Das größte Ziel bei der Entwicklung des Gewerbegebietes war für uns immer, hier möglichst viele Arbeitsplätze zu schaffen“, betonte Bürgermeister und Zweckverbandsvorsteher Michael Göllner.

Doch gerade da ist die Bürgerinitiative skeptisch. „Logistikzentren sind Vorreiter der Automatisierung und werden schon bald hauptsächlich von Robotern betrieben“, sagt Sen-Gupta. Auch was die Steuereinnahmen betrifft, sei man weit weniger optimistisch als der Zweckverband. „Internationale Konzerne optimieren ihre Steuerlast und zahlen nur einen Bruchteil vor Ort.“ Für wen ID Logistics in Hammersbach sortieren, verpacken und versenden wird, ist bisher noch nicht öffentlich bekannt. Das weltweit operierende Unternehmen bedient nach eigenen Angaben Kunden aus Handel, Industrie, Detail-Kommissionierung und dem E-Commerce-Sektor.

Hohes Verkehrsaufkommen als Angst der Initiative

Als weitere Kritikpunkte führt die Bürgerinitiative das hohe Verkehrsaufkommen und Lärmbelastungen durch den 24-Stunden-Betrieb an. Die in Starkregenperioden immensen Abwassermengen der riesigen Hallen-Dachflächen könnten zudem zu einer Überlastung der bestehenden Abwasser-Infrastrukturen führen. Des Weiteren mache man sich Sorgen über den Verlust wertvoller Ackerböden.

Sen-Gupta gibt zu, dass die Bürger ihren Protest lange „verschlafen“ hätten. Doch noch sei es nicht zu spät, „mögliche Fehlentwicklungen zu verhindern“. Viele seien erst aufgewacht, als die Lagerhalle bereits stand. „Limeshain ist nun der kleine Ort im Schatten der großen Halle“, betont Sen-Gupta, der vor zwei Jahren seinen Lebensmittelpunkt von Frankfurt nach Himbach verlegt hat.

Konkreter Fragenkatalog wurde erarbeitet

70 Personen hätten sich der Bewegung kurzfristig angeschlossen, darunter auch eine Reihe Hammersbacher Bürger. Gemeinsam fordern sie eine Begrenzung und Regulierung jeder Erweiterung des interkommunalen Gewerbegebiets hinsichtlich Flächenverbrauch und Umweltfolgen. „Wir wünschen uns eine breite Diskussion über die besten Lösungen für die Nutzung der Flächen im Gewerbegebiet.“ Die Initiative hat einen konkreten Fragenkatalog erarbeitet und wünscht sich Antworten.

Bei der Versammlung des Zweckverbands am Dienstag, 12. März, ab 20 Uhr im Hammersbacher Rathaus wollen sie erstmals Präsenz zeigen. Weitere Informationen zur Bürgerinitiative gibt es im Internet.schatzboden.org

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