An ihrem Arbeitsplatz entwirft die Goldschmiedemeisterin Dorothea Förster ihre Kompositionen. Foto: Andrea Pauly

Hanau

Gestalterin Dorothea Förster zeigt ihre Schmuckkomposition

Hanau. Trifft man Dorothea Förster, wird eines schnell deutlich: Die in Hanau lebende Goldschmiedekünstlerin ist keine Freundin des lauten Auftritts. Zurückhaltend elegant, ganz in Schwarz gekleidet, mit ruhiger und warmer Stimme begrüßt sie mich, als ich sie in ihrem Atelier zum Interview besuche.

Von Andrea Pauly

Im Gespräch über ihr Schaffen zeigt sich Förster als klar strukturierte Persönlichkeit mit einem enormen schöpferischen Potential, die konzeptionell und gleichzeitig mit großer Leidenschaft an ihren Werkreihen arbeitet.

Und so nimmt es nicht Wunder, dass auch ihre Schmuckkompositionen eine anziehende Mischung aus Edelmetallen und anderen Materialien zwischen Perfektion, bewusster Einfachheit und Understatement sind – zu sehen aktuell im Silbersaal des Deutschen Goldschmiedehauses in einer gemeinsamen Ausstellung mit Dagmar Stühler.

Ein lebendiger Aufbau für die Ausstellung

Dorothea Förster hat auch die Banner und das Plakat zur Ausstellung im Goldschmiedehaus entworfen, das eine Spielkarte zeigt, auf der die Künstlerinnen einen „gleichberechtigten“ Auftritt haben. In der Ausstellung sind beide in einem Raum vertreten, doch innerhalb des Saales in getrennten Bereichen.

Gemeinsam sind den zwei Goldschmiedemeisterinnnen Gold und Silber als Basis, jedoch in ganz unterschiedlicher Herangehensweise und Verarbeitung. Außerdem dokumentieren unter andererem Skizzen, Zeichnungen und Notizblöcke Teile des Schaffensprozesses. „Ich habe mir für diese Ausstellung einen lebendigen Aufbau gewünscht mit Collagen, Verpackungsmaterial und ganz normalen Gegenständen“ sagt Dorothea Förster.

Schlaflose Nächte für die Perfektion

So benutzt sie etwa statt hochwertiger mit Samt ausgelegter Schatullen kleine Umschläge aus luftgepolsterter Noppenfolie als Verpackung für ihre Schmuckstücke. „Diese bietet gleichzeitig den Vorteil, dass das Schmuckstück relativ unauffällig und platzsparend mitgenommen werden kann, wenn man auf Reisen ist“ meint sie lächelnd.

Gleichzeitig ist Förster Perfektionistin, die in der Planung und Umsetzung nichts dem Zufall überlässt. „Manchmal kann ich nächtelang nicht gut schlafen, weil ich an einer Problemstellung in der Realisation einer Idee feile“ so die Künstlerin. Ihren Teil der Ausstellung hatte Förster über mehrere Wochen in ihrem Haus komplett aufgebaut, was für ein wenig logistisches Umdenken beim Ehepaar Förster sorgte, da man einige Wohnbereiche geschickt umschiffen musste.

Gold, ja. Protz, nein.

Ihre Ringe, Anhänger, Armreifen und Broschen setzen sich aus geometrischen, individuell geformten Elementen zu bewegten Kompositionen zusammen. Neben ihrer Vorliebe für hauchdünn ausgewalztes Gold und Silber setzt Förster auch gerne mal einen Farbakzent mittels Acrylfarbe oder ausgestanztem Edelstahl, um die Strenge der Geometrie aufzulockern. So bewahren die Stücke etwas Skizzenhaftes, Scherenschnittartiges, Spielerisches und weisen eindeutige Bezugspunkte zu Kunstkonzepten der Moderne auf. In ihren Arbeiten erscheinen Gold und Silber als dezent gebürstete Flächen, Rahmen oder Kreise werden locker übermalt, definieren Außen- und Innenräume oder geraten zu grafischen Zeichen.

„Ich liebe Gold“, erklärt Förster, „aber nur, wenn es nicht protzig ist, es geht mir um die Farbe, nicht um den Wert. Den Wert meiner Arbeiten sehe ich in der jeweiligen Idee, dem Entwurf“. Schon immer setzte Förster Gold so in Szene, dass es nicht teuer wirkte. Seinen Glanz schmirgelte sie einfach weg. „Understatement“, sagt sie. Es war wohl ein logischer Folgeschritt, dann fokussiert mit unedlen Materialien zu arbeiten.

Jeder Werkstoff erzielt einen anderen Effekt

Understatement ist auch das Prinzip von Försters Formensprache, wie es sich in ihren geometrisch, teils archaisch aufgebauten Werken spiegelt. Im Mittelpunkt stehen Kreise und Ovale, Rechtecke und Schachteln. Ziel sei, aus freihändig geschnittenen Formen kleine Skulpturen zu erschaffen, die mit den Wechselwirkungen von Licht und Schatten kommunizieren. Dabei wird mit jedem Werkstoff ein anderer Effekt erzielt. „Jede Oberfläche reflektiert das Licht in unterschiedlichen Strukturen. Immer steht die persönliche Handschrift im greifbaren Dialog mit den gezielten Andeutungen einer Form zwischen Perfektion und Einfachheit“, schreibt die Berliner Kunsthistorikern Dr. Birgit Möcke in einem Essay über Förster.

Dorothea Försters Arbeiten haben etwas „Erzählerisches“ und auch hinter der Entstehung der Idee beziehungsweise des Entwurfes zu ihren Schmuckstücke steht oftmals eine Geschichte, berichtet die Goldschmiedekünstlerin. So sei die Idee zu den Broschen aus Parfum-Flacondeckeln seinerzeit in Spanien entstanden, wo sie einen Duft-Flacon des Modeschöpfers Narcisso Rodriguez entdeckte und ihn wegen seiner Form beziehungsweise seines Verschlusses erwarb. „Ich habe lange Zeit überlegt, was damit zu machen wäre und kaufte in der Zwischenzeit Unmengen anderer Düfte, nur um an die Deckel zu kommen, bis daraus die Idee zu den Broschen entstand“ sagt Förster mit einem Lachen. So bergen die Arbeiten Dorothea Försters neben ihrer perfekten Schlichtheit nicht nur eine heiter luftige Note, sondern auch eine große Portion Humor.

ÖffnungszeitenAusstellung „Dagmar Stühler/Dorothea Föster“ – Rund 150 Arbeiten der beiden Goldschmiedekünstlerinnen sind im Silbersaal des Deutschen Goldschmiedehauses am Altstädter Markt noch bis Donnerstag, 15. August, zu sehen. Die Öffnungszeiten sind dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr. Führungen durch die Ausstellung finden an den Sonntagen des 23. Juni und 11. August jeweils von 15 bis 16 Uhr, statt.

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