Hanaus ehemaliger OB Helmuth Kuhn sitzt auf einem Stuhl
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Hanaus ehemaliger OB Helmuth Kuhn rettete einst ein Gemälde aus den Flammen des Philippsruhe-Brandes

Helmut Kuhn wird heute 90 / Philippsruhe-Brand in seiner Amtszeit

Hanaus ehemaliger Bürgermeister hat Gemälde vor den Flammen gerettet

  • VonThomas Seifert
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Dieser Tage hat sich Helmut Kuhn mit seinem Abiturjahrgang 1952 getroffen, und immerhin noch vier der ehemaligen Klassenkameraden kamen.

Hanau - Das ist eine ziemlich gute Quote, wenn man bedenkt, dass der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt Hanau heute seinen 90. Geburtstag im Kreise seiner großen Familie feiern kann. „Ich hatte das Glück, mit meiner Frau und meinen drei Kindern 70 Jahre lang in einem Land ohne Krieg, aber mit Freiheit und Wohlstand zu leben“, zieht Helmut Kuhn zum Abschluss des Gesprächs mit dieser Zeitung ein positives Fazit seiner 90 Lebensjahre.

Hanaus ehemaliger OB Helmut Kuhn bis vor kurzem noch auf Südtirols Pisten unterwegs

Bis vor vier Jahren war das Geburtstagskind noch mehrmals jährlich auf Skipisten in Südtirol unterwegs, auch Klettersteige gehörten zu den bevorzugten Wegen in den Bergen. „Meine Saunabesuche werde ich jetzt wieder aufnehmen und ich werde wieder zweimal in der Woche meine 400 Meter schwimmen“, verrät Kuhn zwei der Gründe, weshalb er sich bester Gesundheit erfreuen kann. Nicht zu vergessen seine nun auch schon wieder 15 Jahre als Vorsitzender der Senioren-Union Hanau, für die er pro Jahr zehn Veranstaltungen organisiert „und wo wir erst vor Kurzem wieder mit 21 Personen eine Veranstaltung im Brockenhaus mit Heiko Kasseckert hatten“.

Geboren im damals noch eigenständigen Bieber, wuchs Helmut Kuhn mit einer Schwester auf und in war in der Katholischen Jugend aktiv. Er studierte Handelslehramt in Frankfurt und zog nach seiner Heirat in das Haus seiner Schwiegereltern nach Steinheim, „wo wir als Großfamilie harmonisch zusammenlebten“. Die zwei Söhne und die Tochter aus der Verbindung mit seiner inzwischen 84 Jahre alten Ehefrau sind beruflich in Dresden, Schwerin und Mühlheim engagiert.

Helmut Kuhn war Schulleiter in Hanau

Sowohl Kuhn als auch seine Ehefrau waren in Lehrberufen aktiv, sie letztlich als Schulleiterin der Konrad-Adenauer-Schule in Seligenstadt, er in derselben Funktion vor und nach seiner Zeit als Oberbürgermeister an den Kaufmännischen Schulen I in Hanau. Helmut Kuhn hatte, wie er sagt, den „Lehrerberuf als festes Standbein und als Spielbein zum Beispiel Tätigkeiten in der Lehrerausbildung, beim Regierungspräsidium Darmstadt, als Lehrbeauftragter an der TU Darmstadt und in Prüfungsausschüssen die Industrie- und Handelskammer Offenbach und Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern“.

Nach dem „Übergang von der Katholischen Jugend in die CDU“, wo er mit „gedämpftem Trommelschlag“ in Steinheim im Vorstand und als Stadtverordneter aktiv war – die Schwester brachte es zur ehrenamtlichen Stadträtin in Offenbach – überzeugte nach der Eingliederung von Steinheim nach Hanau der ehrenamtliche Stadtrat und Parteifreund Norbert Kress ihn, sich stärker zu engagieren. Bei einer „unruhigen Sitzung mit Kontroversen zwischen zwei Lagern“ wurde Helmut Kuhn dann zum Partei- und Fraktionsvorsitzenden gewählt. „Unter anderem haben wir damals einen hauptamtlichen CDU-Bürgermeister im Parlament durchgesetzt“, erinnert sich Kuhn.

Helmut Kuhn wird 1984 Hanaus OB

Die große Stunde für den Christdemokraten kam am 9. Januar 1984, als er von der Stadtverordnetenversammlung mit den Stimmen von CDU und FDP zum Oberbürgermeister gewählt wurde und Hans Martin (SPD) nach Ablauf von dessen zweiter Amtsperiode ablöste. „Aber dann trat in Hessen eine Gesetzesänderung in Kraft. Die alte Regelung, dass ein Hauptamtlicher nur mit einer Zweidrittelmehrheit und in geheimer Abstimmung abgewählt werden kann, wurde gestrichen. Die neue Regelung lautete: einfache Mehrheit und offene Abstimmung“. Da die SPD bei der Kommunalwahl im Frühjahr 1985 „bedingt durch eine Schwächephase der Regierung Kohl“ die absolute Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung zurückerobert hatte, nutzen die Sozialdemokraten diese Möglichkeit und wählten Kuhn ab, dessen Amtszeit am 20. Mai endete. „Ich wäre gerne noch im Amt geblieben, die Arbeit hat mit sehr viel Spaß gemacht“, blickt der OB a.D. zurück, dessen Nachfolger wieder Hans Martin hieß. Die Bilanz der knapp eineinhalb Jahre von Helmut Kuhn kann sich sehen lassen.

Während seiner Amtszeit wurden der Bodenbelag des Marktplatzes neu verlegt und das Brüder-Grimm-Denkmal auf Vordermann gebracht. Die Gesellschaft für Goldschmiedekunst verlegte ihren Sitz in das Altstädter Rathaus und das Puppenmuseum zog in das Kurhaus Wilhelmsbad. Beim Brand des Philippsruher Schlosses gehörte der Oberbürgermeister zu denjenigen Helfern, die wertvolle Gemälde vor den Flammen retteten und er forcierte die Restaurierung. Und Kuhn initiierte zusammen mit dem damaligen Kulturamtsleiter Dr. Rauch die Märchenfestspiele zum 200. Geburtstag von Jacob Grimm. Und das kam so: „Arbeitslose Schauspieler fragten bei Rauch nach, ob es nicht eine Beschäftigung gebe. Und ich erinnerte mich, als Schüler eine Märchenvorstellung im Schlosspark besucht zu haben. Das Kulturamt arbeitete ein Konzept aus und da es für die Akteure auch noch finanzielle Zuschüsse gab, konnte die erste Spielzeit 1984/85 für kleines Geld organisiert werden, da ich den Magistrat von der Sinnhaftigkeit der Maßnahme überzeugen konnte“, berichtet Kuhn.

Hanauer Rathaus gratuliert Helmut Kun zum 90. Geburtstag

Nach seiner Abwahl nahm sich der OB a. D. erst mal eine Auszeit, war „geschätzt achtmal in Südtirol“ und nahm dann das Angebot des sozialdemokratisch geführten Kultusministeriums in Wiesbaden an, wieder als Schulleiter an die Kaufmännischen Schulen I bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1997 zurückzukehren. „Ich habe mich danach aus der Politik herausgehalten und auch alle meine Ämter niedergelegt“, stellt Kuhn fest, dessen Nachfolgerin Margret Härtel später selbst zur Oberbürgermeisterin avancierte. Kuhn ist neben ihr und dem Amtsinhaber Claus Kaminsky der dritte noch lebende Hanauer OB.

Zu seinem 90. Geburtstag gratulieren in Mitteilungen sowohl die Rathausspitze sowie die CDU. „Helmut Kuhn hat sich viele Jahre lang kommunalpolitisch, beruflich und ehrenamtlich für Hanau engagiert und in dieser Zeit viel für die Stadt getan“, sind sich OB Kaminsky und Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck einig. Außerdem gratulieren der Steinheimer CDU-Parteivorsitzende Jens Böhringer und der Steinheimer Ortsvorsteher Burkhard Huwe ihrem Parteifreund. Glückwünsche kommen auch vom Vorsitzenden des CDU-Stadtverbandes, Joachim Stamm, und der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Stadtparlament, Isabelle Hemsley.

Von Thomas Seifert

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