Hanau

Gegen Billigläden: Das sind die Herausforderungen für Hanau

Hanau. Ein Gang durch die Nürnberger Straße bescheinigt der Grimmstadt an dieser Stelle ein wenig attraktives Einzelhandelsbild: Der Barbiershop reiht sich ans Nagelstudio und das wiederum an den Ein-Euro-Laden. Zu dem innovativen Bild, das Hanau seit dem Stadtumbau nach außen präsentieren möchte, will das nicht so recht passen.

Von Kerstin Biehl

Zwar führt die Nürnberger Straße zum City-Center, das durch Saturn und Karstadt Sport trotz des Rewe-Weggangs nichts an Anziehungskraft verloren hat und mit dem geplanten Einzug des Stadtladens und der Zulassungsstelle sogar noch an Frequenz gewinnen dürfte. Doch die Niedrigpreis-Geschäfte, die sich auf dem südöstlichen Stück der Nürnberger Straße angesiedelt haben, stehen dem neuen Hanau schlecht zu Gesicht.

Stadt hat (noch) keinen Einfluss auf Mieter

Das sieht freilich auch die Stadt – doch sind ihr die Hände gebunden. Denn darauf, an wen ein Hauseigentümer sein Ladengeschäft verpachtet, hat sie keinen Einfluss. Mit Einführung einer Vorkaufsrechtsatzung erhofft man sich mehr Einfluss auf die Art der Innenstadtläden. Diese Satzung wird auch seitens des Hanau Marketing Vereins begrüßt.

Das HMV-Vorstandsteam äußert sich auf HA-Nachfrage: „Mit gutem Zureden oder Appellen an die Vernunf​t der Immobilienbesitzer und Vermieter ist es eben häufig nicht getan. Wenn Hanau sich so positiv weiterentwickeln soll wie in den letzten Jahren, wenn der Ladenbesatz einen guten Mix darstellen soll, muss eine Stadt auch querdenken. Das finden wir mutig und halten es für den richtigen Weg.“

Gute Mieter sind schwer zu finden

Auch in anderen Punkten muss ein Umdenken erfolgen. Das macht Bau-Fachbereichsleiter Martin Bieberle deutlich. So müsse man sich schon seit längerer Zeit im Einzelhandel „heftig um gute Mieter bemühen“. Ein bundesweites Phänomen. „Weil wir in Hanau durch den Stadtumbau und den Wochenmarkt eine gewisse Grundfrequenz haben, haben wir die Chance, überhaupt Einzelhandelskonzepte anzubieten“, so der Stadtplaner.

Allerdings seien daran aber auch Notwendigkeiten wie moderne Einzelhandelsflächen sowie gewisse Anforderungen an Größe und Lage geknüpft. Als Beispiel nennt er die ehemalige Thalia-Buchhandlungsfläche, die nun, nach zwei Jahren Leerstand, vom Billigkaufhaus Woolworth belegt ist. „Solche Flächen sind zu groß, zu lang, zu weit nach hinten hinein führend. Deshalb ist so etwas sehr schwer zu vermieten.“

Dunkin' Donuts steht leer - Miete wird aber gezahlt

Anders im Falle der Ex-Dunkin' Donuts Fläche. Das Gebäude ist Teil des Marktplatzkomplexes und damit in städtischem Eigentum. Es steht zwar seit nahezu einem Jahr leer, da die Miete aber noch bis Ende des Jahres gezahlt wird, war die Stadt in diesem Fall nicht zu umgehendem Handeln gezwungen und konnte sich bei der Auswahl des Nachmieters Zeit lassen, um genau zu überlegen, welches Konzept an dieser Stelle funktioniert.

„Das ist eine top Lage, besser geht es gar nicht“, sagt Bieberle. Derzeit laufe stadtintern ein Auswahlverfahren für den künftigen Pächter. Gastro, Feinkost, Eisdiele, lässt Bieberle als Möglichkeiten fallen. Mehr will er noch nicht sagen. Am Marktplatz könnte es zudem eine weitere Neuerung geben. So gibt es Überlegungen, nach dem Umzug des Stadtladens aus dem Rathaus-Erdgeschoss ins City-Center, den Hanau-Laden ins Rathaus zu verlagern, mit Zugang von der Langstraße.

Zahlreiche Läden stehen schon lange leer

Weitere Leerstände wie die ehemaligen Weltbild-Räume in der Nürnberger Straße, Ex-Hussel und Kolb in der Hammerstraße, die ehemaligen Douglas-Räume in der Salzstraße, der Ex-Kirchenladen in der Krämerstraße, ein ehemaliger Imbiss in der Fahrstraße oder Gerry Weber in der Nürnberger Straße seien die Sorgenkinder, auf deren Neuvermietung die Stadt „den absoluten Fokus“ setze.

Auch der Juwelier Bauer schließt, genauso wie der Juwelier Hunder. Für erstgenannten soll es nach städtischen Informationen eine Nachfolgeregelung geben. „Es heißt, dass dort wieder ein Juwelier reinkommt.“

Stadt ist offen für neue Konzepte

Ein Umdenken sei auch in der Form der möglichen Ladenbelegung nötig. „Dort, wo klassischer Einzelhandel einfach nicht mehr funktioniert, muss man, wie am Beispiel der Galerie Arp oder der Neuen Philharmonie, andere Konzepte zulassen“, so Bieberle. Diese Meinung teilt auch der HMV: „Auch Galerien, Planungsbüros oder Fahrschulen bringen Menschen in die Stadt und tragen ihren Teil zu einem guten Mix bei.“

Und es gibt weitere positive Entwicklungen: So verlängerte das Büdinger Modehaus Müller-Ditschler seinen Pachtvertrag um weitere fünf Jahre, auch Karstadt Kaufhof und C undamp; A zeigten sich, laut Stadt, sehr zufrieden. Die Nürnberger Passage konnte durch das japanische Restaurant Sendo und den Bigger Store, einen amerikanischen Lebensmittelladen, belebt werden. Und in der ehemaligen Sneakersbox hat am Freitag der Unverpackt-Laden eröffnet.

Stadt: Forum hat Umsatz gesteigert

Anziehungskraft verströmt auch die kürzlich eröffnete Woolworth-Filiale oder im Forum das Snipes Outlet sowie die Gastroketten Dean und David sowie Immergrün. Und wie bewertet die Stadt den Einfluss des Forums auf die Innenstadtläden? „Das Umsatzvolumen in Hanau ist seit Eröffnung des Forums deutlich gewachsen“, so Bieberle. Es sei ein Frequenzbringer für die gesamte Innenstadt. Diese Meinung teilt auch der HMV: „Durch das Forum kommt noch mehr Leben in die Stadt. Davon profitieren alle.“

Modeketten wie Zara oder Mango machten derzeit um Hanau noch einen Bogen, aber lediglich, weil dieseKetten eine Einwohnergröße von 100 000 zur Bedingung hätten, so Bieberle. Modebewusste Damen können also angesichts des baldigen Erreichens dieser Grenze schon einmal in verhaltene Vorfreude verfallen.

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