Freude über den Ausbildungsplatz – Mohamad Asif Mominyar lernt Maurer. IB-Berater Steffen Wenzel und Polier Steven Schramm freuen sich mit dem Geflüchteten. Foto: PM

Hanau

Geflüchteter hat durch den Internationalen Bund eine Ausbildung

Hanau. Mohamad Asif Mominyar ist angekommen. Der 25-jährige Afghane, Mitte 2015 aus dem Taliban-Land geflohen, hat gewissermaßen das „Navigationssystem für Geflüchtete“ genutzt, das ihm der Internationale Bund (IB) Hanau im Rahmen des Flüchtlingsberatungsnetzwerks „BLEIB in Hessen II“ angeboten hatte.

von Rainer HabermannDas klingt zunächst so, als bräuchte man als Flüchtling nur ein paar Koordinaten ins Navi zu tippen, schon liegt der Weg klar vor einem. So einfach ist es nicht. Wie „M.Asif“ (so steht es auf dem Namenssticker seiner Arbeitsmontur der Eugen Hofmann Bauunternehmung Frankfurt) von einem Abiturienten und Studenten des Bauingenieurwesens in Kabul zu einem Auszubildenden im Maurerhandwerk in Frankfurt wurde, das erzählten am Dienstag er und die daran maßgeblich Beteiligten des IB.

Projektleiter Peter Oppelt, Referentin Kerstin Warnecke, sowie IB-Berater und Lerntherapeut Steffen Wenzel, laut eigener Aussage „bekannt wie ein bunter Hund“ in der (ehemaligen) zentralen Flüchtlingsunterkunft des Landes Hessen und der Stadt Hanau, Sportsfield Housing. Wo noch immer rund 800 Geflüchtete wohnen.

„Da ist der direkte Kontakt“

Mominyar ist einer von rund 420 dieser Geflüchteten, die ihre Chance auf Integration in den ersten Arbeitsmarkt oder in weiterführende Qualifikation seit Anfang 2016 durch den IB Hanau genutzt haben. Eine 45-prozentige Erfolgsquote zeichne den IB dabei aus, wie Oppelt erläutert. Konkret bedeute dies: rund 120 Teilnehmer an den Bildungsmaßnahmen, die auch Deutsch- und Integrationskurse beinhalten, gelangten in Arbeit und Minijobs, 35 in Ausbildung als Einstiegsqualifizierung, 22 Teilnehmern gelang eine Qualifizierung mit Zertifikat, drei nahmen ein Studium an einer Hochschule auf, und sieben lernten in Regelschulen weiter.

Rund 250 Asylbewerber und Flüchtlinge als Schüler von BAMF-Kursen bewegten sich täglich auf den Fluren des IB in der Marktstraße, schildert Oppelt weiter. Sie kämen überwiegend durch „Mundpropaganda und vom Hörensagen“. Wenzel hat ein kleines Büro in Sportsfield Housing: „Da ist der direkte Kontakt, und ich kann mich intensiver um jeden einzelnen kümmern“, sagt er. So hat er auch Asif Mominyar kennengelernt. Der hatte sich nämlich als Afghane zunächst erfolglos um einen Deutsch-Kurs bemüht; eine Folge der Einordnung der Flüchtlinge von dort als solche „aus sicherem Herkunftsland“. Die Diskussion hält noch heute an.

„Ich werde wahrscheinlich übernommen“

So hatte Asif zunächst auch keinen Anspruch auf einen Integrationskurs des BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge). Wenzel kümmerte sich, schrieb mit dem jungen Afghanen erstmal einen Lebenslauf, erreichte seine Aufnahme in die Eugen-Kaiser-Schule (EKS). Hier machte Asif die Mittlere Reife: sein bestehendes Abiturzeugnis aus Kabul wird in Deutschland nicht anerkannt, erst recht nicht seine zwei Semester Bauingenieurwesen an einer Kabuler Uni. Doch der Afghane wollte bleiben, wollte weiter lernen, wollte endlich auch selbst Geld verdienen, um nicht auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein, wie er erzählt.

„Ich habe abends Schicht bei UPS als Lagerlogistiker gearbeitet, tagsüber bin ich in die EKS gegangen.“ Dann vermittelte Wenzel ihm ein Praktikum bei einer Baudekoration in Frankfurt, Asif schrieb Dutzende von Bewerbungen als Maurer. Am 1. August 2018 klappte es schließlich: Antritt der Ausbildung zum Maurer bei der Frankfurter Firma Eugen Hofmann Bauen undamp; Wohnen GmbH. „Mein Polier hat mich mittlerweile bestärkt: ich werde wahrscheinlich übernommen“, strahlt der junge Afghane. Dass zwischenzeitlich sein Asylantrag abgelehnt wurde, ist natürlich ein Schlag ins Kontor.

Projekt will Flüchtlinge direkt vermitteln

Doch Asif Mominyar darf bleiben: er genießt „Ausbildungsduldung“. Und wie ist das Ausbildungsklima? „Sehr gut, wir haben keine Nazis auf der Baustelle“, grinst der Maurerlehrling mit akademischer Vorbildung. Sein Weg in Deutschland scheint damit aber noch lange nicht am Ende. Ein Studium hier: Das war wegen der sprachlichen Voraussetzungen für ihn noch zu schwierig. Aber wer weiß, wohin der Ehrgeiz Asif noch leitet.

„Die Projekte des IB zielen auf eine möglichst direkte Vermittlung von Flüchtlingen in den ersten Arbeitsmarkt, angesichts des Fachkräftemangels in der Wirtschaft dringend geboten“, sagt Oppelt.

Man will nachhaltige Beschäftigungsverhältnisse schaffen

„Wir versuchen auch, den Menschen aus anderen Ländern die Ängste vor der deutschen Arbeitswelt zu nehmen, und arbeiten in den BLEIB-Netzwerken, die mittlerweile in sieben Regionen Hessens verfügbar sind, daran, diesen Menschen eine Art 'Navigationssystem' ins deutsche Berufsleben an die Hand zu geben. Unser Ziel ist ganz klar: Vermittlung in nicht-präkere, nachhaltige Beschäftigungsverhältnisse.“

BLEIB - Das NetzwerkBLEIB in Hessen II hat nach eigenen Angaben von März 2016 bis April 2019 insgesamt 2260 geflüchtete Menschen zwischen 16 und 65 Jahren in sieben Landkreisen Hessens beraten. Das Netzwerk ist eines von 41 Netzwerken in Deutschland, das durch die ESF-Integrationsrichtlinie Bund im Handlungsschwerpunkt „Integration von Asylbewerber/innen und Flüchtlingen (IvAF)“ gefördert wird. Über IvAF wurden seit 2016 insgesamt in Deutschland knapp 50 000 Menschen beraten. Die Förderung läuft noch bis 2021. rh››

bleibin.de

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