Peter Zeidler (links) und Jan Fuchs kümmern sich um die Fundsachen, die bei ihnen abgegeben werden und sorgen dafür, dass sie zu ihren Besitzern zurückfinden. Foto: Hofmann

Gebisse, Reifen und Kinderwagen im Hanauer Fundbüro

Hanau. Wer kennt es nicht? Man hat es eilig, greift in die Handtasche, zieht gedankenverloren die Geldbörse heraus und bemerkt nicht, dass auch der Haustürschlüssel mit dabei ist und auf den Boden fällt. Zuhause angekommen, hat man dann das Dilemma: Schlüssel weg, Tür versperrt und keine Ahnung, wo man ihn verloren haben könnte.

Von Elfi Hofmann

Mit viel Glück hat ein aufmerksamer Mensch ihn gefunden und bringt den Schlüsselbund dann zu der Sammelstelle für verlorene Gegenstände, dem Fundbüro. Das ist in Hanau eigentlich ganz einfach zu finden, aber auch genauso einfach zu übersehen.

Ein bisschen versteckt liegt das Fundbüro im Erdgeschoss des Rathauses. Wenn man durch die Drehtür das Gebäude betritt, hält man sich rechts. Zwischen einem hohem Schrank und einem verglasten Büro sitzen die beiden Mitarbeiter an ihren Tischen. Jan Fuchs ist bereits ein alter Hase im Fundbüro, seit 2012 arbeitet er dort.

30 bis 50 Personen kommen pro Tag ins Fundbüro

Im August stieß Peter Zeidler dazu, der seitdem einiges umgekrempelt hat. So gibt es jetzt zwei „Schalter“, an die sich Finder und Suchende wenden können. Die Plätze der Besucher sind durch die aufgestellten Tische von den beiden Mitarbeitern getrennt, eine Absperrung in Form eines Seils soll verhindern, dass die Menschen plötzlich mitten im Arbeitsbereich der beiden stehen. „Die Absperrung muss sein, vorher sind die Leute einfach reingelaufen, standen dann direkt hinter uns und konnten dadurch sensible Daten auf den Bildschirmen erkennen“, erklärt Zeidler die Sicherheitsmaßnahme.

Zum Team gehört auch Heidi Weber, die zwar nicht direkt im Fundbüro arbeitet, aber als Abteilungsleiterin der Zentralen Dienste aushilft, wenn es brennt. Und das passiert öfter, als den Mitarbeitern lieb sein kann, denn in Hochzeiten kommen zwischen 30 und 50 Personen in das Fundbüro, pro Tag.

Zusätzlich zum Publikumsverkehr gehen Anrufe ein, viele Bürger schicken auch E-Mails, wenn sie einen verlorenen Gegenstand suchen. Doch dafür muss dieser erst einmal gefunden und hinterlegt werden. „Die Fundstücke können jederzeit bei uns abgegeben werden“, erklärt Weber. Kleinere Gegenstände wie Schlüssel werden in einer Box gesammelt, sperrige Stücke landen in einem dafür vorgesehenen Raum im Keller, Wertsachen wie Schmuck oder Handys werden in einem Tresor verstaut.

Fundsachen werden sechs Monate aufbewahrt

Laut Gesetz muss das Fundbüro die Gegenstände sechs Monate aufbewahren. „Wenn sich der Besitzer bis dahin nicht gemeldet hat, kontaktieren wir den Finder, ob er Interesse daran hat“, so Zeidler. Es bestehe auch die Möglichkeit, den Gegenstand selbst in Verwahrung zu nehmen. Das ist besonders bei sehr großen Fundstücken aus Platzmangel gerne gesehen.

Nach Ablauf des halben Jahres wird das Objekt dann geschätzt, der Finder muss eine Gebühr zahlen und kann dann zum Beispiel mit einem neuen Fahrrad nach Hause fahren. Eine Ausnahme stellen dabei Smartphones dar, diese dürfen nämlich nicht an den Finder ausgehändigt werden. „Das hängt mit dem Datenschutz zusammen“, so Weber. Man könne den Inhalt der Geräte zwar zertifiziert löschen lassen, das sei allerdings nicht gerade günstig, „und dann kann bei den meisten Handys die Sperrung immer noch nicht aufgehoben werden“.

Aufwendige Recherche gehört auch zum Job

Wer sein verlorenes Smartphone beim Fundbüro abholen möchte, der sollte übrigens nicht nur wissen, wie die Sperre aufgehoben wird, sondern am besten auch einen Kaufbeleg dabei haben. Wenn sich allerdings niemand meldet, geht die Arbeit für die Mitarbeiter erst richtig los. „Wir machen zuerst einen Abgleich mit der Polizei, um herauszufinden, ob das Handy als gestohlen gemeldet wurde“, erklärt Zeidler. Um den Besitzer zu ermitteln, werde oft über die SIM-Karte des Netzanbieters gesucht. Besonders unkompliziert wird es, wenn das Gerät nicht gesperrt ist. Dann schauen die Mitarbeiter im Telefonbuch nach Einträgen wie „Mama“ oder „Papa“ und rufen dort an.

Neben solch alltäglichen Dingen werden aber auch ab und an ungewöhnliche Gegenstände abgegeben. Dazu gehören auch Gebisse, die von ihren Besitzern vergessen werden. „Einmal wurde eine Zahnprothese in einem Schnellrestaurant vergessen, ein anderes Mal hat eine Zahnarzthelferin eins auf der Straße gefunden“, erzählt Fuchs lachend. Die Arzthelferin habe gewusst, wie kostspielig ein neues Gebiss sei. Abgeholt habe es aber niemand.

Jeder vermittelte Gegenstand ist ein Erfolg

Im Keller lagert im Moment auch ein Kinderwagen, der Ende August auf einem Bahnsteig am Hauptbahnhof gefunden wurde. „Bis jetzt hat niemand danach gefragt“, sagt Zeidler verwundert. Auch ein einzelnes Autorad wird seit einigen Wochen verwahrt. Direkt vor einer Streife der Polizei sei es von der Ladefläche eines Fahrzeugs gefallen, offensichtlich ungesichert. „Die Beamten konnten das Kennzeichen nicht erkennen und auch nicht hinterherfahren“, so Zeidler. Melden würde sich der Besitzer wahrscheinlich nicht. „Er weiß wahrscheinlich genau, dass dann eine Strafe auf ihn wartet.“

Bei Bargeld sehe die Sache anders aus, das werde meistens abgeholt. Oft sind in den Umschlägen oder Tüten Namen, Quittungen oder Briefe hinterlegt. „Bei diesen Anhaltspunkten können wir direkt die Besitzer kontaktieren“, erklärt Zeidler. Die Leute seien meistens ziemlich verblüfft, dass es noch so ehrliche Menschen gebe. Den Finderlohn von fünf Prozent zahlen sie dann gerne, „manche sogar ein bisschen mehr“.Freuen tun sich dann nicht nur Finder und Suchende, auch für die Mitarbeiter des Fundbüros ist jeder vermittelte Gegenstand ein Erfolg. Und macht so manchen stressigen Tag ein bisschen vergessen.

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