Im Früchtehaus Roth geht man mit der Zeit. Für Kunden, die per Whatsapp bestellen wollen, fotografiert Monika Roth auch schon mal das Angebot. Norbert Roth ist mit 65 Jahren eigentlich schon im Rentenalter. Den Kontakt zu seinen Kunden möchte er jedoch nicht missen. Foto: Paul

Hanau

Früchtehaus Roth an der Ludwigstraße: Mehr als Äpfel und Birnen

Hanau. Ja, es ist nicht mehr so, wie vor 20 oder 30 Jahren in der Ludwigstraße. Paradiesisch fühlen sich zwar hier, im Früchtehaus Roth, noch die Kunden, die an gewohnter Stelle in großer Farben- und Sortenfülle schwelgen...

Von Jutta Degen-Peters

... Doch die paradiesischen Zeiten, von denen die verbliebenen Händler in inhabergeführten Steinheimer Geschäften erzählen, gehören auch für Norbert Roth und seine Frau Monika der Vergangenheit an.

Dennoch ist das Ehepaar zufrieden und sieht keinen Grund zur Klage. Und für die beiden, die mittlerweile 65 und 58 Jahre alt sind, passt es irgendwie, dass der Stress vergangener Zeiten etwas nachgelassen hat. „Die Kundschaft bedrängt uns nicht mehr so“, nimmt Roth die veränderten Einkaufs- und Lebensgewohnheiten der Menschen mit Humor.

„Wir haben es noch gut“Heute leben die Roths von ihrer Stammkundschaft, darunter viele alteingesessene oder eingeplackte Steinheimer, manche Kunden aus Mühlheim oder Klein-Auheim. Dazu kommen unter anderem die Behindertenwerkstatt Steinheim, der Kindergarten Klein-Auheim und die Architektenvereinigungen. Die nämlich wissen, dass sie neben einem knackigen Angebot an frischen Salaten, Gemüsen, Äpfeln oder Trauben in dem Laden an der Ecke zur Molitorstraße auch besonderes Olivenöl bekommen, exquisite Marmeladen oder Weine.

„Wir haben es noch gut“, sagt Norbert Roth, der mit seinem Angebot an höherpreisiger Qualitätsware eine Nische besetzt, „und wir denken nicht dran, in absehbarer Zeit zuzumachen“. So lange es die Gesundheit zulasse, wollen er und seine Frau ihr Geschäft weiter führen. Diese Aussage wird in erster Linie alle Kunden beruhigen, die zu ihrem Erstaunen im HA vom 24. Januar ein Bild der Fassade des Früchtehauses Roth mit geschlossener Jalousie entdeckten, mit dem Hinweis, dass neben vielen Steinheimer Geschäften in der Ludwigstraße eben auch dieses geschlossen habe.

Früh aufstehen für beste QualitätGeschlossen haben die Roths nur montags, dienstags und mittwochs nachmittags. Täglich (auch samstags) ist von 8.30 Uhr bis 12.30 Uhr geöffnet, an Donnerstagen und Freitagen auch nachmittags von 14.30 bis 18 Uhr. Die veränderten Öffnungszeiten im Vergleich zu früher sind ein Zugeständnis an die Gesundheit. Denn Norbert Roth fühlt sich seit einer Herzoperation nicht mehr ganz so belastbar wie in früheren Jahren.

Der Job hat es schließlich in sich: Nachts um 2 Uhr aufstehen, um auf den Großmarkt nach Kalbach zu fahren – im Winter zweimal pro Woche, im Sommer viermal. „Früher reichte es, wenn ich um vier Uhr dort war. „Aber mittlerweile muss man früher aufstehen, wenn man beste Qualität sucht“, erklärt Roth.

Wenn er um 5 Uhr zurück ist, kann er sich zwar noch zwei Stündchen aufs Ohr legen und kommt mit einer Ruhepause in der Mittagszeit auf fast acht Stunden Schlaf. Dennoch, diese Form der Salami-Erholung hat ihre Tücken.

GroßkundenGefrühstückt hat Roth an diesem Morgen kurz vor Ladenöffnung während er sich dem Waschen und Schneiden des Mischsalats widmete, der den Kunden in einer großen Kiste entgegenlacht. Der in Hanau geborene Steinheimer, der vor 50 Jahren mit einer Lehre im elterlichen Obst- und Gemüsegeschäft im Haus an der Ludwigstraße begonnen hat, erinnert sich an Zeiten, da Roth das einzige Geschäft weit und breit war, das Obst und Gemüse verkaufte.

20 Jahre lang belieferten die Roths die Metzgerei Zeiss mit ihren bis zu hundert Filialen mit Paprika, Gurken, Fleischtomaten und Petersilie zum Dekorieren. Bis die Metzgerei dann dazu überging, mehr und mehr fertig geschnittenes Gemüse zu verwerten. Zwei große Bäckereien, Gaststätten und Kindertagesstätten gehörten ebenfalls zu den Großkunden.

Tradition weitergeführtAlten Zeiten nachhängen will Roth aber nicht. Er ist froh, dass der Internethandel seinem Geschäft (noch) keine nennenswerten Probleme macht. Eher die Öffnungszeiten, die den Leuten heute ermöglichten, rund um die Uhr bis um 22 Uhr einzukaufen. Da könne kein kleineres Geschäft mithalten, sagt er.

Glücklich ist Roth darüber, dass er die von den Eltern begonnene Tradition weiterführen konnte. Dass seine Kinder, 29 und 27 Jahre, sich für andere Berufe entschieden haben, sieht er gelassen. „Die Zeiten ändern sich“, sagt er. Ans Aufhören denken er und seine Frau nicht. „Solange wir fit bleiben, sind wir für unsere Kunden da.

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