Die jungen Pfadfinder des Stammes Wildwasser bringen das Friedenslicht mit mehreren Kerzen in ihr Stammesheim in Kesselstadt. Das Symbol für den Frieden soll sie bei ihrer Waldweihnachtsfeier begleiten. Foto: Kalle

Hanau

Friedenslicht in Hanau mit Jubel empfangen

Hanau. Sonntag, kurz nach fünf Uhr abends auf dem Hanauer Hauptbahnhof: Margit Lavado, Gemeindereferentin der Pfarrei St. Elisabeth, macht sich mit ihren beiden Messdienern Luca und Leon Herget auf den Weg zu Gleis 6. Denn um 17.07 Uhr wird hier die Ankunft des Friedenslichts aus Bethlehem erwartet.

Von Christine Semmler

Gleich drei Laternen haben die drei Kirchenmitglieder mitgebracht, jede prallgefüllt mit mehreren Kerzen. Sicher ist sicher: Das kostbare Licht aus Bethlehem soll schließlich nicht ausgehen.

Das Friedenslicht aus Bethlehem kommt immer am dritten Adventssonntag gegen 17 Uhr nach Hanau. Um 14 Uhr wurde es nach einer Aussendungsfeier aus Fulda ins gesamte Bistum geschickt. Die Überbringer machen sich per Zug auf den Weg und geben das Licht an den größeren Bahnhöfen weiter. Längst hat sich der Eingangsbereich des Bahnhofs mit locker 100 Menschen gefüllt. Alle auf dem Weg zu Gleis 6, alle bestückt mit metallisch scheppernden Laternen, bauchigen Glasbehältern und etlichen Ersatzkerzen.

Jubel zur BegrüßungAm spektakulärsten tritt der Pfadfinderstamm Shalom aus Bruchköbel in Erscheinung. Er kommt im großen Pulk und mit wehender Verbandsfahne. An den rotgefrorenen Nasen sieht man, dass die Bruchköbeler über mehrere Stunden lang hergelaufen sind, wie sie es schon seit vielen Jahren traditionell tun. „Wir bringen das Licht in unsere Kirchengemeinde St. Familia“, sagt Lukas Barth, einer der Stammesleiter. Während dort eine Andacht gehalten wird, wollen die Pfadfinder mit der Fahne und dem Licht feierlich in die Kirche einziehen.

Mit knapp zehn Minuten Verspätung fährt der Zug aus Fulda schließlich ein und wird von der Menge jubelnd begrüßt. Als sich die Zugtür öffnet, steigen Volker Gudera und sein Sohn Felix vom Pfadfinderstamm Wächtersbach-Wirtheim mit dem Licht aus. Mit etwa 30 Leuten sind sie heute in Fulda losgefahren, nach Stopps in Wächtersbach und Gelnhausen hat sich die Truppe auf die beiden Überbringer ausgedünnt. Hanau liegt an der Bistumsgrenze und ist heute Endstation für das Licht, das gut gesichert in einer verschlossenen weißen Dose brennt.

Besondere SymbolikFrüher haben Gudera und sein Team das Licht in einer einfachen Laterne transportiert. Bis zu jenem denkwürdigen dritten Advent 2012, als der Zugbegleiter die Gruppe schon in Wächtersbach aus dem Zug warf, weil sie offenes Feuer mit sich führte. Heute aber läuft alles nach Plan und das Licht kann über die Weihnachtstage wieder in vielen Kirchen brennen. Wer es nicht schafft, an den Bahnhof zu kommen, entzündet seine Laterne einfach später am Friedenslicht einer befreundeten Kirchengemeinde.

Das Licht aus Bethlehem, erklärt Margit Lavado, hat eine ganz besondere Symbolik. „Wir feiern Jesu Geburt in der dunkelsten Zeit des Jahres, in der dunkelsten Stunde des Tages. Das Licht gibt den Menschen Orientierung, es steht für Wärme und Gemeinschaft.“

Universeller WunschUnd so wird die Flamme auf vielfältige Weise eingesetzt: Ricarda Sommer-Charrier trägt das Licht noch am Abend in die Gemeinde Mariae Namen, wo zur gleichen Zeit ein feierliches Adventssingen stattfindet. Der Hanauer Pfadfinderstamm Wildwasser bringt das Licht pünktlich zur Waldweihnacht ins Stammeshaus und Rektorin Haide Nolte transportiert ihre Laterne in die Brüder-Grimm-Schule, um am Montag mit Kindern aus 30 Nationen ein Friedensfest zu feiern. „Der Wunsch nach Frieden“, sagt sie, „ist doch etwas, was alle Menschen miteinander verbindet.“

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