Der Situationsbericht liegt vor: Jutta Müller und Elena Möller-Botzum vom Team des Frauenhauses Hanau, Center-Managerin Diana Schreiber und Horst Fehnel von Teamwerbung 3.0 (von links) stellen das Druckwerk vor. Foto: Degen-Peters

Hanau

Frauenhaus stellt Jahresbericht vor: Absprung wird schwieriger

Hanau. Eigentlich hätte das Frauenhaus allen Grund, zufrieden zu sein. Die Fördermittel des Landes Hessen fließen wieder, Kreis, Stadt und Kommunen leisten ihre Beiträge, und die Bürger spenden jährlich rund 60 000 Euro. Doch woran es krankt, ist die Möglichkeit für die Zuflucht suchenden Frauen, sich vom Frauenhaus abzunabeln.  

Von Jutta Degen-PetersSeit Bestehen der Unterkunft für Frauen mit und ohne Kinder, die von Gewalt bedroht sind oder Gewalt erfahren haben, konnte die Einrichtung 2368 Frauen und 2080 Kindern Schutz und Zuflucht bieten. Dort stehen 24 Plätze verteilt auf elf Zimmer zur Verfügung.

Sieben pädagogische Fachkräfte und weitere Mitarbeiterinnen (alle in Teilzeitstellen) kümmern sich um die Frauen und Kinder. Im Durchschnitt, so Jutta Müller vom Frauenhaus-Team, blieben die Frauen sechs Monate. Wer in die eigene Familie zurückkehrte, war binnen drei Monaten ausgezogen, wer auf dem freien Wohnungsmarkt eine Bleibe suchen musste, brauchte länger.Kaum noch verfügbare UnterkünfteDoch diese Zeiten sind laut Müller vorbei. Seit letztem Jahr sorge der angespannte Wohnungsmarkt dafür, dass die Frauen kaum noch eine Unterkunft fänden. Zwar sei die Zusammenarbeit mit dem Hanauer Wohnungsamt sehr gut. „Doch wenn kein bezahlbarer Wohnraum da ist, kann das auch nicht helfen“, sagt Müller. Die Konsequenz sei eine längere Verweildauer, wodurch die Plätze für akut bedrohte Frauen länger blockiert würden. Auch der Austausch mit anderen Frauenhäusern helfe da wenig. Alle vermeldeten dasselbe Problem.

Dennoch bleibt für die Mitarbeiterinnen des Frauenhaus ein positives Gefühl zurück. Im Jahresbericht, der – quasi als Schlusspunkt der vierwöchigen Ausstellung der Frauenhaus-Plakate – stattfand, zitiert Müller aus dem Brief einer „Ehemaligen“. Sie hatte vor 30 Jahren, damals gerade 20 Jahre alt mit einem neu geborenen Sohn, Zuflucht in der Hanauer Einrichtung gefunden. Nach ein paar Wochen hatte die Frau einen Neustart in einer anderen Stadt gewagt, weit weg von ihrem gewalttätigen Partner, wie sie in einer E-Mail ans Hanauer Team berichtet. „Das Frauenhaus Hanau war das Beste, was uns passieren konnte. Es hat unser Leben entscheidend beeinflusst“, schreibt die Frau.Akzeptanz vergrößertIm Jahresbericht nimmt wie immer der Dank an die Sponsoren und Unterstützer der Einrichtung breiten Raum ein. Darüber hinaus enthält er auch Berichte über neue Aktivitäten wie etwa das „Malen nach Impulsen“. Dazu gehört auch ein kostenloses Joga-Angebot, von dem die Frauen regen Gebrauch gemacht hätten. Gut angenommen worden sei auch ein Workshop für geflüchtete Frauen, der schon mehrfach in der Erstaufnahmeeinrichtung in Sportsfield Housing in Hanau-Wolfgang angeboten wurde. Dort gehe es um kulturelle Aspekte des Herkunftslandes und um Fragen wie „Wie finde ich einen Weg aus der Gewalt?“.

Der Stadtlauf gegen Gewalt, mit dem das Frauenhaus unterstützt wird, sorge jedes Jahr dafür, dass das Frauenhaus bei der Bevölkerung wahrgenommen wird. Auch die vierwöchige Ausstellung mit den Entwürfen für das neue Frauenhaus-Plakat, die von einer Masken-Bastelaktion im Untergeschoss des Einkaufszentrums begleitet wurde, vergrößerten die Akzeptanz.Spenden nach wie vor nötigFür die Mitarbeiterinnen im Team ist es beruhigend, dass über die Zuschüsse ein Großteil der Personalkosten abgedeckt ist. 2016 musste das Haus 28 Prozent der Personalkosten, die den Großteil der Unkosten ausmachen, aus Eigenmitteln bestreiten, weshalb Spenden nach wie vor nötig seien, wie Jutta Müller erklärt.

Schließlich gingen die Kosten für das Personal nicht in den Tagessatz ein, der für die Unterbringung anfalle. „Dieser Satz soll einer bezahlbaren Miete entsprechen und nicht einer Art Pflegesatz“, sagt Müller. Frauen, die ihren Lebensunterhalt selbst verdienen könnten, sollten schließlich in der Lage sein, diese Miete zu bezahlen.Weitere Infos zum Hanauer Frauenhaus gibt es im Internet unter: www.frauenhaus-hanau.de; Spendenkonto für das Frauenhaus: Frauen helfen Frauen e.V., Sparkasse Hanau, IBAN DE04 5065 0023 0108 0292 73.

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