Prüfung geschafft: Jasmin, Fabienne, Zelin, Ann-Kathleen und Hanna haben ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen (von links). Foto: Nicolas Obst

Region Hanau

Frauen wählen immer öfter Männerberufe wie KFZ-Mechatroniker

Region Hanau. Die Anspannung ist spürbar. Die Prüflinge betreten die KFZ-Werkstatt der Ludwig-Geißler-Schule, um ihre praktische Gesellenprüfung anzugehen. Jasmin ist bereits in den letzten Zügen. Ein Kabel liegt in ihrer Hand, konzentriert arbeitet sie am Motorraum eines Autos. Sie ist eine von fünf Frauen, die geprüft werden.

Von Nicolas Obst

Frauen in der Werkstatt? Auch 2019 ist das noch eher die Ausnahme. Der Beruf des KFZ-Mechatronikers ist im Wandel, aber vereinzelt gelten nach wie vor alte Klischees und Hierarchien. Völlig zu unrecht, denn die Mädels können das Handwerk mindestens genauso gut wie ihre männlichen Kollegen, meinen KFZ-Meister Andreas Paulus und Prüfer Walter Müller.

Immer mehr Frauen in der Technik

Immer mehr Frauen wählen die Ausbildung und orientieren sich in Richtung Technik. Im Zuge der Gesellenprüfung zum KFZ-Mechatroniker an der Ludwig-Geißler-Schule haben wir uns mit den weiblichen Prüflingen über ihre Erfahrungen unterhalten.

Fünf Frauen stellten sich in den vergangenen Tagen den Aufgaben der praktischen Prüfung. Insgesamt gibt es44 Prüflinge. Das entspricht einem Frauenanteil von 8,8 Prozent. Klingt wenig, ist aber viel im Vergleich zu den letzten Jahren.

Die Prüfer sind sehr zufrieden mit den Leistungen der jungen Frauen. „Die Mädchen wollen sich beweisen, die lernen deutlich mehr als ihre männlichen Kollegen“, erklärt Prüfer Müller. Dass eine Auszubildende durch die Prüfung fällt, ist ihm noch nie untergekommen. „Man braucht die Fachkräfte, da ist völlig egal ob, Mädchen oder Junge“, sagt er. Sein Kollege Paulus hat selbst eine Werkstatt und weiß, wie es im Alltagsgeschäft des KFZ-Mechatronikers aussieht: „Klar, es ist immer noch eine Männerdomäne, es herrschen viele Klischees“, bedauert er. Hanna, Ann-Kathleen, Fabienne, Jasmin und Zelin kennen diese Situationen.

Alle haben bestanden

Sie alle haben die Gesellenprüfung bestanden. „Es war jetzt nicht sehr schwer, aber ich war verdammt aufgeregt“, so Hanna. Vor der praktischen Prüfung haben sie sich schon der Theoretischen gestellt. Insgesamt hat die Ausbildung dreieinhalb Jahre gedauert. Jetzt sind sie ausgebildete KFZ-Mechatronikerinnen. Bis dahin war es aber ein langer Weg. „Allein für den Ausbildungsplatz musste ich 20 Bewerbungen schreiben“, klagt Zelin. Gründe für Absagen bestanden meistens darin, dass die Werkstätten anscheinend keine Umkleidekabinen für Frauen hätten.

Für die fünf jungen Frauen zählt das nicht als Ausrede: „Viele können einfach nicht damit umgehen mit Frauen in der Werkstatt zu arbeiten“, erklärt Jasmin. Einige Klischees halten sich hartnäckig, die Ausbildung zum Mechatroniker sei eine Männersache, Frauen hätten keine Ahnung von Autos. „Ich habe Kunden erlebt, die nicht wollten, dass ich an ihr Auto gehe“, erzählt Hanna.

Bei den anderen Mädels gab es hingegen nie Probleme. Sie werden in ihren Werkstätten genauso behandelt, wie alle anderen auch. Fabienne übernimmt meistens sogar die Aufgaben, die ihre männlichen Kollegen nicht hinbekommen. Seit ihrer Kindheit möchte sie Straßenwachtfahrerin werden. Jasmin kommt aus einer Rennfahrerfamilie und ist in der Werkstatt aufgewachsen. Ann-Kathleen hat sich nach einem Praktikum in der Werkstatt für die Ausbildung begeistern können. Für sie ist bereits jetzt klar, dass sie nun ihren Meister machen möchte. Später will sie selbstständig arbeiten.

Faszination für Technik

Sie alle verbindet die Faszination für Technik: „Mich interessiert dabei die gesamte Technik, das ist schon sehr komplex, ich finde es cool, das zu verstehen“, sagt Zelin. „Wir mochten halt lieber Autos als Barbies“, sind sich die fünf jungen Frauen einig. Ihre Familien stehen voll hinter ihnen. Klar mache man sich mal die Finger schmutzig, aber für dreckige Finger gibt es schwarzen Nagellack, lacht Zelin.

Insgesamt lief die Gesellenprüfung außerordentlich gut. Von den 44 Prüflingen konnten 41 die Aufgaben in der neuen KFZ-Werkstatt der Ludwig-Geißler-Schule erfolgreich lösen. So können sie sich von jetzt an Geselle -– oder eben Gesellin nennen.

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