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Weiter für Obdachlose geöffnet: das Franziskushaus an der Leipziger Straße in Hanau.

Hilfsangebote werden fortgeführt

Franziskushaus und Strassenengel sind trotz Coronakrise weiter für Bedürftige im Einsatz

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    Monica Bielesch
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Die Schwächsten der Gesellschaft trifft es in Krisenzeiten immer am härtesten. Obdachlose haben es per se schon schwer, in Zeiten von Corona allerdings doppelt. In großen Städten sind Flughäfen und Bahnhöfe Orte, wo Obdachlose im Winter oft übernachten, aktuell geschlossen. Das Franziskushaus in Hanau hat trotz Corona weiter geöffnet.

„Wir könnten auch gar nicht schließen, weil wir ja Wohnungen hier haben“, sagt Rainer Broßmann, der Leiter des Hauses. Generell gilt hessenweit, dass die Einrichtungen der Wohnsitzlosenhilfe offen sind. „Eine Schließung war nie Thema“, bekräftigt auch Broßmann. Zum Schutz der Mitarbeiter und Klienten, letztere zählen zur Risikogruppe, haben sie die Regeln im Franziskushaus angepasst. Die Türen sind auch während der Tagesbetreuung geschlossen.

Platz wahren, um Abstand halten zu können

Wer Einlass sucht, muss klingeln. Ansonsten liegt das Gebot der Stunde darin, Platz zu gewähren, um Abstand halten zu können – vor allem im Aufenthaltsbereich in der Tagesstätte. Hier stehen aktuell einige Sitzplätze weniger zur Verfügung. „Aber unsere Klienten haben erkannt, dass es wichtig ist, sich an bestimmte Regeln zu halten“, glaubt Broßmann, der von einer gewissen Anspannung bei den Klienten spricht. Die neun Zimmer für Kurzzeitübernachter in der Herberge sind derzeit nur einzeln belegt, die Regel, nach sieben Tagen weiterziehen zu müssen, ist ausgesetzt. „Auch dies gilt hessenweit“, erklärt Broßmann, „aktuell muss keiner weiterreisen.“ 

Normal geöffnet sei auch die Notschlafstelle, in der maximal drei Plätze zur Verfügung stehen. Ist alles belegt, arbeitet das Franziskushaus eng mit Stadt und Polizei zusammen, um zu garantieren, dass niemand auf der Straße übernachten muss. „Die Temperaturen sind eisig. Da müssen wir das vorhalten“, so der Leiter des Hauses. Gemeldet sind im Franziskushaus derzeit 17 Bewohner auf drei Etagen, vier weitere Klienten leben in Außenwohngruppen im Freigerichtviertel. Auch hier gilt das Motto „aufeinander achten“. Zudem hat die Heimleitung seit Beginn der Corona-Krise ein Besuchsverbot ausgesprochen. Auch der Main-Kinzig-Kreis hat reagiert. Wurden die Tagessätze für Menschen auf der Straße bisher täglich ausgezahlt, sei dies jetzt auf wöchentliche Auszahlung umgestellt worden. 

"Können und wollen nicht schließen"

„Die Männer und Frauen kommen seither nicht mehr so geballt in die Tagesstätte“, berichtet Broßmann. Für ihn und seine Kollegen steht fest: „Wir können und wollen nicht schließen, sondern weiter für unsere Klienten das sein.“ Auch bei den Strassenengeln haben sich alle auf die neue Situation eingestellt. Bei dem Hilfsverein für Bedürftige und Wohnsitzlose versuchen Leiterin Sabine Assmann und ihr Team ihre vielen Angebote trotz Corona aufrecht zu erhalten. Zum Beispiel die wöchentliche Ambulanz, wo Menschen ohne Krankenversicherung von drei ehrenamtlichen Ärzten betreut werden. Einer von ihnen ist der 75-jährige Dieter Kobosil. Früher war er Arbeitsmediziner in einem großen Industrie-Konzern. 

Er sagt: „Selbstschutz ist angesagt.“ Sei die medizinische Versorgung der Obdachlosen auch unter normalen Umständen schon eine besondere Herausforderung, so sei die Situation nun nochmals besonders. Er trägt einen Mundschutz und wie alle anderen, die an diesem Freitagmittag zur täglichen Essensausgabe kommen, desinfiziert er sich regelmäßig die Hände an dem Spender, der direkt an der Eingangstür des Hauses am Nordbahnhof angebracht ist. Erst vor einigen Tagen kam ein Obdachloser mit offenem Bein in die Ambulanz. Er hatte keine Krankenversicherung. Zum Glück wurde er im Stadtkrankenhaus aufgenommen und versorgt, so Assmann. 

Aufträge durch Coronakrise verloren

In der Küche steht Klaus Viering. Der freiberufliche Koch hat durch die Coronakrise seine Aufträge verloren. „Hier wird man wenigstens gebraucht“, begründet er seinen Einsatz bei den Strassenengeln. Auf dem Menüplan heute stehen ein indischer Salat als Vorspeise, Heringssalat und Kartoffeln als Hauptspeise und ein frischer Obstsalat mit Joghurt zum Nachtisch. „Alles frische Produkte, das ist uns wichtig“, betont Viering. „Das sind jetzt unter anderem viele Spenden von Gastronomen, die ihre Restaurants schließen mussten“, erzählt Leiterin Sabine Assmann. So lange wie möglich will sie die Hilfsangebote aufrecht erhalten. Mit weniger Personal, damit nicht so viele Menschen gleichzeitig im Raum sind. Auch sie trägt wie die anderen Helfer Handschuhe. Zur Essensausgabe kommen weniger Menschen als sonst. 

„Die älteren Bedürftigen beliefern wir zuhause, damit die nicht raus müssen“, so Assmann. Trotz alledem ist die Stimmung an diesem sonnigen Tag bei den Strassenengeln fast ausgelassen. Mehrere Hochbeete neben dem Gebäude, die Assmann für ihr Projekt Urban Gardening aufgestellt hat, warten auf fleißige Hände. „Wir pflanzen dann mit Sicherheitsabstand und Mundschutz.“

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