Unverkennbar: Andreas August mit ausgebreiteten Armen und geschlossenen Augen. Allein mit seiner Blues-Stimme zaubert er Gänsehaut. Foto: Habermann

Frankfurt City Blues Band: Nicht leiser, nur psychedelischer

Hanau. Eigentlich kennt er das Schloss Philippsruhe wie seine Westentasche, schließlich ist er hier geboren und aufgewachsen: Achim Farr, Saxofonist und Mundharmonikaspieler der Frankfurt City Blues Band.

Von Rainer Habermann

Frankfurt City Blues Band: das sind Andreas August mit seiner absoluten Blues-Stimme. Tilman Höhn an der Gitarre, die in seinen Händen auch akustisch gespielt so psychedelisch wie ein elektronisches Keyboard klingt. Wolfgang Stamm on drums und Klaus Bussalb mit dem Bass.

Sie bilden die Rhythmusgruppe mit mächtig Wumms auf den Punkt. Und natürlich Farr, der mit Tenor- wie auch riesigem, tieflagigem Baritonsaxofon so manche Raser-Soli bis in die höchsten Trillerhöhen abspult und auf der Mundharmonika den Blues mit der Muttermilch aufgesogen zu haben scheint.

Konzert mit Kultcharakter in der Remisengalerie

August steht voran. Wenn er seine Arme ausbreitet, mit fast immer geschlossenen Augen seinen Blues singt, fühlt man sich unwillkürlich an die Titanic erinnert. Sie wissen schon: die Stelle, wenn Leonardo Di Caprio an der Bugreling den brausenden Fahrtwind übertönt: „Ich bin der König der Welt!“

Es ist ein Konzert mit Kultcharakter in der Remisengalerie. Haben die City-Blueser früher schon mal 120, 150 Gigs pro Jahr gespielt, so kann man die heute an den Fingern zweier Hände abzählen. Sie sind schlicht eins: älter geworden und nur ein bisschen leiser. Deshalb freute Annette Schulmerich, Vorstandsmitglied im Kulturverein, sich auch besonders darüber, dass diese legendäre Truppe gerade in den Räumen ihres Vereins ein aktuelles Ständchen gab. Na ja, Ständchen: Es war denn doch etwas mehr als das.

In den 1960ern und 1970ern wr Blues ganz anders angesagt als heute

„Ich bin exakt hier, im Eckturm des Schlosses Philippsruhe, geboren“, erzählt Farr. Seine Geschichte ist die einer „aale Geelerieb“, die in der alternativen Musik des Blues, Jazz, des Beats und des Rock 'n' Roll der frühen Jahre nach dem Krieg die Stadt und das ganze Land prägten. „Meine Wurzeln liegen in Hanau, aber Mitte 20 bin ich nach Frankfurt gegangen, weil diese verkannte Metropole einfach das Leben damals in den 60ern, 70ern, pulsieren ließ“, sagt der Top-Saxer, der im bürgerlichen Leben Lehrer ist und auch von bekannten Größen im Musikgeschäft immer wieder gern für Live-Gigs gebucht wird.

„Damals war Blues noch ganz anders angesagt als heute“, erinnert sich Tilman. Farr springt ins Wort und meint: „Der August hat früher am Klavier gesessen, am Flügel oder E-Piano, hat die Gamaschen von Ray Charles angehabt. Und wenn du ihm noch die Brille aufgesetzt hättest, wäre er auch Original Ray gewesen, mit seiner Stimme. Das muss ich mal sagen: Ich mache seit 40 Jahren mit dem August Musik. Der regt mich immer noch irgendwie positiv an.“

Indo-Rock, Inspiration Six und Orange Peel

Die „Tielman-Brothers“ kennt man im Gespräch natürlich auch noch: „Das waren doch die aus Indonesien, die ihre Instrumente auf dem Rücken gespielt haben“, erinnert sich Farr an die Begeisterung, die nicht zuletzt durch das Hanau der 60er schwappte. Und natürlich erinnert man sich an „Leslie“, den heutigen „braven“ Inhaber des Gitarrenladens in der Altstadt. Und an die „Inspiration Six“, die später für Furore sorgte: vor „Orange Peel“, die dann irgendwann einen vorläufigen I-Punkt auf die bundesweite Popularität Hanauer Bands setzte.

Am Samstagabend wiegten sich die Gäste im Blues. In einem psychedelischen: das Markenzeichen der Frankfurt City Blues Band. Wenn Tilman Höhn seine Gitarre zaubern lässt, Andreas August seinen „Flieger“ macht und Achim Farr seine wahnsinnigen Soli zelebriert, dann lebt der Mythos. Und die Gäste wissen und hören: Hier spielen Profis.

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