Anekdoten, Balladen und Gedichte – Frank Lehmann, Ex-ARD-Börsenredakteur und Steinheimer, rezitiert im Kulturforum literarische Leckerbissen unterschiedlichster Autoren. Foto: Pauly

Hanau

Frank Lehmann liest "Hessisches und mehr" im Kulturforum Hanau

Hanau. In der Reihe „Wort und Klang“ der Stadtbibliothek Hanau unter künstlerischer Leitung von Benjamin Baumann stand dieses Mal der bekannte Wirtschaftsjournalist und Autor Frank Lehmann auf dem Programm.

Von Andrea PaulyDer Wahl-Hanauer präsentierte vor einem gut gefüllten Auditorium im Kulturforum Hanau unter dem Motto „Hessisches und mehr“ eine vielfältige Textauswahl von Goethe bis Gernhardt. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom Duo Back again – Gitarren und Gesang von Frank Leimann und Michael Neuberger.

Nach der Begrüßung durch Baumann, der Lehmann als langjährigen Leiter und Moderator der Hessenschau sowie der ARD-Börsenredaktion vorstellte, hieß der Wirtschaftsjournalist seinerseits einen besonderen Gast, den 95-jährigen Dieter Schneider, Mundartdichter aus Offenbach, von dem er ebenfalls einige Texte interpretierte, willkommen.Gewitztes und nachdenklich StimmendesDas Duo Back again lebe übrigens auch in Steinheim, genauso wie er, erklärte Lehmann, der vergangenes Jahr mit der Hanauer Bürgerplakette ausgezeichnet wurde, bevor die Musiker und Eric-Clapton-Fans zwischen seinen vorgetragenen Texten einige deutsche Songs wie den „Kneipen-Blues“ und die „Luft ist raus“ vortrugen.

Nach der Pause widmete sich das Duo dann seinem Idol mit den Stücken „Leila“ und „Wonderful tonight“. Doch vorher gab es noch viel Gewitztes und auch nachdenklich Stimmendes von Rezitator Lehmann zu hören, der die Texte mit schauspielerischem Talent zum Leben erweckte.Etliche Lacher im PublikumSchon seine Einleitung zum hessischen Volk in der Wahrnehmung geschichtlicher und literarischer Größen löste etliche Lacher beim Publikum aus. So berichtete er unter anderem von lexikalischen Einordnungen der Hessen als „kleines, hässliches Volk am Rande der Rhön“, aber auch vom römischen Tacitus, der einst über die Chatten, die Urhessen; schrieb: „Das Volk ist von härterem Körperbau, hat straffe Glieder, trotzigen Blick und größere Lebhaftigkeit. Für Germanen haben sie viel berechnenden Verstand und Geschicklichkeit.“

Der bekannte, leider viel zu früh verstorbene Schauspieler und Kabarettist Matthias Beltz beschreibe Hessen als Transitland, als virtuelle Station, ohne direkten Ausweg in umliegende europäische Länder. Für viel Gelächter sorgte auch „Titanic“-Mitgründer Robert Gernhardts kurze Anekdote „Rast in Hessen“.Das Ende mit dem „kalorien- und alkoholarmen Ebbelwoi-Blues“Amüsant waren ebenso die Vergleiche von Balladen, wie der „Erlkönig“ und „Der Fischer“ – in Variationen von Johann Wolfgang von Goethe über Heinz Erhardt bis zum Mundartdichter Dieter Schneider. Dazu gehörte auch „Der Handschuh“, eine Ballade, die einem Wettstreit zwischen Schiller und Goethe entsprang und deren Abwandlung von Friedrich Stoltze denen der bekannten Dichterfürsten in nichts nachstand.

Weitere kurze Texte von Heinz Erhardt, Joachim Ringelnatz, Erich Kästner und Ernst Schildger ergänzten den literarisch-musikalischen Abend, der mit einem lakonischen Gedicht von Fred Endikrat über das traurige Ableben eines Auerhahns endete sowie mit dem „kalorien- und alkoholarmen Ebbelwoi-Blues“, bei dem aus dem musikalischen Duo gemeinsam mit Frank Lehmann ein echtes „Hessen-Trio“ wurde.

Die nächste Veranstaltung aus der Reihe „Wort undamp; Klang“ im Kulturforum Hanau findetam Donnerstag, 15. März, um 19.30 Uhr statt: Fernweh mit Rafael Lukjanik und Band –ein Erzählkonzert. Der Sprecher ist Philip Krause. Rafael Lukjanik nimmt dabei die Zuhörer am Vibraphon mit auf eine musikalische Reise durch Kulturen, Klangfarben und Rhythmen. Er wird von zwei weiteren Musikern sowie von Philip Krause als Sprecher begleitet, der in der letzten Saison mit einer Werther-Lesung überzeugte.

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