Das Hessen-Center möchte seine Verkaufsfläche von derzeit 39 000 auf rund 53 000 Quadratmeter erweitern. Visualisierung: PM

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Fragen und Antworten zur geplanten Aufrüstung des Hessen-Centers

Region Hanau. Wenn ein Einkaufszentrum in der Region aufrüste, um mit Hanau mitzuhalten, zeige dies, dass hier „vieles richtig gemacht“ worden sei, sagt Karl-Georg Wolff. Der stellvertretende Vorsitzende des Hanau Marketing-Vereins (HMV) sieht die jüngst begonnene Modernisierung des Hessen-Centers relativ gelassen.

Von Christian Dauber

Auch die länger bekannten Pläne des Betreibers ECE, das Zentrum deutlich zu erweitern, beunruhigen ihn nicht. Im Forum Hanau verweist man auf die eigenen Stärken.

Wir beleuchten mit einigen Fragen und Antworten, was im Hessen-Center passieren soll und wie die Pläne Hanau und die Region betreffen.

Welche Pläne gibt es für das Hessen-Center?

Im Frühjahr 2016 wurde bekannt, dass das Einkaufszentrum seine Verkaufsfläche von derzeit 39 000 auf rund 53 000 Quadratmeter Verkaufsfläche erweitern möchte. Seitdem werden die Pläne kontrovers diskutiert, insbesondere in den Nachbarkommunen Frankfurts. Auch Hanaus OB Claus Kaminsky verlieh bereits damals seiner Befürchtung Ausdruck, der Einzelhandel und das Forum Hanau könnten Schaden nehmen. Vor zwei Wochen informierte Hessen-Center-Betreiber ECE über eine große Modernisierungs-Offensive. Rund 45 Millionen Euro sollen in das aus den 70er Jahren stammende Einkaufszentrum investiert werden. Neue Parkdecks mit direktem Zugang und eine zeitgemäße Optik im Inneren sind unter anderem geplant. Das runderneuerte Center solle verstärkt jüngere Kunden und Familien ansprechen, teilte ECE mit.

Was bedeutet das für den Einkaufsstandort Hanau?

Der HMV betreibt keine Schwarzmalerei. Ob und inwieweit die Modernisierung und Erweiterung des Einkaufszentrums in Bergen-Enkheim Einfluss auf die künftigen Kundenströme habe, bleibe abzuwarten, heißt es beim Einzelhandels-Verein. „Fest steht, dass wir die Entwicklung aufmerksam verfolgen und alles daran setzen werden, mit kreativen und innovativen Ideen einem etwaigen Kaufkraftverlust bereits frühzeitig entgegen zu wirken“, erklärt HMV-Vize Wolff auf HA-Nachfrage.

Das Hessen-Center gebe es seit vielen Jahrzehnten in der Region. Es sei immer wieder erneuert worden. „Dies ist im Wettbewerb um Kunden – ob jünger oder reifer – Normalität.“ Angst vor Wettbewerb habe man nicht. Die wirkliche Gefahr sei nicht das Hessen-Center, sondern der Online-Handel, nicht nur in Hanau. „Im Grunde profitieren wir alle von solchen Entwicklungen, in der Hoffnung, den stationären Handel zu verbessern“, sagt Wolff.

Auch die Center-Managerin des Forum Hanau, Diana Schreiber, kündigt an, das Forum Hanau werde sicherlich die Aktionen ausbauen und „weiterhin für ein ansprechendes Mieterangebot sorgen“.

Welche Maßnahmen plant der Hanauer Handel, um bestehende Kunden in Hanau zu halten beziehungsweise neue hierher zu locken?

Hier gibt es wenig Konkretes zu berichten. Natürlich würden Veränderungen im Umfeld von Hanau beobachtet, meint Wolff. Der HMV müsse sich aber mit den Themen beschäftigen, „auf die wir selbst Einfluss nehmen können.“ Der Verzicht auf die verkaufsoffenen Sonntage sei für viele Händler und Menschen in der Region Hanau schmerzhaft. Auch deswegen würden Marketingaktivitäten ausgebaut. „Wichtig ist, dass wir zusammenstehen und uns gemeinsam den Herausforderungen stellen.“

Was ist im Forum Hanau geplant?

Centermanagerin Schreiber verweist auf die bereits erfolgten Maßnahmen, wie etwa das umstrukturierte Parksystem, mit dem Kunden ab 20 Euro Einkaufswert ihr Auto eine Stunde kostenlos abstellen dürfen. Außerdem sei der Toilettengang für die Besucher inzwischen kostenfrei, der Food Court sie ausgebaut worden, und zudem fänden immer wieder Aktionen statt. Das Forum sei zu

96 Prozent ausgelastet, im Jahr 2017 habe man mit mehr als sieben Millionen Besuchern einen Rekord aufgestellt.

Welche Rolle spielt das Parken im Wettbewerb um Kunden?

Kritiker führen immer wieder ins Feld, dass das Parken am Hessen-Center deutlich günstiger ist als am Forum Hanau. In Bergen-Enkheim zahlen Kunden für die ersten drei Stunden jeweils 60 Cent, in Hanau werden 1,60 Euro pro Stunde fällig. Dafür ist die erste Stunde wie erwähnt gratis, wenn für mindestens 20 Euro eingekauft wird. Das ist laut Centermanagerin Schreiber eine Besonderheit: „Ein solches Angebot finden Shoppingsbesucher gerade in einem innerstäditschen Parkhaus im Rhein-Main-Gebiet nicht überall.“

HMV-Vize Wolff bekräftigt, günstiges Parken sei „ein frommer Wunsch“ und finde grundsätzlich die Zustimmung des Vereins. Gleichwohl sei die Frage sehr komplex. Die qualitative Entwicklung der Parkhäuser in Hanau könne sich sehen lassen. Sie koste aber Geld und müsse refinanziert werden. Das mache es schwierig. „Mit kostenfreien beziehungsweise sehr günstigen Parkmöglichkeiten würden wir natürlich gerne werben“, betont Wolff. Mit dem Feierabendticket – für fünf Euro 30 Tage lang von 18 bis 8 Uhr parken – sei ein erster Baustein geschaffen worden.

Wie positioniert sich die Stadt Hanau zu den aktuellen Modernisierungsplänen?

OB Kaminsky bekannte am Montagabend in der Stadtverordnetenversammlung, nach Bekanntwerden der jüngsten Investitionen eine E-Mail nach Frankfurt geschrieben zu haben. Er habe folgende Antwort erhalten: Die Stadt Frankfurt habe ECE mitgeteilt, dass nichts gegen die Region unternommen werden solle, habe die Antwort aus Frankfurt gelautet. Damit gebe sich Hanau erst einmal zufrieden. Es müsse aber weiterhin heißen: „Vorsicht an der Bahnsteigkante“, erklärte der OB.

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