Saburo Miyabe, Chef der Entwicklungsabteilung von Good-year Dunlop in Hanau, stellt den neuartigen Moosreifen auf einer Messe in Köln vor. Foto: Goodyear-Dunlop

Hanau

Fragen und Antworten: Chefentwickler erklärt den Moosreifen

Hanau. Der gebürtige Japaner Saburo Miyabe ist einer der Chefentwickler bei Goodyear in Deutschland. Er arbeitet im Dunlop-Entwicklungszentrum Hanau. Das Zentrum leistet Entwicklungsarbeit für Erstausrüstungs- und Motorsportkunden.

Das Team arbeitet in diesem Kontext auch an den großen Zukunftstrends im Mobilitätsmarkt. Miyabe wohnt mit seiner Familie in Großauheim, lebt bereits seit 1976 in Hanau und sein Elternhaus steht gerade einmal 400 Meter vom Dunlop-Werk entfernt. In seiner Freizeit treibt der 55-Jährige mit viel Leidenschaft Ausdauersport, besonders gerne mit Kollegen der Betriebssportgemeinschaft Goodyear Dunlop.Für unsere Zeitung erklärt er die Konzeptstudie zum Moosreifen.

Wie ist Ihr Team auf die Idee mit dem Moosreifen gekommen?

Manche Konzeptreifen von Goodyear mögen futuristisch erscheinen – tatsächlich geben sie aber Antworten auf reale Herausforderungen, denen wir uns in der mobilen Welt von heute und morgen stellen müssen.

Mit dem Konzept „Oxygene“ wollen wir zum Beispiel zur Diskussion anregen, wie wir das mobile Leben in den Städten zukünftig verbessern können. Konkret geht es um Luftqualität.

Das Besondere am „Oxygene“: In seiner Seitenwand wächst echtes Moos. Mit seiner offenen Struktur und dem intelligenten Laufflächendesign kann der Reifen Wasser von der Fahrbahnoberfläche absorbieren und zirkulieren lassen. So wird der Prozess der Photosynthese in Gang gesetzt, der Sauerstoff freisetzt. Das Reifenkonzept ist unsere Vision für eine urbane Mobilität, die in Zukunft sauberer, komfortabler, sicherer und nachhaltiger wird. Das klingt weit hergeholt? Es gibt bereits heute Versuche, mit Mooswänden die Luftqualität in Städten zu verbessern.

Was passiert, wenn es wochenlang nicht regnen sollte – würde der Moosreifen dann auch noch funktionieren?

Moos ist sehr widerstandsfähig. Es kann auch mit Trockenperioden umgehen und überlebt Zeiten mit wenig Nährstoffen. Da Moos sehr langsam wächst, kommt es mit wenig Pflege aus.

Haben Sie – möglicherweise hier in Hanau – schon einmal einen Praxistest dazu absolviert, oder existiert der Reifen bislang nur auf dem Papier?

Der „Oxygene“ ist ein reines Konzept. Wir haben ihn noch nicht auf der Straße getestet. Trotzdem sind einzelne Eigenschaften unserer Konzepte – etwa Intelligenz im Reifen oder eine nicht-pneumatische Struktur – bereits heute Realität. Andere Eigenschaften könnten wiederum zum Denkanstoß für die neuen Produkte von morgen werden. rg

Das könnte Sie auch interessieren