Essensreste wie Äpfel kommen in die Biotonne (Symbolbild).

Hanau

Fragen und Antworten zur Biotonne: Das müssen Sie beachten

Hanau. Die meisten haben sie schon, doch jetzt ist sie für alle in Hanau Pflicht: die Biotonne. Doch was macht man, wenn man noch keine hat? Und was, wenn man den Biomüll lieber auf dem Komposthaufen entsorgt? Wir haben Fragen und Antworten zusammengestellt.

Von Kerstin BiehlAls 1996 in Hanau die Biotonne eingeführt wurde, war diese sinnvolle Verwertung von Küchenabfällen für viele Bürger der ehemaligen DDR ein alter Hut. In Ostdeutschland nämlich wurde Biomüll schon seit den 50er Jahren gesammelt. Für die dortigen Schweinemastbetriebe waren die Reste aus der Küche nützliches Tierfutter. Mehr als zwei Jahrzehnte nach der Einführung in Hanau macht die Stadt die Biotonne nun zur Pflicht: Ab sofort gilt ein Benutzungszwang.

Gemeinsam mit Stadtrat Andreas Kowol (Grüne) hat unsere Zeitung die wichtigsten Fragen rund um die braune Tonne erörtert.

Warum gibt es gerade jetzt den Anschluss- und Benutzungszwang für die Biotonne in Hanau?Gemäß einer Änderung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes sind Bioabfälle aus Haushaltungen seit dem 1. Januar 2015 getrennt zu sammeln. Diese Getrenntsammlung gibt es in Hanau bereits seit 1996. Die Sammlung ist nun flächendeckend einzuführen. Was der Gesetzgeber konkret unter dem Begriff flächendeckend versteht, ist bisher allerdings nicht näher definiert. Im Rahmen der Neufassung der Bioabfallverordnung soll hier eine Klarstellung erfolgen.Nach Schätzungen von Hanau Infrastruktur Service (HIS) – der städtische Eigenbetrieb ist für die Abholung der Biotonne zuständig – sollen bisher rund 80 Prozent der Haushalte angeschlossen sein. Was ist mit dem Rest?Der Rest verteilt sich auf die Haushalte, die eine Eigenkompostierung betreiben und deshalb keine Biotonne benötigen und insbesondere Großwohnanlagen, bei denen bisher aufgrund der Fehlwurfproblematik keine Biotonne gestellt wurde.

Wie verhält es sich mit der Handhabung der Biotonne in Mehrfamilienhäusern?In vielen Mehrfamilienhäusern sind bereits Biotonnen aufgestellt, allerdings gilt es hier den Anschlussgrad weiter zu erhöhen.

Was genau hat es mit der Anforderung eines Erfahrungsbericht beim Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) auf sich?Es geht um die Anforderung eines Erfahrungsberichts hinsichtlich der Umsetzung der Getrennthaltungspflicht in Großwohnanlagen. Die Stellungnahme des VKU liegt nunmehr vor. Im Ergebnis bestätigt der VKU, dass der Anschlussgrad in Großwohnanlagen zu erhöhen ist. Gleichwohl ist die dortige Fehlwurfproblematik beim VKU natürlich bekannt. Hier sind gezielt die Vermieter und Hausverwaltungen in die Pflicht zu nehmen, auf Ihre Mieter hinzuwirken, Bioabfälle getrennt zu erfassen und Fehlwurfquoten zu senken. Selbstverständlich steht die Abfallberatung der Stadt Hanau hierbei den Vermietern und auch den Mietern mit Rat und Tat zur Seite. Zudem wird die Stadt in einer besonderen Aktion gezielt die Bewohner in größeren Wohnanlagen für eine getrennte Sammlung von Bioabfällen und Wertstoffen ansprechen.

 

 

Was muss ich als Hausbesitzer/Mieter tun, was wissen?Sofern die Biotonne bereits vorhanden ist, besteht kein Handlungsbedarf. Sofern keine Biotonne vorhanden ist und keine Eigenkompostierung betrieben wird ist eine Biotonne aufzustellen.

Muss ich dafür selber aktiv werden oder kommt die Stadt auf mich zu?Der HIS ermittelt die Grundstücke, die bisher noch nicht über eine Biotonne verfügen und wird die Grundstückseigentümer anschrieben. Wer noch keine Biotonne hat, kann daher aktiv werden, muss es aber nicht.

Muss ich den Müllbehälter kaufen oder mieten? Mit welchen Kosten ist das verbunden?Der Behälter muss weder gekauft noch gemietet werden. Gemäß der Abfallsatzung der Stadt Hanau ist die Biotonne in der Regelausstattung kostenfrei.

Gibt es Fristen/Übergangslösungen?Es gab nur die eine Frist zur Einführung der Getrenntsammlung von Bioabfällen zum 1. Januar 2015. Da es die Getrenntsammlung in Hanau seit 1996 gibt, ist diese Frist für die Stadt Hanau nicht von Bedeutung. Fristen zur Erreichung der flächendeckenden Einführung gibt es nicht. Möglicherweise nennt der Gesetzgeber solche, wenn mit Novellierung der Bioabfallverordnung der Begriff „flächendeckend“ konkretisiert wird.

Hat sich die Stadt einen Zeitrahmen gesteckt, bis wann die Biotonne in Hanau flächendeckend sein soll?Im Laufe des Jahres 2017 sollen alle betroffenen Grundstückseigentümer ermittelt und angeschrieben werden.

Wie war das eigentlich bisher für Bürger ohne Biotonne aber mit Komposthaufen geregelt? Musste er die Kompostierung nachweisen? Wie wird das kontrolliert?Der formale Nachweis der Eigenkompostierung war bisher nicht erforderlich, eine formlose Mitteilung, schriftlich oder mündlich genügte. Zukünftig wird es erforderlich sein, einen Antrag auf Befreiung von der Biotonnenpflicht zu stellen und diesen auch entsprechend zu begründen (Art der Kompostierung, Ort der Kompostierung, Größe der Gartenfläche). Im Antrag wird der Grundstückseigentümer darauf hingewiesen werden, dass Kontrollen durch die Stadt Hanau erfolgen können.

Ist ein Komposthaufen nicht generell viel sinnvoller? Ökologischer und ökonomischer?Eine Verwertung der kurzen Wege mag sinnvoller sein, allerdings ist nicht jeder dazu in der Lage (zum Beispiel mangels Fläche) oder dazu gewillt oder hat einfach keine Zeit dazu. Hierzu kann man lediglich raten, einfordern kann man es nicht, da es eine gesetzliche Verpflichtung hierzu schließlich nicht gibt. Hinzu kommt, dass das Kompostieren von Lebensmittelresten im Garten problematisch sein kann und hier die Entsorgung nur über die Biotonne sinnvoll ist. Eine Entsorgung über die Toilette ist nicht erlaubt und führt zu Schädlingen (Ratten) in der Kanalisation.

Wird es bei Nichteinhaltung des Benutzungszwangsstrafen geben und wenn ja welche?Während der Umsetzungsphase sind keine Strafen angedacht. Danach sind Sanktionierungen möglich.

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