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Immer mittendrin: Für ein Foto der Proteste in Hongkong ist der Hanauer Fotograf Kai Pfaffenbach mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet worden.

In der Kategorie "Breaking News Photography"

Für Berichterstattung aus Hongkong: Hanauer Fotograf Kai Pfaffenbach erhält Pulitzer-Preis

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Von der Jahreshauptversammlung des Großauheimer Kaninchenzuchtvereins zur Pulitzer-Preis-Verleihung an der New Yorker Columbia-Universität. Diesen vorläufigen Höhepunkt hat die Karriere von Kai Pfaffenbach erreicht.

Der Fotograf der Nachrichtenagentur Reuters hat am späten Montagabend unserer Zeit die Information bekommen, dass er mit neun weiteren Fotografenkollegen den Pulitzer-Preis in der Kategorie „Breaking News Photography“ gewonnen hat. „Das ist für mich als hätte ich die Champions League und den WM-Titel zusammen gewonnen“, sagte der Klein-Auheimer am Dienstagmorgen nach einer schlaflosen Nacht.

Fotografen haben Massenproteste in Hongkong dokumentiert

Den Preis bekamen die Reuters-Fotografen für die Dokumentation der Massenproteste in Hongkong im vergangenen Jahr. Kai Pfaffenbach war im August und September 2019 für insgesamt drei Wochen in Hongkong um als Bildjournalist von den Demonstrationen zu berichten. Seine Nachrichtenagentur reichte ein Portfolio mit 20 Bildern von insgesamt zehn Fotografen für den Pulitzer-Preis ein.

Am späten Montagabend erhielt der 49-Jährige einen Anruf des Reuters-Editors aus Texas: „Herzlichen Glückwunsch, Du hast den renommierten Pulitzer-Preis gewonnen“, bekam er mitgeteilt. „In der Begründung der Jury steht, dass wir den Preis für unsere besonders umfassende und gerierende Fotografie bekommen. So komplex und visuell wie wir es dargestellt haben, haben es die anderen wohl nicht geschafft“, so Kai Pfaffenbach.

"Perfekter Schuss" beschert Pfaffenbach den Pulitzer-Preis

Unter den eingereichten Reuters-Fotos ist eines von ihm. Es zeigt Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam. Der Reuters-Cheffotograf kann sich noch genau an den Tag erinnern, als er das Foto schoss. „Sie hatte jede Woche dienstags morgens eine Pressekonferenz gegeben. Daher gab es schon viele Bildmotive von ihr. Ich wollte etwas anderes machen, habe die lange Linse mitgenommen, um sie ‚close up’ zu fotografieren. Der Schuss war genau so, wie ich ihn geplant hatte – perfekt."

Das Foto von Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam brachte Kai Paffenbach den Pulitzer-Preis ein.

Dabei war Kai Pfaffenbach in der Nacht zuvor kaum zur Ruhe gekommen. Er erinnert sich an eine lange schlaflose Nacht mit Straßenkämpfen und Tränengas. Das Bild zeige die Fragilität und Unsicherheit der Frau, die sich immer so selbstsicher und tough gebe. Wenig Schlaf bekam Kai Pfaffenbach auch diese Woche in der Nacht auf Dienstag. „Ich hatte die Preisverleihung gar nicht auf dem Schirm. Dann hat mir eine Kollegin aus England eine WhatsApp geschrieben, ob beim prämierten Reuters-Portfolio auch meine Arbeit dabei sei.“ Wenige Augenblicke bekam der Vater einer neunjährigen Tochter einen Anruf des Editors aus Texas. „Dann hat das nicht aufgehört“, erzählte Kai Pfaffenbach am Morgen danach.

Über 1000 Gratulationen aus der ganzen Welt

Um Mitternacht stießen die Reuters-Chefs mit ihren zehn Fotografen, die in der ganzen Welt verteilt sitzen, in einer Videotelekonferenz an. Am Dienstagmorgen um 9 Uhr hatte er rund 1000 Nachrichten aus aller Welt bekommen. Über die Glückwünsche von Bild-Chefredakteur Julian Reichelt und eines konkurrierenden AFP-Fotografen aus Serbien freute er sich besonders. „Wir kennen uns schön länger, aber dass der Chefredakteur der größten europäischen Zeitung, kurz vor Mitternacht zum Telefon greift, ist ein feiner Zug“, sagte Kai Pfaffenbach über Reichelts Anruf.

Der serbische Fotograf schrieb ihm: „Du hast das so sehr verdient, denn Du bist der, der uns immer erinnert, dass man in jedem fotografischen Genre auf dem höchsten Niveau bleiben kann.“

2017 mit dem World Press Foto Award ausgezeichnet

Für Kai Pfaffenbach ist der Pulitzer-Preis nicht die erste renommierte weltweite Auszeichnung. Im Jahr 2017 bekam er den World Press Foto Award in der Kategorie Sport. Damals für ein Foto von Usain Bolt bei den Olympischen Spielen 2016. „Ich bin der einzige Deutsche, der den World Press Foto Award und den Pulitzer-Preis hat. Und wenn es rein um Preise für meine Arbeit geht, gibt es nicht mehr. Ich kann jetzt nur noch was wiederholen.“

Kai Pfaffenbach, dessen erster Fotoauftrag als freier Mitarbeiter des HA einst eine Jahreshauptversammlung des Kaninchenzuchtvereins in Großauheim war, macht immer noch Fotos für den HA und moderiert jedes Jahr die Ehrung der HANAUER Sportler des Jahres. Nun ist er mit 49 Jahren im journalistischen Olymp angekommen. „In der Jury sind Chefredakteure von großen Medienhäusern und Journalismusprofessoren, alles absolute Autoritäten, die was darstellen. Daher ist das im Journalismus das Maß aller Dinge“, so Kai Pfaffenbach, der nun hofft, im Oktober in den Flieger nach New York steigen zu können.

Dann ist an der Columbia-Universität die Preisverleihung geplant, und er wird seine Urkunde, eine Bronzeplakette sowie mit dem gesamten Team einen Geldpreis entgegennehmen. „Ich denke, dass wir die 10000 Dollar an Ärzte ohne Grenzen oder eine andere Einrichtung spenden werden.“

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