Mit dem Fällgreifer im Hintergrund nimmt Marco Kirst (Mitte) die Fällungen vor.

Hanau

Förster betrübt über Fällungen im Wildpark Alte Fasanerie

Klein-Auheim. Nicht nur die vielen Familien, die in den laufenden Ferien den Wildpark „Alte Fasanerie“ besuchen, können gerade erleben, was die anhaltende Trockenheit anrichtet.

Von Christian Dauber

„Viele Bäume sind leider so geschädigt, dass sie absterben und in der Folge zu einer Gefahr für die Besucher werden“, erklärt Forstamtsleiter Christian Schaefer. Deswegen müssen sie gefällt werden. Als Betreiber des Wildparks sei Hessen Forst für die Sicherheit auf den Wegen verantwortlich. Wenn nichts unternommen werde, wäre die Gefahr groß, dass Äste oder sogar ganze Baumkronen herunterstürzten, mit nicht auszumalenden Folgen.

Seit vergangener Woche ist schweres Gerät angerückt. Über 50 Bäume, 98 Prozent davon Buchen, seien bereits abgetragen, bilanziert Wildpark-Leiter Günter Hunold beim gestrigen Pressetermin. Viele weitere werden vermutlich bei einem zweiten Durchgang im Herbst folgen müssen, blickt er voraus. Mindestens 20 000 Euro wird Hessen Forst in die Arbeiten investieren müssen. Zwar würden die Bäume als sogenanntes thermisches Holz verkauft, doch nennenswerte Erlöse seien davon nicht zu erwarten.

Dürre schwächt Bäume

Hunold und Schaefer schätzen, dass zwischen drei und sechs Prozent des gesamten Baumbestandes dem Erdboden gleich gemacht werden müssen. Das hat nicht nur ökologische Folgen: Schon jetzt hat sich das äußere Erscheinungsbild des Parks an manchen Stellen drastisch verändert. „Das alles tut uns sehr weh“, machen beide klar. Aber es gebe keine Wahl. Denn eine Chance, dass sich die im Schnitt rund 100 Jahre alten Bäume wieder erholen könnten, gebe es so gut wie nicht. „Der Wald ist in ganz, ganz schlimmem Zustand. So etwas habe ich in den 35 Jahren, die ich bei Hessen Forst bin, noch nicht gesehen“, betont Forstamtsleiter Schaefer.

Schuld am Absterben des Waldes ist die Dürre, die die Bäume extrem schwächt. „Insekten und Pilze befallen dann die Bäume“, erläutert Wildpark-Leiter Hunold. Die Folge: Das trockene Holz wird brüchig. Normalerweise hätten Bäume einen Abwehrmechanismus entwickelt. Der allerdings funktioniere wegen der Trockenheit nicht mehr ausreichend. „Sie müssen sich das vorstellen wie bei einem kranken Menschen. Für den kann schon eine Grippe tödlich sein“, zieht er einen gut nachvollziehbaren Vergleich.

Auch außerhalb des Wildparks ist der Zustand des Waldes in der Region laut den Experten besorgniserregend. An vielen Stellen müsse gefällt werden – beispielsweise entlang der Autobahn 66, wo es ebenfalls um die Sicherheit gehe.

Doch den Wildpark trifft die Trockenheit besonders hart. Das liege an der besonderen Zusammensetzung des Bodens. Laut Hunold ist unter der Erde etwa ein Meter Sand, darunter haben sich durch Erdbewegungen in der Steinzeit Tonlinsen abgelagert, die das Regenwasser stauen. Normalerweise sei es daher in geringer Tiefe relativ feucht.

Das Problem: „Die Bäume haben sich an diese Situation gewöhnt und ihre Wurzeln entsprechend ausgebildet. Diese reichen nicht so tief wie in anderen Wäldern“, erklärt Hunold. Die rund 25 bis 35 Meter hohen Bäume säßen daher schnell auf dem Trockenen. Normalerweise bräuchten sie mehrere Hundert Liter Wasser am Tag – pro Baum.

Stämme bleiben stehen

Im Wildpark werden jetzt die Folgen des Hitzesommers 2018 spür- und sichtbar. Auch dieses Jahr sei es nach wie vor viel zu trocken. Die bisherigen Regenfälle hätten daran nichts geändert, sagt Hunold. „Wenn der Boden so trocken ist, kann er so schnell gar kein Wasser aufnehmen. Das fließt oberflächlich ab“, erläutert er. Nun ist die Firma Kirst aus Sinntal Dauergast im Wildpark. Mit ihrem Fällgreifer tragen die Mitarbeiter die abgestorbenen Bäume von der Krone her Stück für Stück ab.

Die Stämme bleiben zunächst stehen, „stummeln“ nennt sich das Prozedere. Dafür müssen immer wieder Wege gesperrt werden. „Wir müssen den Wildpark aber nicht komplett schließen“, stellt Forstamtsleiter Schaefer klar. Er und Hunold hoffen auf das Verständnis der Besucher für die Arbeiten.

Das könnte Sie auch interessieren