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Herausforderungen für Hanau: Ukraine-Flüchtlinge bald in Schärttner-Halle?

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Von: Christian Spindler

Eine „Feldbetten-Situation“ wie nach der Ankunft syrischer Geflüchteter 2015 soll es möglichst nicht mehr geben, falls die August-Schärttner-Halle Erstaufnahmeeinrichtung wird. Archivfoto: SASCHA RHEKER
Eine „Feldbetten-Situation“ wie nach der Ankunft syrischer Geflüchteter 2015 soll es möglichst nicht mehr geben, falls die August-Schärttner-Halle in Hanau Erstaufnahmeeinrichtung wird. Archivfoto: SASCHA RHEKER © -

Die Stadt Hanau sieht sich in Bezug auf die Ukraine-Hilfe mit Herausforderungen konfrontiert und bereitet sich derzeit auf eine mögliche Unterbringung der Geflüchteten in der Schärttner-Halle vor.

Hanau/Main-Kinzig-Kreis – Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung für Geflüchtete aus der Ukraine ist groß, auch das Engagement ehrenamtlicher Helfer und der Mitarbeiter in der Verwaltung und in Behörden. Ebenso groß sind aber auch die Herausforderungen, die zu bewältigen sind. Das wurde bei der jüngsten Stadtverordnetenversammlung in Hanau am Montagabend deutlich, bei der die Ukraine-Hilfe an mehreren Stellen Thema war.

Weiterhin ist es die vordringlichste Aufgabe, Unterkünfte für Kriegsflüchtlinge zu schaffen. Wichtige Nachricht: Die August-Schärttner-Halle könnte künftig doch noch für die Unterbringung von Ukraine-Flüchtlingen hergerichtet werden. Die Stadt hatte sie als kommunale Sammelunterkunft verworfen, weil man unter anderem aus hygienischen und pandemischen Gründen keine so große Einheit schaffen wollte. Stattdessen wurden, außer in Privatquartieren, Hotels oder auf Sportsfield Geflüchtete, die der Stadt zugewiesen werden, in der Mehrzweckhalle Mittelbuchen untergebracht (wir berichteten). Der Main-Kinzig-Kreis muss sich indes darauf einstellen, vom Land Hessen aufgefordert zu werden, eine Außenstelle der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung Gießen einzurichten. Noch sei dies zwar nicht aktuell, so Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD).

Schärttner-Halle als Unterkunft für Ukraine-Flüchtlinge: Stadt Hanau bereitet sich vor

Wenn aber der Einsatzbefehl aus Wiesbaden kommt, werde die Stadt die Schärttner-Halle zur Verfügung stellen. Ob eine solche neue Unterkunft im Kreisgebiet „auf mittlere Sicht“ eingerichtet werden muss, sei momentan noch offen, so der Kreis auf Anfrage. Stadt und Kreis hätten „gemeinsam Vorüberlegungen getroffen“ für den Fall, dass der Einsatzbefehl kommt. Die Schärttner-Halle sei Teil davon. Während OB Kaminsky erklärte, es sei vereinbart, dass der Kreis dann eine weitere Erstaufnahme „zeitgleich an Netz bringt“, sagte der Kreis, ob eine zweite Halle bei einer Erweiterung der hessischen Erstaufnahme gebraucht werde, „gehört zu den Themen, die im Moment geklärt werden.“

In der August-Schärttner-Halle waren bereits 2015 Flüchtlinge aus Syrien untergebracht. Eine „Feldbetten-Situation“ wie damals, als es Bett an Bett in der Halle gab, wolle man tunlichst vermeiden, so Rathauschef Kaminsky (SPD). „Das würde ich mir zumindest wünschen.“

Mittlerweile sind in Hanau knapp 1000 Ukraine-Flüchtoffiziell registriert. Im Laufe des Montags stieg die Zahl um rund 60. Im Kreisgebiet geht sie insgesamt auf die 3000 zu. Tatsächlich dürften es sogar mehr sein, weil viele nicht angemeldet sind. Dazu haben sie bis zu 90 Tage Zeit.

Kita- und Schulbesuche für Ukraine-Flüchtlinge: Große Aufgabe für Hanau

Ob der Dynamik des Flüchtlingszustroms sei es „nicht trivial“, die Hilfeleistungen zu organisieren. Kaminsky dankte allen Bürgern sowie den Mitarbeitern der Stadtverwaltung, der Eigenbetriebe und der städtischen Gesellschaften für das, was sie leisten. „Das kann sich sehen lassen.“ Hanau werde auch weiter „unbürokratisch helfen, aber nicht unstrukturiert“. Die Stadt werde ihren solidarischen Beitrag leisten, es gehe aber auch um eine gleichmäßige Verteilung.

Unter den in Hanau registrierten ukrainischen Kriegsflüchtlingen sind nach Angaben von Bürgermeister und Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel (SPD) etwa 40 Prozent Kinder und Jugendliche. Für sie Kita- oder Schulbesuche zu organisieren, sei eine besondere Aufgabe, zumal, wie OB Kaminsky formulierte, die hinzukommenden Kinder auf ohnehin „gestresste Systeme“ treffen. Will heißen: Allenthalben fehlen jetzt schon Erzieher und Lehrkräfte. „Hessen hat zwar für die Schulen ein gutes Konzept zur Integration“, sagt Bürgermeister Weiss-Thiel, es gebe aber keine Personalressourcen.

Ukrainische Flüchtlinge in Hanau: Intensivklassen sind Knackpunkt

Oberbürgermeister Kaminsky kritisiert in diesem Zusammenhang, dass auch in Hanau Schüler, die wegen ihres Förderbedarfs in Intensivklassen unterrichtet werden und dort eigentlich auch weiterhin hingehörten, wegen der zusätzlichen Kinder kurzerhand in den regulären Unterricht versetzt würden. „Da kann man schon ein ungutes Gefühl haben.“ Dem widersprach Dorothea Stübing (BfH), die auf feste Kriterien für solche Versetzungen verwies. Kaminsky indes legte nach, verwies auf Spielräume und ein Beispiel aus der Friedrich-Ebert-Grundschule in Klein-Auheim, wo sieben Kinder aus der Intensivklasse in den Regelunterricht wechseln müssten. Kaminsky: „Wegen des Mangels an Lehrkräften stopft man Regelklassen voll, um Platz zu schaffen in Intensivklassen.“

Noch weiß niemand, wie sich der Krieg in der Ukraine entwickeln wird, wie viele Geflüchtete wie lange hierzulande Zuflucht und Schutz brauchen.

Geflüchtete aus der Ukraine in Hanau: Ausbauprogramm als Lösung

Wegen des Wachstums der Stadt wird es allein an den Grundschulen in Hanau bis 2026/27 rund 1000 Schüler mehr geben – ganz ohne Ukrainer. Deswegen startet die Stadt ein ehrgeiziges Gebäude-Ausbauprogramm. Und auch in puncto Hilfe für die Geflüchteten aus der Ukraine verspricht Kaminsky: „Wir tun, was wir können.“ (Christian Spindler)

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