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"Die Fledermaus" gastiert bei der Volksbühne Hanau

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Rosalinde hat ihrem Gatten unerkannt in Champagnerlaune die bewusste Damenuhr als Beweis für seine Untreue abgeknöpft. Fotos Pauly
Rosalinde hat ihrem Gatten unerkannt in Champagnerlaune die bewusste Damenuhr als Beweis für seine Untreue abgeknöpft. Fotos Pauly

Hanau. Wie ließe sich das neue Jahr besser begrüßen als mit den champagnerseligen Walzermelodien und spritzig-humorvollen Dialogen von Johann Strauß unvergänglichem Meisterwerk „Die Fledermaus“?

Von Andrea Pauly

Auf Einladung der Volksbühne Hanau sorgte das Thalia Theater Wien mit der „Königin der Operette“ für einen weiteren glanzvollen Jahresauftakt nach dem ausverkauften Neujahrskonzert am vergangenen Samstag. Für die Inszenierung verantwortlich zeichnete Regisseur Prof. Wilhelm Schupp, anerkannter Operettenspezialist, der auch für seine intelligent und spritzig bearbeiteten Textfassungen bekannt ist. Das begleitende Orchester vom Opernhaus Liberec in Tschechien spielte unter Leitung von Frantisek Babicky.

1874 uraufgeführt, markiert „Die Fledermaus“ von Walzerkönig Johann Strauß (1825 bis 1899) den Höhepunkt der Goldenen Wiener Operettenära und gilt bis heute als Inbegriff der Gattung schlechthin. Mit einer Fülle hinreißend eingängiger Melodien, szenischem Schwung und hintersinnigem Witz hält das zur Zeit des Wiener Börsenkrachs entstandene Werk der vergnügungssüchtigen Gesellschaft der Gründerzeit einen heiter ironischen Spiegel vor. Leicht, beschwingt und mit einer großen Portion Wiener Charme brachte das Thalia Theater Wien das vergnügliche Verwirrspiel um Wahrheit und Verstellung, um Sein und Schein auf die Bühne.

Ein Streich legte den GrundsteinDie Geschichte nach einem Text von Richard Genée und Karl Haffner, der als Idee ein französisches Singspiel zu Grunde lag, ist schnell erzählt: Vor vielen Jahren an Karneval hat Gabriel von Eisenstein seinem Freund, dem Notar Dr. Falke, einen Streich gespielt, als er ihn volltrunken in einem Fledermauskostüm mitten in der Stadt hat liegen lassen – wohl wissend, dass er ihn damit dem Gespött der Passanten aussetzte. Endlich scheint der Tag der Rache für Falke gekommen zu sein.

Eisenstein soll eigentlich eine Arreststrafe antreten, folgt aber lieber der Einladung Falkes zu einem Ball des russischen Prinzen Orlofsky in der Hoffnung auf erotische Abenteuer mit diversen „Ballettratten“. Seine Frau Rosalinde nimmt die Abwesenheit ihres Gatten gelassen, da sie eigene Pläne hat. Denn sie wurde als maskierte „Gräfin“ ebenfalls von Falke zu dem Ball geladen.

Ein buntes DurcheinanderUnd selbst ihr Stubenmädchen Adele gibt sich dort ein Stelldichein mit der „besseren Gesellschaft“, während Rosalindes Verehrer Alfred durch eine Verwechslung erstmal statt Eisenstein im Gefängnis landet. Bei dem rauschenden Fest suchen die Gäste im Walzertaumel das Risiko, täuschen und verführen nach Herzenslust – einzig eine kleine Damen-Uhr aus dem Besitz Eisensteins wechselt den Besitzer und dient am Ende, als die Masken fallen, der auch nicht ganz unschuldigen Gattin Rosalinde als Beweis für die Untreue ihres Gatten.

Das Thalia Theater Wien brachte diese amüsante Geschichte mit einer für ein Gastspiel opulenten Ausstattung sowie stilvollen Kostümen in glänzender Operettenlaune auf die Bühne und überzeugte neben virtuosem Gesang auch mit heiterem Spiel, in dessen gesprochene Szenen der Regisseur einige aktuelle gesellschaftspolitisch Anspielungen locker eingewoben hatte. Im gut aufgelegten Ensemble zauberte Frauke Schäfer als Rosalinde mit Eleganz, Charme und einem strahlenden Sopran.

Die Besetzung kann sich sehen lassenAls ungarische Gräfin mit Maske berührte sie unter anderem in der Ball-Szene mit dem sehnsuchtsvollen Csárdás „Klänge der Heimat“. Heidi Manser begeisterte als keckes Dienstmädchen Adele temperamentvoll, und kokett beim spöttischen „Mein Herr Marquis“ und „Spiel ich die Unschuld vom Lande“. Humorvoll, aber stimmlich etwas zurückhaltend gab Eugene Amesmann den Schwerenöter Gabriel von Eisenstein.

Als gelangweilter und dekadenter russischer Prinz Orlofsky mit Glitzer-Schminke und roten Lippen, eine Anspielung auf diese meist weiblich besetzte Rolle, gefiel Ivaylo Guberov im Couplet „Ich lade gern mir Gäste ein“. Robert Remenselnik als schwärmerischer Verehrer Alfred überzeugte mit vollem Stimmvolumen sowie Georg Lehner als Notar Falke und Josef Krenmaier als Gefängnisdirektor Frank, der ebenfalls unter falschem Namen auf dem Ball unterwegs ist.

Die Sprechrolle des trinkfesten Gerichtsdieners Frosch schien ganz und gar Richard Maynau auf den Leib geschrieben zu sein, auch er erhielt vom Publikum viele Lacher – so wie das ganze Gesangsensemble für ihre jeweiligen Soli, die bei den Liebhabern des Genres für Begeisterung und einen großen Applaus sorgten.

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