Hanau

Film „Afro.Deutschland“ im Kinopolis mit prominenten Gästen

Hanau. Der Film „Afro.Deutschland – vom Schwarz sein in Deutschland“ ist am Mittwochabend im Rahmen der „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ im Hanauer Kinopolis gelaufen. Prominente Gästen: die Ex-Fußballer Jimmy Hartwig sowie die ZDF-Moderatorin und Hauptdarstellerin wie auch Autorin des Doku-Streifens, Jana Pareigis.

Von Rainer Habermann

Afro.Deutschland ist ein Dokumentarfilm, mit Pareigis als Interviewpartnerin von zahlreichen schwarzen Menschen in Deutschland, und hier hauptsächlich in Berlin, die von ihrem Leben in der Hauptstadt und dem mehr oder weniger großen Rassismus erzählen, der ihnen tagtäglich entgegen schlägt. Unter ihnen sind so genannte „einfache Leute“, aber auch schwarze Künstler, Filmschauspieler oder Hairstylistinnen.So beispielsweise das schwarze Opfer eines brutalen weißen Schlägers, der an einer Supermarktkasse zusammengeprügelt wurde, und wo der Täter bereits in der zweiten Instanz lediglich zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war.

Oder ein schon etwas älterer schwarzer Filmschauspieler, der 1925 in Berlin geborene Theodor Wonja Michael. Er ist ein Zeitzeuge des Nationalsozialismus, und er schildert in der Doku, wie schon die Nazis Schwarze in entwürdigender Weise als Sklaven in ihren Monumentalfilmen eingesetzt hatten. „Wir waren die Mohren, die man da brauchte. Für uns war das eine Existenzfrage“, sagt er heute. Wobei der Begriff „Mohren“ eigentlich eine Diskriminierung darstellt: das belegt auch der Film in einem Beitrag zum Kampf um die Abschaffung des Namens „Mohrenstraße“ in Berlin.

Vorfälle von 1992 in Rostock-Lichtenhagen ist auch ein ThemaNatürlich ebenfalls im Bild: die erschütternden Vorgänge in Rostock-Lichtenhagen im Jahr 1992. Die damals ungehindert marodierenden Jugendlichen und ihre Unterstützung aus der Bevölkerung beim „Abfackeln“ einer Asylbewerberunterkunft sowie Wohnheim für ehemalige vietnamesische Vertragsarbeiter, gehören auch heute noch zu den schrecklichsten, rassistisch motivierten Ausschreitungen seit dem Zweiten Weltkrieg.

Eine der zentralen Aussagen des Films lautet – eigentlich ganz banal: „Schwarze Menschen leben seit über 400 Jahren in Deutschland“ (Pareigis). Und: „Wenn die 'Weißen’, die uns geringschätzen, beleidigen, bespucken, zusammenschlagen, nicht zur Rechenschaft gezogen werden, und sei es auch nur von Umstehenden, von Passanten: dann glauben die, es sei erlaubte Normalität“. Ist es aber nicht. Dafür will auch Pareigis’ Film sensibilisieren.

Weiß, blond und blauäugig„Das Bild der Deutschen als 'weiß, blond und blauäugig’ ist ein reiner Mythos und hat noch nie gestimmt“, kommt Elke Hohmann, Leiterin der Volkshochschule Hanau (VHS), in ihrer Einleitung zur Doku auf ein altes Thema zurück. Die VHS ist Mitveranstalter der Wochen gegen Rassismus in Hanau. Initiiert wurden sie vor zwei Jahren von John Kannamkulam, Hanauer und im Bundesvorstand des Verbands binationaler Familien und Partnerschaften. Kannamkulam ist auch Gründungsstifter einer Stiftung für die Internationalen Wochen.

Für die Stadt Hanau machte Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck unmissverständlich deutlich, wie sie die Hanauer Geschichte in Bezug auf Rassismus sieht: „Hanau entstand durch die Integration von Glaubensflüchtlingen, nicht durch deren Ausgrenzung.“ Täter heute dürften nicht den Eindruck gewinnen, dass sie von einer „schweigenden Mehrheit“ unterstützt würden. „Die Internationalen Wochen gegen Rassismus sollen Anstöße geben, im Familien- und Freundeskreis darüber zu sprechen“, meinte Funck.

„Hau ab, du Nigger!“Im an den Film anschließenden Podiumsgespräch mit Jimmy Hartwig, der als Integrationsbotschafter des Deutschen Fußballbundes (DFB) aus München gekommen war, und Jana Pareigis, die in Hamburg geboren und aufgewachsen ist und ebenfalls als Botschafterin wirkt, plauderten aus ihrem Leben. Insbesondere über die teils grotesken Situationen, die ihnen angesichts ihres „Schwarzseins“ widerfahren waren. Hartwig, Legende der Offenbacher Kickers, Spieler auch beim 1. FC Köln oder beim HSV und ehemaliger Trainer beispielsweise von Augsburg oder Leipzig, seit einigen Jahren erfolgreicher Schauspieler und Autor, bekannte, dass sein Großvater Nazi gewesen sei. Und er schon in der Schule blutige Erfahrungen habe machen müssen, nach dem Motto: „Hau ab, du Nigger!“

Pareigis, die bei der Deutschen Welle als Journalistin („das war schon immer mein Traumberuf“) angefangen hatte und heute beim ZDF das Morgenmagazin moderiert, erzählte, dass es immer bei kritischen Themen es um ihre Hautfarbe gehe und sie doch „wahlweise ins angolanische, kenianische, nigerianische Staatsfernsehen zurückgehen“ solle. Facebook sei heute zu einem regelrechten Motor für Hasskommentare geworden, aber auch durch viele Internetforen ziehe sich der Rassismus wie ein roter Faden. „Es geht darum: machen wir uns den Rassismus bewusst, der in ganz vielen Dingen im Alltag steckt“, sagte Pareigis. Das Gespräch wurde von Hohmann moderiert.

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