Archivfoto/Grafik: Mike Bender/HA

Hanau

Festspiel-Preiserhöhung: Rechnung ohne den Gast gemacht?

Kommentar: Yvonne Backhaus-Arnold, stellvertretende HA-Chefredakteurin, kann die Argumentation von Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Intendant Frank-Lorenz Engel zur Preiserhöhung bei den Festspielen zwar nachvollziehen, gibt jedoch zu bedenken, dass die Rechnung auch nach hinten losgehen könnte.

Von Yvonne Backhaus-Arnold

Wer gutes Theater sehen will, muss bereit sein, auch ein paar Euro mehr in die Hand zu nehmen. Ja, so kann man mit Blick auf die Preiserhöhung argumentieren. Gute Schauspieler, Autoren und Regisseure kosten Geld. Strom und Wasser werden teurer, die Leistungen von Sicherheitsfirmen oder anderen Dienstleistern auch. Und ja, Oberbürgermeister Claus Kaminsky hat recht, wenn er sagt, dass der Eintritt für eine Vorstellung der Brüder-Grimm-Festspiele immer noch günstiger ist als der für die Festspiele in Bad Vilbel, Heppenheim oder Bad Hersfeld.

Wen die Verantwortlichen allerdings nicht aus den Augen verlieren sollten, ist ihr Publikum, sind die Hanauer und die Menschen aus der Region, die seit Jahrzehnten in den Schlosspark und ins Amphitheater gepilgert sind, um „ihre“ Festspiele zu sehen. Sie sind die Kunden – von heute und von morgen. 34,50 Euro pro Karte waren schon kein Pappenstiel für Normalverdiener. Will man jetzt das Musical auf einem der besten Plätze sehen, kostet das 4,50 Euro mehr.

39 Euro pro Person sind viel Geld. Da wird der Theaterbesuch mit der ganzen Familie schnell zu einer kostspieligen Sache, die sich längst nicht mehr jeder leisten kann – und will. Mit dieser Preispolitik läuft die Stadt Hanau Gefahr, jene zu verlieren, die bisher noch gespart haben, weil ein Ausflug ins Amphitheater Tradition hatte. Die Preise für Essen und Getränke sind schon seit mehreren Jahren alles andere als familienfreundlich. Und bei aller Investition in die Infrastruktur sitzt man am Ende doch „nur“ auf unbequemen Plastikstühlen.

Der OB will die Kostensteigerungen und das Defizit dieser Saison mit den höheren Preisen ausgleichen, kalkuliert 2020 mit Mehreinnahmen von 200 000 Euro. Bleibt, ihm und den Brüder-Grimm-Festspielen zu wünschen, dass diese Rechnung nicht nach hinten losgeht.

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