Bewegende Worte: Auf Deutsch sprach der Urenkel des Rotkreuz-Mitbegründers Appia, Bertrand Pictet (rechts unten), zum Plenum. Aus der Hand des hessischen DRK-Präsidenten Norbert Södler (rechts oben) nimmt Susanne Simmler die Henry-Dunant-Plakette an. Auch die geehrte Helga Berndt wird dort gezeigt, wo viele Hanauer sie seit Jahren kennen: An der Kasse des DRK-Kleiderladens. Fotos: Alexander Carrigan (2), Christian Balke (1)

Hanau

Festakt zur 150 Jahrfeier beim Roten Kreuz

Hanau. Was war das für ein Abend mit zutiefst bewegenden Momenten, die Feier zum 150 jährigen Bestehen des Hanauer Kreisverbandes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK).

Von Christian BalkeEin Abend, an dem Moderatorin Yvonne Backhaus-Arnold, stellvertretende Chefredakteurin dieser Zeitung, gemeinsam mit der Gastgeberin Susanne Simmler, Vorsitzende des Kreisverbandes, „stille Helden“ auf die Bühne holten. Sie stellten den 200 Gästen im Bürgerhaus Wolfgang Männer und Frauen vor – seien sie im Haupt- oder Ehrenamt tätig – die tagtäglich für das Deutsche Rote Kreuz einen stillen, wichtigen Dienst am Mitmenschen versehen.

Sei es beim Krankentransport, dem lebensrettenden Blutspendedienst, der Pflege oder in Kleiderläden. Jenen ungeschminkten, gänzlich auf Sachlichkeit und Wahrung der Menschenwürde ausgelegten Ladenlokalen, wo sich auch die Ärmsten der Armen für ein Leben in Würde ankleiden können.

Seit 15 Jahren im Kleiderladen des DRK

Stellvertretend für die „Bewahrer“ von Menschwürde, die in Hanau nun schon seit 150 Jahren Gutes für den Mitmenschen tun, steht eine Frau, die ganz am Ende der Veranstaltung von Yvonne Backhaus-Arnold auf die Bühne gebeten wurde und die neben den herzlichen Worten der Moderatorin auch herzliche Ovationen des Publikums entgegennahm.

Diese Ovationen nahm die 84 Jahre alte Helga Berndt so entgegen, wie sie wohl alles hart erarbeitete Gute, stets entgegennahm. Mit einer entwaffnenden, fröhlichen Bescheidenheit. Seit 15 Jahren ist Helga Berndt nicht aus dem Kleiderladen des Deutschen Roten Kreuzes in Hanau wegzudenken. Damals, als ihr Mann verstarb und die beiden Töchter schon relativ erwachsen waren, habe sie eine Aufgabe gesucht und gefunden: „Ich wollte armen Menschen helfen.“

„Da kommt eine Frau, die bringt mir jeden Montag die 'Hörzu'.“

Und ja, sagte Helga Berndt bereits bei einem Besuch der Redaktion im Kleiderladen an der Altstraße, arme Menschen gebe es auch im eigentlich so gut situierten Hanau: „Und es werden immer mehr.“ Denen mit guter, gebrauchter Kleidung ein Stück Würde zu geben, sagt die Frau, die sich sehr gut an die Nachkriegszeit und den elementaren Mangel und Hunger in Hanau erinnern kann, sei ihr Antrieb gewesen und bleibe es auch weiterhin.

Die Frau, die einst im Kaufhof in der Buchhaltung die Wirtschaftswunderjahre der jungen Republik erlebte und gemeinsam mit ihren Ehemann zwei Töchter groß zog, will die Arbeit im Kleiderladen an der Altstraße nicht idealisieren. „Nein“, sagt sie auf Nachfrage der Moderatorin Backhaus-Arnold, „nicht alle Kunden seien freundlich.“ Aber es gebe wieder andere, die ihr die ehrenamtliche Arbeit im hohen Alter mit Freundlichkeit und Herzlichkeit vergelten würden: „Da kommt eine Frau, die bringt mir jeden Montag die 'Hörzu'. Aus Dankbarkeit.“

Ein Feuer der Menschlichkeit

Die Kinder, die es der begeisterten mehrfachen Großmutter besonders angetan haben, die würden sich auch bedanken: „Die kommen häufig mit Blümchen zu mir, die sie selbst in der Stadt gesammelt haben.“

In Helga Berndt brennt es, das „Feuer“ der Mitmenschlichkeit, das Susanne Simmler zuvor allen ihren Mitarbeitern attestiert hatte.

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