Wie jedes Jahr begannen die Teilnehmer ihren Fackelzug im Wasser an der Steinheimer Brücke. Foto: Moritz Göbel

Hanau

"Fast wie ein Kaffeekränzchen": 50. Nikolausschwimmen im Main

Hanau. Jedes Jahr im Dezember schwimmen ein paar Dutzend Unerschrockene mit Fackeln und roten Zipfelmützen durch das eiskalte Mainwasser zwischen Steinheimer Brücke und Schloss Philippsruhe. Und das schon sehr, sehr lange: Das traditionelle Nikolausschwimmen der DLRG feierte in diesem Jahr sein 50. Jubiläum.

Von Christine Semmler

Anders als normalerweise treffen sich Schwimmer und Zuschauer vor dem Einstieg am Ruderhaus der Hassia, um den Festansprachen von DLRG-Vorsitzendem Simon Reul und Stadtrat Günther Jochem zu lauschen und ein Glas Sekt zu trinken. Das Hanauer Nikolausschwimmen, so Reul, sei das zweitälteste seiner Art. „Älter ist nur das Fackelschwimmen der Kameraden in Celle.“

Das winterliche Ereignis wurde 1968 als Gemeinschaftsproduktion des Deutschen Unterwasserclubs (DUC) Hanau und der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) ins Leben gerufen.

„Die Tradition geht in gewisser Weise auf den ehemaligen Schwimmmeister Otto Schneider zurück“, erklärt DLRG-Vorsitzender Simon Reul in seiner Festansprache. Denn er habe die Hanauer Ortsgruppe für den Tauchsport begeistert. DUC und die Tauchgruppe der DLRG gründeten sich mit wenigen Jahren Abstand, eine langjährige Vereinsfreundschaft entstand.

Es waren in erster Linie die Taucher aus beiden Vereinen, die zu besonderen Anlässen mit Fackeln schwammen. „Es entstand der schnell der Wunsch, dem Fackelschwimmen einen regelmäßigen Rahmen zu geben“, erzählt Reul. Fast 50 Jahre lang organisierten die DLRG und der DUC das Nikolausschwimmen im Wechsel. In den letzten Jahren hat sich der DUC wegen Personalmangels aus der Organisation zurückgezogen. Geschwommen wird aber nach wie vor gemeinsam.

Stephanie Kuster, seit 40 Jahren DLRG-Mitglied und treue Zuschauerin, erinnert sich auch noch gut an die früheren Jahre. „Als ich Kind war, lief das alles noch viel rudimentärer ab“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Mainwiese sei damals stockdunkel gewesen. „Der Ausstiegplatz lag irgendwo zwischen den Büschen und unsere Ankunftsstation war ein Ford Kombi mit aufgeklapptem Kofferraumdeckel. Von da wurde Glühwein mit der Suppenkelle an die frierenden Schwimmer ausgeschenkt.“ Danach sei es mit dem DLRG-eigenen Kleinbus zum Duschen ins Heinrich Fischer Bad gegangen – natürlich nur grüppchenweise, weil nicht alle Teilnehmer in die Fahrzeuge gepasst hätten. Der wartende Rest musste eben noch etwas länger am Main schlottern.

Nach der kleinen Geschichtslektion machen sich die 44 Sportler in Tauchanzug und roter Zipfelmütze auf den Weg zum traditionellen Einstiegspunkt an der Mainbrücke. Der Schiffsverkehr ist heute auf diesem Abschnitt für zwei Stunden gesperrt. Auch Reiner Fehr und Heiner Meyer steigen in das acht Grad „warme“ Wasser. Sie machen das beide seit 30 Jahren und haben schon deutlich kältere Winter erlebt. „Es ist immer ein schöner Jahresabschluss“, sind sich die beiden DLRGler einig. „Ich mag die Atmosphäre, die Fackeln und die vorbeiziehenden Lichtern der Stadt“, fügt Meyer hinzu. Der einst aktive Rettungstaucher ist gerade 70 Jahre alt geworden.

Heute haben es die Teilnehmer des Nikolausschwimmens etwas einfacher als vor 50 Jahren. Sie starten an einer bestens ausgeleuchteten Mainwiese und steigen nach 2,5 Kilometern am nicht weniger hellen Schiffsanleger unterhalb von Philippsruhe wieder aus. Zwei Boote haben sie auf dem Wasser begleitet, auf einem fährt seit je her der Nikolaus mit, der dann an Land kleine Geschenke an die Kinder verteilt.

„Es war nur am Anfang ein bisschen frisch, jetzt ist mir warm“, sagt Schwimmerin Ruth Späth. Wie die meisten trägt sie einen Trocken-Tauchanzug, der überhaupt kein Wasser an die Haut kommen lässt. „Wir mussten allerdings viel paddeln, weil der Main so gut wie keine Strömung hatte“, berichtet sie. Spaß hatte sie aber allemal: „Man schwätzt, macht Witze“, sagt sie und lacht, „es ist fast wie bei einem Kaffeekränzchen.“

Oben auf dem kleinen Parkplatz warten schon die guten Seelen des Vereins unter einem Pavillon, mit Glühwein sowie Schmalz- und Käsebroten. Unter den insgesamt 30 Helfern ist die gut gelaunte Ines Reul, die schon seit frühem Nachmittag bei windig-nasser Witterung auf dem Platz ausharrt. „Ich musste immer wieder Autos vom Parkplatz verscheuchen“, sagt sie fröhlich.

In der Biegung vor dem Schloss warten zwei vorgeheizte Busse der HSB, um Schwimmer und Publikum zurück zum Vereinsheim Adlerhorst im Gefahrenabwehrzentrum zu bringen. „Wir haben ja inzwischen eigene Duschen“, sagt Kuster lachend. Und wenn alle wieder trocken sind, soll der Jahrestag im Vereinsheim noch weiter gefeiert werden.

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