Das Y-Haus ist nur ein Beispiel für die Ergebnisse, die das CKP hervorgebracht hat. Foto: Thomas Seifert

Hanau

Fassadenmodernisierung dank City-Konjunkturprogramm

Hanau. Hanau macht sich schön – auch mit Hilfe des City-Konjunkturprogramms (CKP). Hausbesitzer können mit Hilfe von Fördermitteln ihre Fassaden modernisieren. Das Programm wurde vor Kurzem bis Ende 2022 verlängert. Wir haben mit Stadtentwickler Martin Bieberle über das CKP gesprochen und stellen einige Beispiele vor.

Von Thomas Seifert„Mit dem City-Konjunkturprogramm wurde uns ein Instrument an die Hand gegeben, das in vorbildlicher Weise geeignet war, den Stadtumbau zusammen mit privaten Immobilienbesitzern in der Kernstadt parallel zum Wettbewerblichen Dialog zu realisieren“, betont Bieberle.

Schon kurz nach dem Start des CKP, das durch Bund-Länderzuschüsse des Programms „Aktive Innenstädte“ und Mitteln der Stadt zu je einem Drittel finanziert wird und das zum Ziel hat, Kernbereiche in Städten zu revitalisieren, bekam Hanau den Zuschlag und wurde in die Förderung aufgenommen. Die Stadt beauftragte den Fachbereich Integrierte Stadtentwicklung der Projektstadt der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte (NH Projektstadt) mit der baufachlichen sowie förderungsrelevanten Umsetzung.

Unbürokratische Vergabe von Fördermitteln

„In enger Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungsamt, der Hanau Marketing, dem Einzelhandelsverband und weiteren Akteuren haben wir von 2008 an ein Fassadengestaltungsleitbild und einen Leitfaden zur Gestaltungsrichtlinie entwickelt, an denen sich die inzwischen 62 Projekte orientiert haben“, stellte NH-Projektleiter Kernbereichsmanagement Bernhard Köppler fest. Denn die Neubesinnung auf die Platzsituationen mit der Aufwertung der Straßenbereiche in der Innenstadt sollte von einer angepassten, modernen Fassadengestaltung im Kernbereich flankiert werden, so die Zielsetzung.

„Zu Beginn waren viele Gespräche notwendig, um die Immobilienbesitzer mit ins Boot zu holen und sie von der Idee zu überzeugen, neben einer Modernisierung in die Fassaden gleich noch Ladenbereich umzugestalten. Hilfreich dabei war der Bau des Forums, das als neuer Anziehungspunkt verstärkt Kunden in die Innenstadt brachte und Immobilienbesitzer in Zugzwang brachte“, blickte Bieberle zurück. Ein wesentlicher weiterer Punkt sei die unbürokratische Vergabe der Fördermittel, fügte André Fries hinzu, dessen Schwerpunkt dieser Teil des Projekts ist. „Der Immobilienbesitzer reicht den Antrag ein, er und sein Architekt werden vom Kernbereichsmanagement der NH beraten und dieses reicht den Antrag an den CKP-Ausschuss weiter, der ihn prüft und dem Magistrat mit einer Empfehlung weiterreicht, wo er letztlich positiv oder negativ beschieden wird. Dieser Ablauf ist transparent und maximal unbürokratisch“, so Fries.

Veränderter Markt spielt CKP in die Karten

„Mit der Fertigstellung der ersten vier Projekte im Jahr 2011 wuchs in der Nachbarschaft dieser Immobilien der soziale Druck auf benachbarte Immobilienbesitzer. Wollten diese nicht ins Hintertreffen geraten oder mit ihren Gebäuden abgehängt werden, mussten sie sich mit dem CKP näher befassen“, rekapitulierte Markus Eichberger, Leiter Stadtentwicklung bei der NH, die Entwicklung des Förderprogramms. Sie gipfelte darin, dass 2012 mit 11, 2014 mit zwölf und 2015 mit 16 genehmigten Projekten die meisten Anträge positiv beschieden wurden. Bei den Hauseigentümern hatte sich inzwischen herumgesprochen, dass die Sanierung von Fassaden und weitere Verbesserungen mit bis zu 40 Prozent der Kosten gefördert werden konnten, ein „relevanter Anreiz“, wie Eichberger bemerkte. Zudem fiel auch die Beratung der Immobilienbesitzer und deren Architekten durch das NH-Kernbereichsmanagement bei Detailfragen wie zum Beispiel zum Denkmalschutz auf fruchtbaren Boden.

„Die Veränderungen auf dem Immobilienmarkt, was Läden und Geschäfte im Kernbereich angeht, hat dem CKP natürlich auch in die Karten gespielt. Die Mieter sind weitaus anspruchsvoller, was Ausstattung, Lage oder Nachbarschaft angeht. Und das wiederum hatte zur Folge, dass durch das Werkzeug CKP die Stadt zumindest in bestimmtem Maß auch Einfluss auf Gestaltung und Wahl des Mieters nehmen kann. Denn den nächsten Handyladen, einen weiteren Barber oder noch ein Ein-Euro-Geschäft brauchen wir in der Kernstadt nicht“, betonte Martin Bieberle. Die Ansiedlung des Modehauses Müller-Ditschler im ehemaligen CundA-Gebäude Ecke Rosen- und Langstraße mit Mitteln des CKP sei einer der Leuchttürme gewesen, die im Umfeld positive Veränderungen nach sich gezogen hätten.

CKP als Blaupause für andere Projekte

Apropos Eckhäuser, auf diese hatten die Mitarbeiter des NH-Kernbereichsmanagements ein besonderes Auge geworfen, „denn diese Gebäude wirken in zwei Straßen hinein, mit einer Umgestaltung kann man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, sie stellen sehr gute Multiplikatoren dar“, stellte Bernhard Köppler fest.Und so finden sich bei den Projekten zum Beispiel das Ypsilon-Haus, das Europahaus (Ecke Nürnberger/Hirschstraße), Steins Tivoli, das Wohngebäude Ecke Hammerstraße/Freiheitsplatz, Rosenstraße 1, 10 sowie 9 bis 11 oder Langstraße 23/Rosenstraße 19 – alles Eckgebäude, die umgestaltet worden sind. Mit dem Haus Rosenstraße 6/Bailly Diehl wurde ein Projekt sogar mit dem Titel „Vorbildliche Bauten im Lande Hessen“ geadelt.

„Die Attraktivität der Geschäfts- und Einkaufslagen wurde parallel zu den Großbauten durch das CKP verbessert und trägt dazu bei, dass die Innenstadt ein unverwechselbares und eigenständiges Aussehen bekommen hat. Mit dem Stadtumbau, der ohne das CKP nicht in diesem Umfang denkbar wäre, ist Hanau wieder zu einem attraktiven Einkaufsmagnet für die gesamte Region geworden“, stellte Bieberle nicht ohne Stolz fest. Deshalb, ist sich der Stadtplaner sicher, könne man das CKP als „Blaupause“ für ein weiteres Projekt, die Revitalisierung des Großauheimer Kernbereichs, heranziehen, weil mit der Umnutzung des Bautz-Geländes Tausende von Bürgern dorthin ziehen werden, denen eine funktionierende Infrastruktur geboten werden soll.

1,325 Millionen Euro ausgeschüttet

Delegationen aus anderen hessischen Städten hätten sich das Modell CKP in Hanau schon oft vor Ort zeigen lassen. Welchen Stellenwert dem Projekt beigemessen wird, kann man daraus ersehen, dass das Hessische Ministerium für Umweltschutz, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in der Reihe „Gute Beispiele für Städtebauförderung in Hessen“ ein Heft der Brüder-Grimm-Stadt mit dem Titel „Hanau baut um! – Das City-Konjunkturprogramm“ gewidmet hat.

Bleibt noch der finanzielle Aspekt des CKP: Hier wurden seit 2011 für 62 förderungswürdige Projekte 1,325 Millionen Euro ausgeschüttet.

Beantragung für Fördermittel bis 2021 möglich

Das NH-Kernbereichsmanagement und die Stadt haben errechnet, dass damit 11,615 Millionen Euro an angestoßenen und erfolgten Investitionen getätigt worden sind. „Das heißt, wir haben jeden von uns in die Stadtentwicklung investierten Euro beinahe verzehnfacht. Lohnender lassen sich Ausgaben kaum darstellen“, hatte bereits OB Claus Kaminsky in einer Mitteilung vorgerechnet.

„Da der Magistrat die Fortführung des Programms bis Ende 2020 beschlossen hat und weiterhin Gelder von Bund und Land fließen, besteht noch bis 2021 die Möglichkeit, Fördermittel zu beantragen“, betonte Bieberle. Projekte, die im Fokus des NH-Kernbereichsmanagements stehen, sind in den verbleibenden Jahren der Johanneskirchplatz, der Schlossplatz mit Kanzleigebäude, die Alte Stadtmauer an der Schlendergasse und der Freibereich gegenüber dem Finanzamt im Übergang vom Freiheitsplatz in die Rosenstraße.

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