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Fantasievolle Skurrilität: Proben für Hanauer Brüder-Grimm-Märchenfestspiele starten

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Von: Katrin Stassig

Eine erste Ahnung davon, wie die Schauspieler in diesem Jahr kostümiert sein werden, geben diese farbigen Skizzen.
Eine erste Ahnung davon, wie die Schauspieler in diesem Jahr kostümiert sein werden, geben diese farbigen Skizzen. © Patrick Scheiber

Das neue Musical „Drosselbart!“ feiert am 13. Mai seine Premiere bei den 38. Brüder-Grimm-Festspielen. Regisseur und Schauspieler gewähren vorab Einblicke.

Hanau – An die Wände sind Zeichnungen der Kostüme geklebt und Bilder der Bühne, die als Modell an der Seite steht. An einer Kleiderstange hängt das Gewand der Königin. Die elf Darsteller sitzen im Halbkreis an Festgarnituren und singen das Eröffnungslied des Musicals „Drosselbart!“. Es ist ein Geburtstagsständchen für Prinzessin Ann (Pamina Lenn), die 18 wird und damit das heiratsfähige Alter erreicht. Durch die Hochzeit soll – nach dem Tod des Königs vor fünf Jahren – „endlich wieder mal ein Mann“ regieren. Aber die Prinzessin hat bekanntlich hohe Ansprüche, keiner der Anwärter ist ihr gut genug. Und so nimmt das Schicksal seinen Lauf.

In dieser Woche haben in einem Nebengebäude des Herbert-Dröse-Stadions die Proben für die 38. Saison der Brüder-Grimm-Festspiele begonnen. Und wenn sich der erste Eindruck bestätigt, dann steht Hanau eine richtig gute Spielzeit bevor. Der Begriff grandios wäre an dieser Stelle vielleicht noch verfrüht. In jedem Fall wird es aber eine besondere Saison. Nachdem die Festspiele 2020 wegen der Corona-Pandemie ausfallen und 2021 verspätet und mit reduziertem Publikum stattfinden mussten, soll das Amphitheater diesmal wieder voll besetzt werden. 1250 Plätzen umfasst die überdachte Spielstätte.

Märchenfestspiele Hanau: Einblicke hinter die Kulissen

Es ist der zweite Probentag, aber erst heute ist das Ensemble komplett. Paul Csitkovics, der Prinz Ferdinand spielt, war noch durch Auftritte in Wien gebunden. Für Csitkovics ist es das erste Engagement in Hanau, ebenso wie für Regisseur Christoph Drewitz. Der kannte als „hessischer Bub“, wie er sagt, die Festspiele bisher nur als Zuschauer.

Bevor die Probe startet, geben Drewitz und seine Kollegen hinter den Kulissen einen Einblick in die Idee, die hinter der Inszenierung von „Drosselbart!“ steht. Hans Winkler gestaltet die Bühne als „Vintage-Zirkus“, in dem die Darsteller wie eine fahrende Schauspieltruppe agieren sollen. Es gibt eine Bühne in der Bühne, ein Wahrsagerzelt, ein kleines Kassenhäuschen, eine Drehbühne mit rundem Podest und Karussellpferdchen. Als Elemente eines „altmodischen Zirkus, der schon ein bisschen Patina angesetzt hat“, beschriebt es Bühnenbildner Winkler. Die Musiker sind – wie in einem Zirkus – Teil der Szenerie.

Brüder-Grimm-Märchenfestspiele in Hanau: Musical feiert Premiere

„Die Requisiten lassen die Welt entstehen“, erläutert Regisseur Drewitz – zum Beispiel in Form eines Zuckerwattewagens für Küchenszenen. Auch die Kostüme greifen das Motiv auf, oft mit rot-weißen oder schwarz-weißen Streifen. Romantische Zirkuswelt trifft Steam-Punk, diese Schlagworte nennt Kerstin Laackmann, die zusammen mit Anke Küper für die Kostümwerkstatt verantwortlich zeichnet. Der Regisseur fasst die Optik des Musicals schließlich als „fantasievolle Skurrilität“ zusammen.

Wie das am Ende auf der großen Bühne des Amphitheaters wirkt, erlebt das Publikum in sechs Wochen. Dann steht am 13. Mai die Premiere von „Dosselbart!“ im Programm.

Hanau: Corona-Regeln für Schauspieler bei den Märchenfestspielen bleiben bestehen

Während für die Zuschauer voraussichtlich die meisten Corona-Regeln wegfallen, bleiben sie hinter den Kulissen vorerst bestehen. Alle Anwesenden haben an diesem Tag einen aktuellen Test vorgelegt. So will es Intendant Frank-Lorenz Engel weiterhin halten – auch wenn ab Samstag die meisten Corona-Regeln in Hessen aufgehoben werden, darunter die Masken- und die Testpflicht. Schon in der vergangenen Spielzeit hatten sich Ensemble und Mitarbeiter regelmäßigen Tests unterzogen – und verzeichneten nicht einen Corona-Fall. Dafür stehen zusätzlich auch PCR-Tests zur Verfügung.

Die Festspiele arbeiten hier mit einer Firma zusammen, damit schnell Ergebnisse vorliegen und der Betrieb nicht länger als nötig aufgehalten wird. Das Maskentragen wird nicht mehr ganz so strikt gehandhabt. Wenn die Schauspieler unter sich sind, können sie darauf verzichten. (Katrin Stassig)

Die Inszenierungen der 38. Spielzeit

Die Brüder-Grimm-Festspiele gehen vom 13. Mai bis 31. Juli im Hanauer Amphitheater über die Bühne. Neben dem Musical „Drosselbart!“ stehen das Schauspiel „Aladin und die Wunderlampe“ (Premiere am 21. Mai), das Familienstück „Brüderchen und Schwesterchen“ (ab 4. Juni) und das Lustspiel „Ein Sommernachtstraum“ (ab 11. Juni) von Shakespeare in der Übersetzung des Grimm-Zeitgenossen August Wilhelm Schlegel im Programm. In der Reihe „Junge Talente“ wird „Das kunstseidene Mädchen“ in der Wallonischen Ruine gezeigt. Tickets gibt es im Hanau-Laden, bei allen bekannten Vorverkaufsstellen und online.

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