Können sich ein Leben ohne einander nicht mehr vorstellen: Yvonne Sams hat die Cane Corso Hündin Kiara im November aus dem Tierheim Hanau in ihrer Familie aufgenommen. Foto: Lukasz Galkowski

Hanau

Familie Sams hat Mischlingshündin aus Hanauer Tierheim adoptiert

Region Hanau. In ihre traurigen Augen und ihr niedliches Gesicht hat sich Yvonne Sams sofort verliebt, als sie die Cane-Corso-Mischlingshündin Kiara auf der Webseite des Hanauer Tierheims entdeckt hat. „Sie hat mir total leid getan, da wollte ich sie kennenlernen, hab' sie im Tierheim besucht und bin mit ihr Gassi gegangen.“

Von Jasmin Jakob

Kiara war sehr zurückhaltend und wollte eigentlich gar nicht auffallen, aber als sie mit Sams alleine war, hat sie gleich ihre Nähe und ihren Schutz gesucht: „Sie hat mir signalisiert: 'Jetzt gehör' ich zu dir'. Das war ein super Vertrauensbeweis“, erinnert sich Sams.

Viele Menschen sind unsicher, wenn es darum geht, ein Tier aus dem Tierheim zu übernehmen. Man kennt die Vorgeschichte nicht, das Tier hat vielleicht negative Erfahrungen gemacht und einen mitunter exzentrischen Charakter. Die Gründe, warum die Schützlinge ins Tierheim abgegeben werden, sind zahlreich. Jeden Donnerstag – wie auch heute – zeigen wir auf unserer Service-Seite drei Bewohner des Hanauer Tierheims, die ein neues Zuhause suchen. Nun wollen wir exemplarisch am Beispiel von Familie Sams und der Mischlingshündin Kiara zeigen, wie es abläuft, ein Tier aus dem Tierheim zu adoptieren. Was es zu beachten gilt, wenn man sich für ein Tier interessiert und wie die Vermittlung abgewickelt wird, haben wir in einer Infobox zusammengefasst.

Auch Sams hatte zu Beginn Bedenken, Kiara aufzunehmen, da sie eine Hüftfehlstellung hat, die mit zunehmendem Alter eventuell operiert werden muss. „Einerseits dachte ich mir, sie hatte es nicht leicht in ihrer Vergangenheit, und die wenigsten holen sich einen großen schwarzen Hund aus dem Tierheim, andererseits hab ich mir Sorgen gemacht, ob ich mir die Tierarztkosten leisten kann.“

Hinzu kam, dass Kiara bevor sie ins Tierheim gebracht wurde, gesundheitlich stark abgebaut hatte. Sie hatte so stark abgenommen, dass Hüftgelenk und Rippen sich deutlich abzeichneten und hatte über einen längeren Zeitraum eine Durchfallerkrankung, die das Tierheim in den Griff bekommen musste. Weil es ihr mit den anderen Hunden zu stressig war, schlug das Tierheim vor, dass Sams Kiara als Pflegehund mit nach Hause nehmen könne, um sie ein wenig aufzupäppeln, bis sie ein neues Zuhause findet. „Aber als sich nach zwei, drei Monaten andere Leute gemeldet haben, die sie adoptieren wollten, habe ich als Pflegestelle versagt“, sagt Sams und lacht.

„Ich konnte sie nicht mehr hergeben.“ Seit November wohnt sie jetzt bei der Familie Sams, die sie mit Leckerlis, Hunde‧urlauben am Strand und ausgiebigen Gassirunden verwöhnt. Da Sams ein Studium zur Hundephysiotherapeutin macht, kann sie sogar Kiaras Hüftleiden behandeln.

Als Kiara im Tierheim abgegeben wurde, war sie gerade mal zwei Jahre alt, hatte schon drei Vorbesitzer und jede Menge erlebt. Was genau, weiß nur sie. Allein ihr Verhalten und ihre ehemals gebrochene und schief zusammengewachsene Rute lassen erahnen, dass sie nicht gut behandelt wurde. So war Kiara am Anfang nicht gut auf Männer zu sprechen und hatte Angst vor Stöcken. „Als ich am Anfang eine Rolle Backpapier aus dem Schrank geholt habe, ist sie immer zusammengezuckt. Wahrscheinlich ist sie mal geschlagen worden“, sagt Sams. „Im Tierheim ist auch aufgefallen, dass sie vorher wohl um ihr Essen kämpfen musste und auch bei den ersten Spaziergängen hat sie sofort ihre Geschäfte erledigt. Ich denke mal, sie kam nicht sonderlich viel raus.“

Kiara sucht Nähe und Schutz

So war das Gassigehen am Anfang problematisch, weil Sams Angst hatte, dass Kiara nicht hört, wenn sie von der Leine gelassen wird. „Ich wollte ihr an der Schleppleine trotzdem etwas bieten und mit ihr spielen, da konnte ich sie aber nicht halten. Da hat sie mich mit ihrer Kraft und Energie umgerissen.“ Sams konnte sich dann wieder an das Tierheim wenden, das ihr mit Rat und Tat beiseite stand. Den entscheidenden Tipp bekam sie von einer Hundetrainerin: „Der Hund ist so auf dich fixiert, der haut dir nicht ab.“ Sams und Kiara besuchten die Hundeschule, Sams ließ sie von der Leine und Kiara hörte aufs Wort.

Auch was Kiaras Angst vor Männern betraf, brauchte Kiara nur Zeit und Zuwendung, um sie zu überwinden: Yvonne Sams' Mann Michael wurde am Anfang über Wochen lange und laut angebellt, wenn er nach Hause kam oder wenn er sich Kiara im Halbdunkel näherte. „Sie hatte von Anfang an mehr Vertrauen zu Frauen, aber heute kuscheln die beiden zusammen und verstehen sich super.“ Auch mit Sams' Neffen Sami, Finn und Luis ist sie ein eingespieltes Team geworden. „Sie ist total kinderlieb, hat überhaupt keinen Jagdtrieb und versteht sich mit jedem. Sie will aber auch allen gefallen und ist sehr dankbar.“

Gemeinsam Ängste überwinden

In Sams Nähe ist Kiara viel mutiger geworden und geht offen auf andere Menschen und Hunde zu. „Auch wenn viele Menschen an einem Ort sind, wie im Restaurant, ist sie total entspannt. Da dürfen die Leute sogar über sie drübersteigen – nur eine bestimmte Art von Mann, die mag sie gar nicht. Sie reagiert immer auf glatzköpfige, dunkelhäutige Männer, dann flippt sie aus,“ erklärt Sams. Sie ist sich sicher, Kiara würde niemals auf jemanden losgehen, bellt aber vor Angst und sucht die Nähe ihres Frauchens. „Ich fühle mich auch sicherer, wenn ich abends mit ihr durch die Stadt laufe. Sie macht durch ihre Größe ja auch Eindruck.“

Nur Hank, die französische Bulldogge der Familie, war nicht so begeistert, auf einmal nicht mehr die alleinige Nummer eins im Haushalt zu sein: „Er muss halt jetzt teilen, das fand er schon doof. Er sieht sie zwar nicht als Freundin, aber sie tolerieren sich.“ Kiara kuschelt sich trotzdem an ihn ran, auch wenn er genervt schaut. Heute kann Sams gar nicht mehr verstehen, warum jemand Kiara überhaupt abgeben wollte. „Wenn meine Vernunft nicht dagegen sprechen würde, würde ich weitere Hunde aus dem Tierheim holen. Dann hätte ich zehn Hunde. Aber so konnte ich wenigstens eine Hundeseele retten.“

Tiere der Woche

Wer in seinem Herzen und seinem Zuhause Platz und viel Zeit für einen Vierbeiner hat, kann auch in der heutigen Ausgabe in der Rubrik „Tiere der Woche“ die Bewohner des Hanauer Tierheims kennenlernen. So konnten bereits viele Tiere, wie etwa die Katze Fussel, die mehrmals in unserer Zeitung war, eine Familie finden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema