Joel Ernesto Rodriguez mit seiner schwangeren Freunding und den beiden Kindern Joel und Yanira. Die fünfjährige Angela war beim Umzug nicht dabei. Foto: Bender

Hanau

Familie Rodriguez aus der Daimlerstraße hat neue Wohnung gefunden

Hanau. Noch vor wenigen Wochen war die Daimlerstraße 4 das Zuhause von Familie Rodriguez (wir berichteten). Jetzt hat die Familie kurz vor Heiligabend endlich eine neue Wohnung gefunden und fühlt sich wohl im neuen Zuhause. 

Von Elfi Hofmann„Es ist sehr gut hier.“ Joel Rodriguez kann es immer noch nicht fassen, wie schnell alles ging. Vor einem Monat lebten er und seine Familie noch in der Daimlerstraße.

An den Wänden krabbelten Kakerlaken, der Boden war von der Feuchtigkeit aufgequollen. Heizung? Fehlanzeige. In der gesamten Wohnung war Schimmel. Jetzt sitzt er mit großen Augen auf seinem Sofa, blickt sich um und ist einfach nur dankbar.

Trockene und warme WohnungDrei Wochen lebten er und seine Familie in einer von der Baugesellschaft Hanau zur Verfügung gestellten Notwohnung am Freiheitsplatz, jetzt haben sie ihre eigenen und trockenen und vor allem warmen vier Wände. 90 Quadratmeter ist die Wohnung in der Friedrich-Fröbel-Straße in Wolfgang groß. Der zehnjährige Joel hat sein eigenes Zimmer, seine Schwestern Yanira (8) und Angela (5) teilen sich einen Raum, in dem ein Doppelstockbett steht.

„Guck mal, ich schlafe oben“, erzählt die achtjährige Yanira begeistert, zieht sich die Schuhe aus und flitzt über die Leiter nach oben. Ihre kleine Schwester wird unten schlafen. „Aber den Kopf musst du dann in die Richtung legen“, gibt ihr großer Bruder Anweisungen. Nicht, dass sie noch aus dem Bett fällt.Viele SpendenDas Bett der Mädchen ist – wie fast alle Möbel – eine Spende. „Ich habe den Artikel aus dem HA im Familienzentrum aufgehängt und einen Brief dazu geschrieben“, erklärt Christine Fuchs von der Kathinka-Platzhoff-Stiftung, die auch das „Mittendrin“ betreibt, eine Einrichtung, in der auch Joel und Yanira betreut werden. So sind neben den Betten für die Kinder auch das Sofa, der Couchtisch und der Schlafzimmerschrank zusammengekommen. Zum Transport hat die Feuerwehr Steinheim einen Hänger zur Verfügung gestellt.

Ihre alten Möbel aus der Daimlerstraße wollte die Familie nicht mitnehmen, Kakerlaken nisten sich gerne überall ein. Das sieht auch die Baugesellschaft Hanau so. Deren Mitarbeiter haben in Rekordtempo die Wohnung tapeziert und Böden verlegt – alles auf eigene Kosten. Damit die Kinder nicht in einem Raum schlafen müssen, wurde sogar eine zusätzliche Wand eingezogen, um Joel ein eigenes Zimmer zu ermöglichen. Doch lange wird er dort nicht alleine sein. Im Mai kommt sein Geschwisterchen zur Welt, das dann bei ihm schlafen wird.Vater Joel will auf eigenen Beinen stehen770 Euro warm kostet die Wohnung, 70 Euro mehr als die Zimmer in der Daimlerstraße. Bisher reichte der Verdienst von Vater Joel, der in einem Baumarkt in Dietzenbach arbeitet. Dass seine Kinder Anspruch auf Kindergeld haben, wusste er nicht. Vom Staat will er eigentlich auch kein Geld, sondern komplett auf eigenen Beinen stehen. Trotzdem hat er jetzt gemeinsam mit Christine Fuchs einen Antrag ausgefüllt. Auch einen Unterhaltsvorschuss haben sie beantragt, denn die Mutter der drei Kinder lebt in Spanien, zahlt keinen Unterhalt.

Das Geld kann die Familie gut gebrauchen, denn die beiden Großen besuchen die Anne-Frank-Schule, zu der sie mit dem Bus fahren müssen. „Ein Busticket kostet 54 Euro im Monat, das wird schwer“, sagt Christine Fuchs. Der Neunjährige soll auf jeden Fall noch die vierte Klasse in seinem alten Umfeld zu Ende bringen, bevor er ab Sommer eine weiterführende Schule besucht. Ob Yanira im laufenden Schuljahr wechselt, wird im Februar entschieden.

 

„Das geht nicht auf Dauer so intensiv“Jetzt möchten alle einfach zur Ruhe kommen, auch Christine Fuchs und ihre Kollegen. „Wir helfen sehr gerne und mit viel Herzblut, aber das geht auf Dauer nicht so intensiv“, sagt sie.

Allerdings mache es Joel Rodriguez allen sehr einfach, ihm zur Seite zu stehen. „Er macht, tut und bemüht sich und unterstützt alles“, so Fuchs. Einmal habe er sie auch überschwänglich in den Arm genommen. Die große Dankbarkeit spüre man einfach. Und die gebe ihr und den anderen auch den Antrieb, weiterzumachen.

Küche soll noch vor Weihnachten stehenVor Weihnachten soll auf jeden Fall noch die Küche stehen, die dank Spenden von Ikea und einer Geldspende von der Wallonisch-Niederländischen Gemeinde angeschafft werden konnte. Auch die Kollekte der Weihnachtsandacht der Kindertageseinrichtungen der Kathinka-Platzhoff-Stiftung brachte 500 Euro ein.

Und auch die HA-Leser lässt das Schicksal der Familie nicht kalt. Nachdem die Langenselbolderin Ursula Grebe-Eckhardt von dem Schicksal der Familie gelesen hatte, kaufte sie kurzerhand eine Skihütte von Playmobil als Weihnachtsgeschenk für die Kinder.  Und so groß die Freude darüber bei Joel, Yanira und Angela war: Das größte Geschenk ist natürlich die neue Wohnung.

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