Steinheim

Bei Familie Ehlert sind fünf Miethühner eingezogen

Steinheim. Nelly, Smilla und Mattis sind begeistert – für drei Wochen wohnen in ihrem Garten fünf Hühner. Dort, wo bis vor Kurzem noch der Pool zum Planschen stand, kam nach dem Abbau eine kreisrunde braune Erdfläche zum Vorschein. Nun ist dort das Landleben eingezogen.

Von Holger Hackendahl

Hühner scharren, picken und baden im Sand – eine weiße und vier braune Hennen. Gar nicht so lange her, dass das Federvieh als Legehennen auf beengten Verhältnissen in einem Käfig mit Raum von gerade mal einem DIN A4-Blatt ein trostloses Dasein führte. Jetzt haben die 16 bis 17 Monate alten, ausgedienten Legehennen, die Hühner-Vermieter Lüft aus der Massentierhaltung gerettet hat, deutlich mehr Platz. Mindestens vier Quadratmeter Platz pro Huhn – so die Vorgabe der Hühnervermietung – sollen es sein.

„Nelly feierte ihren sechsten Geburtstag und hat als jüngstes von drei Geschwistern alles, was man sich als Kind wünschen kann. Wir haben ihr 'Das große Buch der Hühnerhaltung' geschenkt. Und ihr Opa kam auf die Idee, fünf Hühner zu mieten“, erzählt Nellys Papa Peter Ehlert. Gesagt – getan. Großvater Rudolf Seelmann und Nellys Bruder Mattis fuhren samstags mit Großvaters Auto zum Hühnerabholen nach Seligenstadt. Und bei der Hühnervermietung war viel los.

Hühner-Vermietung in Seligenstadt

Wer sich Hühner mieten will, braucht nur zu Michael Lüft nach Seligenstadt zu kommen. Unter dem Motto „Rent a Huhn“ hatte die Hühnervermietung Lüft 2013 ein neues Projekt gestartet. Mit der Aktion „Miete dir ein Huhn“ ist es nun seit sechs Jahren auf einfache Weise möglich, gackerndes Landleben in seinen Garten zu holen. Frei nach dem Motto „Ich will wissen, wo mein Essen herkommt“, kann man so wochenweise bis hin zu mehreren Wochen mindestens fünf Hühner mieten und darf die Eier natürlich behalten.

Die fünf Hennen bereichern den Alltag, bringen Freude und Abwechslung und bieten ein besonderes Erlebnis. Sie sorgen für Gesprächsstoff, locken Freunde an und erzielen mitunter sogar eine therapeutische Wirkung, denn sie wecken längst vergessene Erinnerungen an frühere Zeiten. „Jährlich können wir 250 dieser Legehennen aus kooperierenden Legebetrieben übernehmen und damit dem lebensverachtenden System der Eierindustrie entreißen“, heißt es auf einem Flyer von Hühnervermieter Lück.

„Wir bekommen von unseren Gasthühnern pro Tag zwischen einem und drei Eier gelegt“, erzählen die Geschwister voller Begeisterung. Jetzt sind sie ganz sicher, dass Eier nicht im Supermarkt wachsen, und wissen, wie ein Huhn lebt und frisst. Die Geschwister kümmern sich um Lebewesen und übernehmen so soziale Verantwortung.

Mietzeit um eine Woche verlängert

„Allerdings muss ich morgens meistens die Hühner füttern, weil morgens vor Schule und Kindergarten die Zeit knapp ist. Aber die Hühner sind sehr pflegeleicht“, schmunzelt Vater Peter. Nun hat die Steinheimer Familie beschlossen, die zweiwöchige Mietzeit um eine weitere Woche zu verlängern.

Die Kinder essen die gelegten Eier – etwa als Frühstücks-ei oder Rührei. „Wenn ein Huhn ein Ei legt, gackert es laut. Es kommt aus dem Haus und verkündet es ganz stolz“ hat Mutter Christiane festgestellt. „Den mobilen Stall mit Stangen und Legeabteil, ein Sack Hühnerfutter sowie Futter- und Wasserautomat, Einstreu für das Nest und ein 25 Meter mobiler Zaun hat uns die Hühnervermietung bei Abholung des Federviehs mitgegeben“, sagt Peter Ehlert.

Natürlich bekommt das Federvieh weitaus mehr als Körnerfutter. „Du bringst ihnen die Küchenabfälle und bekommst als Dank Eier“, sagt Ehlert. „Auf Reis sind sie ganz heiß, Trauben mögen sie alle und aufgeschnittene Zucchini sind für die Hühner ein echter Leckerbissen.“ Als die Hühner neu da waren, saßen drei Generationen – Großvater, Eltern und Kinder – vor dem Hühnergehege und beobachteten das Federvieh beim Eingewöhnen im rund 30 Quadratmeter großen Gehege. Und das wiederum beobachtete durch den Maschenzaun die neue „Pflegefamilie auf Zeit“.

Mittlerweile war schon Smillas Schulkasse zu Besuch bei den Hühnern, Apothekerin Carola Hartl und ihre Enkel haben den Hühnen eine Zucchini als Gastgeschenk mitgebracht. „Hühner haben ihre eigene Hackordnung. Das weiße Huhn steht wohl ganz unten in der Rangfolge. Es muss mit Einbruch der Dunkelheit als erstes in den Stall und darf am Morgen erst als letztes heraus“, hat Papa Ehlert festgestellt.

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