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Fall Sylvia K.: Staatsanwalt bleibt bei Mord

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Mit einem Messer erstach die Angeklagte Sylvia K. ihren Lebensgefährten. Die Staatsanwaltschaft fordert zehn Jahre Haft wegen Mordes (Symbolbild).
Mit einem Messer erstach die Angeklagte Sylvia K. ihren Lebensgefährten. Die Staatsanwaltschaft fordert zehn Jahre Haft wegen Mordes (Symbolbild).

Hanau/Gelnhausen. Im Verfahren gegen Sylvia K. (53), die ihren sieben Jahre jüngeren Lebensgefährten mit zehn Messerstichen tötete, wurden gestern die Plädoyers gehalten. Für Prozessbeobachter überraschend rückte Oberstaatsanwalt Jürgen Heinze nicht von seiner Mordanklage ab.

Von Dieter A. Graber

Obwohl Gutachter Rüdiger Müller-Isberner nicht hatte ausschließen wollen, dass die Angeklagte an jenem 29. Dezember vergangenen Jahres wegen verschiedener psychischer Leiden, unter anderem schwerer Depressionen, schuldunfähig (Paragraph 20 StGB) war, sprach Heinze von einer „geplanten, zielgerichtet ausgeführten Tat“, bei der das Mordmerkmal der Heimtücke vorliege.

Lückenloses Bild des Geschehens rekonstruiertLaut Ankläger ließe sich durch die Indizien und Zeugenaussagen ein lückenloses Bild des Geschehens im Hause Im Goldberg 21a in Gelnhausen zusammenfügen. Als Sylvia K., die schon zuvor einmal gedroht hatte, Adem A. zu erstechen, sollte er sie verlassen, die WhatsApp-Korrespondenz mit seiner Ex-Frau auf seinem Mobiltelefon gelesen habe, sei sie zur Ausführung ihres Vorhabens geschritten.

„Ihr Motiv war Eifersucht; sie hatte Angst, ohne Bindung zu sein.“ Erst Stunden später, als der Nachbar den Toten fand und den Rettungsdienst alarmierte, habe sie sich selbst – mit einem kleinen Messer – leichtere Verletzungen zugefügt, um den Eindruck eines Suizidversuchs zu erwecken. Dies wertete er als einen Beweis für ihr rationales Vorgehen.

Rationale Merkmale bei Sylvia K.?In seinem bemerkenswerten Vortrag stützte sich Heinze auf die Anmerkung des Gutachters, je mehr rationale Merkmale (bei der Tatausführung) man unterstelle, desto weiter entferne man sich von einer tatsächlichen Schuldunfähigkeit. Eine diesbezügliche Wertung des Handelns von Sylvia K. wollte der Psychiater dem Gericht allerdings nicht abnehmen.

Heinze forderte zehn Jahre Freiheitsstrafe wegen Mordes, begangen im Zustand verminderter (!) Schuldfähigkeit (Paragraph 21 StGB) sowie die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus.Bemerkenswert dabei ist, dass Heinze ein Gutachten des Landeskriminalamtes völlig außer Acht ließ, in dem festgestellt worden war, die große Menge an bereits getrocknetem Blut neben und auf dem Bett sowie im Bad stamme von der Angeklagten. Der Suizidversuch lässt sich also doch auf die Zeit direkt nach der Tat zurückführen.

Verteidiger fordert FreispruchIn seinem ebenso kurzen wie treffenden Plädoyer forderte Verteidiger Peter Oberländer einen Freispruch für seine Mandantin: „Wenn ein Gutachter die Schuldunfähigkeit nicht ausschließt, kann es keine andere Entscheidung geben.“ Im Zweifel also für die Angeklagte.

Die Vertreterin der Nebenklage, Rechtsanwältin Silke Kirchvogel aus Eschweiler, hatte sich der Forderung Heinzes angeschlossen. Die Schwurgerichtskammer will ihr Urteil am Mittwoch, 7. September, verkünden.

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