An diesem Schuppen der Main River Ranch wurden die Leichen seinerzeit entdeckt. Archivfoto: Kalle

Hanau

Fall Klock: Nebenklage stellt weitere Beweisanträge

Hanau. Im Klock-Prozess hat die Nebenklage weitere Beweisanträge gestellt. Immer noch muss geklärt werden, ob Claus Pierre B. und Klaus-Dieter B. aus Notwehr gehandelt haben oder nicht. Am jüngsten Prozesstag war unter anderem die Suche nach dem getöteten Ehepaar noch einmal Thema.

Von Dieter A. GraberHat Frau Sch. bei ihrem Nickerchen tief geschlafen oder nur gedöst? Ruhte sie im Zustand tiefer Somnolenz auf ihrer gelben Gartenliege oder war es ein leichter Schlummer, dem sie sich hingegeben hatte am Mittag des 6. Juni 2014?

Für die Rechtsanwälte Bauer und Dietrich scheint das eine Art Gretchenfrage geworden zu sein, in der sie ihre ganze Empörung zu bündeln vermögen über ein Urteil, das doch längst Geschichte ist. Gerade so, als seien Klaus-Dieter B. und sein Sohn Claus Pierre freigesprochen worden wegen der Fehlinterpretation des Mittagsschläfchens von Andrea Sch. auf dem Gelände der IG Pferdeglück zu Dörnigheim.Notwehr oder kaltblütiger Mord?Dreimal musste Frau Sch. damals vor der 1. Großen Strafkammer als Zeugin erscheinen. Einen Tag nach dem Verschwinden von Harry und Sieglinde Klock hatte sie einem Polizisten berichtet: „Ich wurde durch zwei Schüsse geweckt.“ Hundegebell hingegen habe sie nicht gehört. Auch kein Schreien. Nur Vogelgezwitscher und die Stille des mittäglichen Mainufers. Zweimal peng und sonst nichts. Das wiederholte sie vor Gericht.

Rechtsanwalt Michael Bauer schlussfolgert daraus, die Geschichte des Angeklagten Claus Pierre B. über einen Kampf mit dem wütenden Harry Klock, akustisch begleitet von dessen Kanarischen Doggen, bei dem der Angreifer schließlich „in Notwehr“ erstochen worden sein soll, könne nicht stimmen. Es müsse Mord gewesen sein. Kaltblütiger Mord.Zahlreiche GutachtenDie Kammer hatte aber ins Urteil geschrieben, Frau Sch. habe erstens fest geschlafen und zweitens wegen des ständigen Flug- und Verkehrslärms ohnehin nichts wahrnehmen können. Das ärgert Bauer. Er beantragt ein Gutachten. Eins? Ach was, gleich ein paar – vom Deutschen Wetterdienst zur Windrichtung an jenem Tag, von der Flugsicherung zum Verkehr am Himmel und dann noch eins über den auf der nahen L3268 und, nicht zu vergessen: Die Entfernung zwischen Main River Ranch und jener Straße soll amtlich festgestellt werden. Es sind übrigens exakt 120 Meter. Und das ohne Gutachten.

Längst hat sich der zweite Klock-Prozess emotional hochgeschaukelt zu einer verschwörungstheoretischen Auseinandersetzung, die von der linken Seite im Saal 215 befeuert wird: von den Angehörigen der Toten und ihren Rechtsvertretern. Für sie mögen diese Anträge auch ein Stück Vergangenheitsbewältigung sein; die Abrechnung mit einem Urteil, das zu akzeptieren ihnen, verständlicherweise, nicht möglich ist. Sie haben gekämpft um diese Neuauflage. Sie wollen diesmal ein anderes Ergebnis. Ihr Ergebnis.

 

Leichensuche zunächst ohne ErfolgPolizeibeamte sagen aus. Sie erinnern sich an den Gang der Ermittlungen, der ein mühsamer war. Was haben sie nicht alles getan, um das Schicksal der verschwundenen Eheleute aufzuklären. Die Abwassergrube wurde geleert, der Misthaufen umgeschaufelt. Ein Taucher quetschte sich bis auf den Grund des schmalen Brunnens, der den Hof mit Wasser versorgte.

Ein Leichensuchhund schnüffelte eineinhalb Stunden lang das 2900 Quadratmeter große Gelände ab. Ohne Erfolg. Dabei lagen die Leichen neben der Partyhütte, verscharrt unter Stroh, Pferdedung und alten Brettern, nur ein Steinwurf vom Eingang des Wohnhauses entfernt, wo „die todbringenden Handlungen stattfanden“, so Oberstaatsanwalt Heinze. Kurios: Die Fahnder hatten hier nichtsahnend Gerümpel aufgehäuft, das ihnen bei der Suche im Wege gewesen war, kaputte Sitzmöbel, Kisten und Plastiktüten voller Unrat.Waffe bei der Schwester verstecktFrüh konzentrierte sich der Verdacht auf Vater und Sohn B., aber auch Manuel M. musste sich eine Festnahme samt Wohnungsdurchsuchung gefallen lassen. Der junge Mann hatte dereinst ebenfalls auf der Ranch gewohnt. Er soll mal eine Drohung gegen die Klocks ausgestoßen haben. Er sei, hieß es, bewaffnet. Er wurde auf der A66 von der Polizei gestoppt. Er hatte aber ein Alibi.

Eine knappe Woche nach dem Verschwinden der Klocks meldete die Schwester des Klaus-Dieter B. der Polizei einen brisanten Fund, auf den sie in ihrem Keller gestoßen war: eine Walther P.38, versteckt in einem leeren Farbeimer. Kurz zuvor hatte ihr Bruder sie gebeten, etwas bei ihr deponieren zu dürfen. Die Waffe, mit der Sieglinde Klock erschossen worden war. Zu diesem Zeitpunkt saßen die beiden bereits in Untersuchungshaft.

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