Nicht jedes Rad ist in Bewegung: Auch bei diesem Bike, das seit geraumer Zeit unweit des Steinheimer Bahnhofs an der Kette liegt, fragen sich Passanten, warum das Vehikel zur „Immobilie“ geworden ist. Foto: Reinhard Paul

Hanau

39 Fahrräder kamen 2019 ins Fundbüro

Hanau. Ein Fahrrad steht eigentlich für Bewegung und Mobilität. Und die meisten Menschen legen sich eines zu, um schnell und umweltfreundlich von A nach B zu gelangen. Um so erstaunter war eine Hanauerin, die vom Fenster ihrer Wohnung auf ein Rad schaute, das dort an einem Laternenpfahl angekettet war.

Von Jutta Degen-Peters

Nicht nur ein, zwei oder drei Wochen. Es vergingen Monate und schließlich gar ein ganzes Jahr, in dem das Vehikel, zur Untätigkeit verdammt, unbeweglich an besagtem Mast festhing.

Fahrrad an Ordnungsamt und Polizei gemeldet

Da sich die Bürgerin fragte, was es mit dem Zweirad wohl auf sich habe, meldete sie ihre Beobachtung dem Ordnungsamt. Das verwies sie wiederum an die Polizei, der sie daraufhin ebenfalls Meldung machte. Die Polizei wiederum schlussfolgerte messerscharf, es könnte sich bei der „Immobilie“ ja um das Gefährt eines Menschen handeln, der länger im Krankenhaus ist.

Abgeholt wurde das Fahrrad zunächst nicht. Dafür aber prangte nach Aussagen besagter Bürgerin wenige Tage darauf ein Zettel an der Sattelstange. Darauf war zu lesen „Bitte bis 30. Dezember 2020 stehen lassen“. Dieser Vermerk mit dem Wunsch nach verlängertem Bleiberecht entstammte wohl eher Feder eines Scherzboldes als des Inhabers. Es sei denn, dieser hätte – ans Bett gefesselt – zwischenzeitlich daran gedacht, dass das Ordnungsamt sich seines Rades bemächtigen könnte und das mit dem Zettel verhindern wollen.

Abtransportiert wurde das Rad am Ende doch noch. Ob vom Ordnungsamt oder vom Inhaber oder der Inhaberin bleibt leider im Dunkeln.

Frau entdeckt weitere verlassene Fahrräder

Für die Leserin, die unserer Redaktion ihre Entdeckung mit sämtlichen Bewegungsabläufen schilderte, ist die Rad-Erspähung vorm Küchenfenster kein singuläres Ereignis. Sie scheint vielmehr über außergewöhnliche Fähigkeiten zu verfügen.

Unweit des Steinheimer Bahnhofs, so erklärte sie, warte, ebenfalls fest verschlossen, ein weiteres Fahrrad im gut erhaltenen Zustand seit Monaten auf sein Herrchen oder Frauchen. Auf die Frage, ob sie von Beruf Fahrtradfinderin sei, lachte die Dame. Aber vielleicht denkt sie über diese Anregung doch noch einmal nach.

Zahl der Fundräder geht zurück

Schließlich kommt es immer wieder vor, dass in der Stadt Fahrräder gefunden und beim Fundbüro abgegeben werden. Bei Damenrädern, Mountainbikes und Kinderrädern ist zwar ein leichter Rückgang an Findevorgängen zu verzeichnen – laut städtischer Pressestelle wurden 2018 insgesamt 24 Damenräder, 27 Mountainbikes und sieben Kinderräder aufgespürt, wohingegen, es 2019 nur noch elf Damenräder, 14 Mountainbikes und fünf Kinderräder waren.

Allerdings scheinen Herrenräder derzeit nicht mehr ganz so hoch im Kurs zu stehen. Hier gab es 2018 sechs Fundstücke und im vergangenen Jahr sogar neun. Die Gesamtbilanz von 39 Fundrädern 2019 gegenüber 64 im Vorjahr weist allerdings daraufhin, dass sich das Zweirad weiterhin größerer Wertschätzung erfreut.

Meist ist es die Polizei, die verwaiste Fahrräder im Fundbüro abgibt. Aber auch die Stadtpolizei, das Klinikum Hanau, das Heinrich-Fischer-Bad und einzelne Bürger erweisen sich immer wieder als ehrliche Finder. ju

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