Viele Menschen ziehen beim Projekt „Pilot“ an der Heinrich-Böll-Schule an einem Strang, um junge Menschen für die Berufswelt fit zu machen und ihnen Orientierung zu bieten. Foto: Rainer Habermann

Hanau

35 000 Euro für das Fördernetzwerk zur Berufsorientierung

Bruchköbel. Sören Lukas ist Schüler in der achten Klasse der Heinrich-Böll-Schule (HBS), einer Integrierten Gesamtschule. Eigentlich gehört seine Leidenschaft ja dem Kochen, wie er grinsend erzählt. Während des „Berufeparcours“ allerdings landete er beim HANAUER ANZEIGER.

Von Rainer Habermann

Abgesehen davon, dass er das alles „super spannend, mit der Redaktion und so“ fand, vermisste Sören etwas: „Da gibt’s ja gar keinen Druck mehr!“ Und eine Druckerei – neben Profiküchen – hätte ihn viel mehr interessiert: die handwerklichen und industriellen Abläufe darin.

Sören Lukas saß gemeinsam mit vielen weiteren HBS-Schülern am Mittwoch in der Runde der Berufspraktikanten, Pädagogen, Stiftern und Verantwortlichen. Beim Pressegespräch der Schule mit der Agentur für Arbeit, der Fraport-Stiftung „ProRegion“, und der Jugendberufshilfe „Pilot“ des evangelischen Kirchenkreises Hanau.

Stiftung gehört zu den Hauptförderern des Netzwerkes

Seit rund acht Jahren existiert dieses Fördernetzwerk in Sachen Berufsorientierung, und dank der finanziellen Unterstützung durch die Fraport AG,Betreiberin des Frankfurter Flughafens, konnte deren Stiftung – in Gestalt der Vorstände Lutz Galgan und Werner Göbl – nun einen Scheck in Höhe von 35 000 Euro übergeben.

Der ging an Margarete Petersein, die Leiterin von Pilot, und an Melanie Thönißen, die die Projekte der evangelischen Fachstelle an der HBS unmittelbar umsetzt und die Jugendlichen betreut. Der erneute Scheck macht deutlich: Die Stiftung gehört mit einem Umfang von rund 125 000 Euro Fördergeldern in den letzten Jahren zu den Hauptförderern des Netzwerks.

Zusammenarbeit sei der Schlüssel

Jedes Schuljahr nutzen nach Angaben von Pilot rund 700 Schüler das Angebot einer vernetzten Berufsorientierung. „In der Zusammenarbeit mit Lehrkräften, Eltern und regionalen Betrieben liegt der Schlüssel zum Erfolg dieses Projekts“, meinte Petersein. Im Pressegespräch beschrieben weitere Schüler, wie sie sich ihren beruflichen Weg vorstellen. Ohne Gewähr, selbstverständlich, denn wer weiß schon, was die Zukunft bringt.

Erstaunlich, aber durchaus wünschenswert angesichts steigender Anforderungen an die innere Sicherheit: Gleich drei künftige Abgänger der HBS wollen Polizisten werden. So hat beispielsweise der Zehntklässler Mehmet Arslan diesen Wunsch. Zuerst aber will er sein Abitur machen, und danach über eine entsprechende Ausbildung direkt zur Kriminalpolizei gehen. Ein Praktikum ist dabei sehr nützlich und das vermittelte ihm Thönißen.

Abi ist für Erfolg im Beruf nicht zwingend notwendig

Für Vijay Khanna gilt gleicher Berufswunsch, aber in der Jahrgangsstufe neun klappte das noch nicht mit einem Praktikum bei der Polizei, wegen des Alters. Er absolvierte daher ein Praktikum in einer Bäckerei: „Nicht so wirklich prickelnd“, meinte er zu seinen Erfahrungen.

Einen anderen Schüler faszinierte beim Berufeparcours der Stand der Bundeswehr. Seine Mutter hingegen sei der Meinung, statt sich freiwillig zu verpflichten, solle er lieber Abitur machen, wie er erzählte. Auch hier besteht für Pilot Handlungsbedarf. Thönißen wolle mit der Mutter sprechen, erklärte sie. Denn für Erfolg im Beruf ist das Abi nicht zwingend erforderlich.

„Lebenslanges Lernen ist ohnehin angesagt“.

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, mit Realschulabschluss in Berufe einzusteigen und sich dann weiter zu qualifizieren. Wie lautet der schöne Spruch: „Lebenslanges Lernen ist ohnehin angesagt“.

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