Im ungewohnten Wartungshallen-Ambiente begeisterte das Annika-Klar-Trio seine Zuhörer. Foto: Ulrike Pongratz

Hanau

Erstes HSB-Werkstattkonzert: Annika-Klar-Trio begeistert

Hanau. „Lassen Sie sich mal umarmen!“, kam eine Frau freudestrahlend auf Thomas Schulte zu, der bei dem Satz „Das mit den Bussen könnten Sie auch lassen“ befreit auflachen konnte.

Von Ulrike PongratzVor etwas mehr als drei Stunden hatte der Geschäftsführer des HSB Hanau gemeinsam mit Oberbürger-meister Claus Kaminsky und Stadtrat Thomas Morlock das erste Konzert in der Werkstatthalle des HSB an der Daimlerstraße eröffnet.

Unter dem Motto „Einfach ab(ge)fahren – 111 Jahre HSB“ feiert das 1908 gegründete Unternehmen mit seinen Fahrgästen elf „abgefahrene“ Aktionen. „Das heutige Konzert mit dem Annika-Klar-Trio ist sicher ein Höhepunkt unserer Veranstaltungen“, sagte Schulte, „es ist eine Premiere für uns alle, für die Musiker, für unsere Gäste und für die HSB.“

Den Charme erhalten

Die Mitarbeiter des städtischen Unternehmens haben für ihre Aktion geworben, sie haben die Werkstatt aufgeräumt, den Hallenboden mehrfach geputzt, dabei den Charme der Halle erhalten. Neue Busse und ältere Modelle umrahmten nicht nur den Konzertraum, sondern sicherten auch die Gruben unter den Hebebühnen. In der riesigen Werkstatt, in der von Montag bis Sonntag die Busse gewartet und gepflegt werden, erschienen die rohen Betonsäulen und Leitungen in rotem und grünen Licht wie skurrile Skulpturen.

Die Bühne für Stefan Seitz am Piano, Alfred Zwerenz am Kontrabass und Sängerin Annika Klar war in gleißend helles Licht getaucht – jetzt also war es Zeit für Jazz, Soul, etwas Rock und Pop.

Mit der Maintaler Sängerin stand eine Hochkaräterin aus der Region auf der kleinen Bühne in der riesigen Werkstatt. Sie war bereits als Sängerin im Chor von Mariah Carey bei einem Konzert in der Frankfurter Festhalle sowie als Background-Stimme für Chris Rea, Chris de Burgh und Annett Louisan im Einsatz.

Das Annika-Klar-Trio wurde von den 300 Gästen mit begeistertem Applaus empfangen. „Annika lebt ihre Musik. Sie hat eine großartige Ausstrahlung“, brachte es Peter Reuling aus Mittelbuchen auf den Punkt. Die Sängerin, die als Duo Alltid² mit Stefan Seitz seit über 30 Jahren gemeinsam musiziert, hatte aus ihrem Repertoire „von allem etwas“ mit im Gepäck.

Eine fast dreistündige Musikreise

Mit ihrer einzigartigen Stimme interpretierte Klar deutsche, englische und schwedische Titel, darunter viele bekannte Hits, und nahm das Publikum mit auf eine fast dreistündige musikalische Reise.

Ob Klar Songs von Aretha Franklin, Adele oder „I'm so excited“ von den Pointer Sisters interpretierte, oder das Geburtstagsständchen für die HSB – ihre vielseitige, klare Stimme beherrschte den Raum. Die Musiker gönnten sich kaum eine Pause, spornten sich gegenseitig zu Höchstleistungen an und versprühten dabei mit Charme und Energie gute Laune pur. Mit Songs wie „Here comes the rain again“ von Annie Lennox (Eurythmics) oder „Calling you“ aus dem Kultfilm „Out of Rosenheim“ stellte Klar die Wandelbarkeit und Vielseitigkeit ihrer Stimme unter Beweis, die schmeichelnd und leise, kratzig und rau klingen konnte.

Auch die Klaviersoli von Stefan Seitz, etwa zu „Unchain my Heart“, und die Solopartien von Alfred Zwerenz am Kontrabass wurden mit Sonderapplaus belohnt. Die anfängliche Skepsis, die Stadtrat Thomas Morlock, geäußert hatte, war verflogen: Das Konzept ging auf.

Prächtige Stimmung im Publikum

Die Stimmung im Publikum war prächtig. Stadträtin Claudia Borowski fand das Werkstattkonzert „Super! Klasse! Es macht Spaß, die Stimmung ist einmalig und sehr gelöst. Auch die Akustik ist gut. Ich finde den Abend sehr gelungen. Ein großes Lob an die HSB, das könnte man öfter machen.“ Zwei Gäste aus Ronneburg outeten sich als große Fans von Alltid²; sie seien vor allem sind hierhergekommen, weil sie die Location erleben wollten. Einzelne Stimmen fanden die Akustik in der Halle allerdings nicht ganz so gelungen und bemängelten, dass die sitzenden Gäste etwas mehr mitwippen und mitklatschen könnten.

Das mochte vor der Pause noch zutreffen, im zweiten Teil des Konzerts wurde bis in die vorderen Reihen gesungen und geklatscht. „Sie haben nicht nur eine Location, Sie haben auch einen Chor“, konnte Annika Klar den Verantwortlichen der HSB von der Bühne aus zurufen.

Mit dem Hit von Amy Winehouse „Why don't you come on over“ ließ das Annika-Klar-Trio zwar den letzten Akkord des offiziellen Programms erklingen, die Zugabe aber war gleichzeitig die Überraschung des Abends. HSB-Mitarbeiter Joachim Janz sang gemeinsam mit Annika Klar „I feel good“, das unter anderem James Brown 1964 eingespielt hat. Diese Zugabe riss das Publikum von den Plätzen, das erste Werkstatt-Konzert ging mit stehenden Ovationen zu Ende. upn

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